Parlament seit 20 Jahren mit "Grün-Stich": Grüne feiern erstmaligen Einzug in den NR

Vom "Bürgerschreck" zur "Geschäftsordnungspartei" Khol, Van der Bellen, Meissner-Blau... bei Feier

Parlament seit 20 Jahren mit "Grün-Stich": Grüne feiern erstmaligen Einzug in den NR

Aus der "wilden Frische der außerparlamentarischen Opposition" und dem einstigen "Bürgerschreck" wurde eine "Geschäftsordnungspartei mit vollen parlamentarischen Rechten". So fasste Nationalratspräsident Andreas Khol (V) die 20-jährige Karriere der Grünen im Parlament zusammen. Am Mittwoch beging die Partei ihr rundes Jubiläum im Hohen Haus mit einem bestens besuchten, launigen Festakt gespickt mit Anekdoten, Unterhaltungsmusik, Kurzfilmen und einer Geburtstagstorte.

In unterhaltsamen Reden gaben neben Khol und natürlich Bundessprecher Alexander Van der Bellen auch die erste Grüne Klubobfrau Freda Meissner-Blau, die frühere Grün-Politikerin Monika Langthaler sowie Christina Jahn von den Grünen Alternativen Studenten einen Abriss über Höhen und Tiefen der vergangenen 20 Jahre.

"Wir waren verspottet, verhasst, ein Fremdkörper im Parlament", blickte der Bundessprecher auf die Anfangsschwierigkeiten seiner Partei zurück. Auch das Grüne Urgestein Meissner-Blau erinnerte an die Zeiten, in denen die Grünen als "Störenfriede" im Parlament ausdrücklich "nicht willkommen geheißen" wurden. Damals sei es undenkbar gewesen, dass ein Nationalratspräsident "bei einem Fest der Grünen vorbeischaut und uns auch noch zum Geburtstag gratuliert".

Grüne belebten parlamentarisches Leben
Heute sind die ehemaligen Öko-Aktivisten eine "Geschäftsordnungspartei", so Khol. Viele kaum genützte Paragrafen der Geschäftsordnung hätten seit dem Einzug der Grünen im Parlament neues Leben erhalten. Diese "unveränderte Leidenschaft für parlamentarische Kontrolle" zeichnet die Partei noch heute aus, so Van der Bellen mit Blick auf die wiederholte Forderung nach der Offenlegung des Eurofighter-Kaufvertrages.

"Wir sind wirklich die Guten", rief eine enthusiastische Jahn in ihrer mit anhaltendem Applaus bedachten Ansprache. "Auch wenn ich da jetzt zwei Herren sehe, die ich wahrscheinlich nicht mehr davon überzeugen kann, dass der grüne Weg der Bessere ist", witzelte sie in Richtung der Klubobleute Wilhelm Molterer (V) und Herbert Scheibner (B), die ebenso wie Josef Cap (S) den Grünen ihre Aufwartung machten.

Insgesamt war das Abgeordnetensprechzimmer im Parlament am Mittwoch brechend voll mit Sympathisanten und Gratulanten. Frei blieb einzig ein eigens in der zweiten Reihe reservierter Sessel: "Wir bedauern, dass Monika Lindner der verspäteten Einladung zu unserem Festakt nicht nachgekommen ist". Nach der von Opposition und BZÖ kritisierten Teilnahme der ORF-Generaldirektorin an der ÖVP-Veranstaltung "Rede zur Lage der Nation" hatten auch die Grünen eine Einladung ausgesprochen.
(APA/red)