Pariser Ärzten gelingt medizinisches Wunder: Zum 2. Mal Gesicht transplantiert!

29-Jähriger litt an 'Von-Recklinghausen'-Syndrom Erste Operation nach Hundeangriff auf Französin

Gut ein Jahr nach der Weltpremiere haben französische Ärzte zum zweiten Mal große Teile eines Gesichts transplantiert. Ein 29 Jahre alter Mann erhielt eine neue Nase, einen neuen Mund, ein neues Kinn sowie eine neue Wangenpartie, wie Chefchirurg Laurent Lantieri bekannt gab. Die 15-stündige Operation erfolgte unter strikter Geheimhaltung in der Henri-Mondor-Klinik in Creteil südlich von Paris.

"Vom chirurgischen Standpunkt geht es dem Patienten gut", sagte Lantieri auf einer Pressekonferenz. Man müsse aber viele Monate warten um sagen zu können, ob die Transplantation ein Erfolg war. Der Patient litt an der Von-Recklinghausen-Krankheit (Neurofibromatosis), die zu einer Verformung seines Gesichtes führte, sagte Lantieri.

Der weltweit ersten Gesichtstransplantation unterzog sich die Französin Isabelle Dinoire im November 2005. Sie war von ihrem Labrador entstellt worden. Im November veröffentlichte das Ärzteteam aus Amiens in Nordfrankreich Fotos der 39-Jährigen, auf der sie freundlich lächelt und offenbar eine gute Kontrolle über ihr Gesicht hat. Sie erhielt die Nase, die Lippen sowie das Kinn einer hirntoten Frau. Der zweite Mensch mit einem neuen Gesicht wurde im April der Chinese Li Guo Xing, der von einem Bären angegriffen worden war.

Die neue Transplantation ist die erste, bei der die Folgen einer Krankheit beseitigt werden sollen. Die Neurofibromatosis führt zu Geschwüren am ganzen Körper. Sie wurde durch Joseph Merrick bekannt, der den "Elefantenmensch" im gleichnamigen Film von David Lynch spielte. Der Chirurg, der den jüngsten Eingriff vornahm, hatte die Gesichtstransplantation von Isabelle Dinoire kritisiert. Ihr Operateur Bernard Devauchelle habe nicht versucht, das Gesicht mit den Mitteln der plastischen Chirurgie wiederherzustellen.

Ärzteteams in Großbritannien und den USA bereiten die ersten Ganzgesichts-Transplantationen vor, haben allerdings noch keine Patienten ausgewählt. (APA/red)