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Paris-Terror: Österreich ermittelt

Suche nach zwei neuen Verdächtigen - waren mit Abdeslam in Österreich unterwegs

Terroranschläge in Paris mit zahlreichen Toten © Bild: imago/Xinhua

In die Ermittlungen zu den beiden neuen Verdächtigen nach den Terroranschlägen in Paris ist auch die österreichische Polizei involviert. Die beiden waren mit dem mutmaßlichen Organisator der Anschläge, Salah Abdeslam, im September in Österreich unterwegs. "Man versucht, den konkreten Weg zu rekonstruieren", sagte der Innenministeriums-Sprecher Karl-Heinz Grundböck.

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Das Auto, in dem sich die drei Männer befanden, sei am 9. September auf der Raststation Aistersheim (Bezirk Grieskirchen) kontrolliert worden, erläuterte Grundböck. Es habe sich um eine "routinemäßige Kontrolle" gehandelt, da es zum damaligen Zeitpunkt "keinen Hinweis auf irgendeine Straftat in Österreich" gegeben habe. Zu Abdeslam befand sich ein Eintrag der belgischen Polizei im Schengener Informationssystem (SIS), wonach dessen Aufenthalt festzustellen sei. Die Feststellung des Aufenthalts sei "in Echtzeit" in das Informationssystem eingetragen worden.

Abdeslams Begleiter "gefährlich"

Die französischen und belgischen Ermittler hatten zuvor mitgeteilt, dass sie nun auch nach den beiden Mitfahrern Abdeslams fahnden. Sie seien gefährlich und möglicherweise bewaffnet. Demnach hatten sie auch gefälschte belgische Personalausweise benutzt. Grundböck sagte, dass die österreichische Polizei bei der Kontrolle nicht feststellen konnte, ob es sich bei den Ausweisen um Fälschungen gehandelt habe.

Es wird vermutet, dass Abdeslam die beiden unter den am Budapester Bahnhof wartenden Flüchtlingen angeworben hat. Aus ungarischen Regierungskreisen verlautete am Donnerstag, dass Abdeslam nach Budapest gekommen war, um unter Migranten ein "Team" zusammenzustellen. Wegen der schlechten humanitären Lage, in der sich die Flüchtlinge in Ungarn befanden, hatten Österreich und Deutschland im September ihre Grenzen geöffnet. Personenkontrollen konnten wegen des Massenandrangs nur noch stichprobenweise durchgeführt werden.

+++ DIE WICHTIGSTEN EREIGNISSE DES TAGES +++


30 Tote bei Selbstmord-Anschlag im Tschad

Bei einem Bombenanschlag im zentralafrikanischen Tschad sind nach Angaben aus Sicherheitskreisen am Samstag etwa 30 Menschen getötet worden. Drei Selbstmordattentäter hätten sich auf der Insel Koulfoua im Tschadsee während eines Markttages in die Luft gesprengt. 80 Menschen seien verletzt worden. Wer hinter dem Attentat steckt, war zunächst nicht klar. Zu Beginn des Jahres waren Tausende Menschen vor der radikal-islamischen Organisation Boko Haram auf die Insel geflohen. Allerdings war zunächst nicht bekannt, ob diese Menschen sich noch auf Koulfoua aufhielten.

Im Tschad kommt es immer wieder zu Anschlägen und anderen Gewaltakten der Boko Haram. So waren erst im Oktober 33 Menschen bei Selbstmordattentaten getötet worden. Auch damals waren ein Markt sowie ein Flüchtlingslager an der Grenze zu Nigeria Ziel der Gewaltaktionen. Boko Haram ist seit Jahren vor allem in Nigeria aktiv und kämpft im Nordosten des Landes für einen islamistischen Staat. Die Extremisten haben Tausende Menschen getötet und Millionen Einwohner vertrieben.

Britische Kampfjets greifen Ölanlagen des IS an

Britische Kampfjets haben in der Nacht zu Samstag erneut von der radikal-islamischen IS-Miliz kontrollierte Ölanlagen in Syrien bombardiert. Sowohl Ölförderanlagen als auch ein Ölfeld seien im Osten des Landes getroffen worden, sagte der britische Verteidigungsminister Michael Fallon dem Sender Sky News. Der IS nutzt die Ölanlagen als Finanzierungsquelle. Bereits am Tag zuvor hatte die von den USA geführte Allianz mehrere Ölanlagen unter Kontrolle der IS-Miliz angegriffen.

Das britische Parlament hatte erst am Donnerstag grünes Licht dafür gegeben, den Einsatz gegen IS-Ziele im Irak auch auf Syrien auszuweiten. Wenige Stunden später starteten die ersten britischen Tornados Luftangriffe auf IS-Ziele. In der Nacht zu Samstag kamen erstmals Eurofighter-Kampfjets zum Einsatz, die Großbritannien zuvor nach Zypern verlegt hatte.

Drahtzieher hatte Kontakte nach Großbritannien

Der mutmaßliche Drahtzieher der Anschlagsserie, Abdelhamid Abaaoud, hatte laut einem Pressebericht Kontakte nach Großbritannien. Mehrere Menschen, zu denen Abaaoud Kontakt gehabt haben soll, seien in Großbritannien ansässig, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf nicht näher genannte westliche Behördenvertreter.

Laut "Wall Street Journal" sollen Abaaouds Kontakte im Raum Birmingham ansässig sein. Wie die Zeitung weiter berichtete, soll "mindestens eine Person, die mit den Anschlägen in Verbindung stand", vor den Attacken nach Großbritannien gereist sein. Die britische Polizei wollte sich auf Nachfrage nicht zu dem Bericht äußern.

Die zweitgrößte britische Stadt Birmingham tauchte schon häufiger im Zusammenhang mit islamistischen Extremisten auf. Von dort stammte etwa der IS-Rekrutierer Junaid Hussain, der im August bei Luftangriffen der internationalen Koalition in Syrien getötet wurde. Laut "Wall Street Journal" haben "mehrere islamistische Terrorzellen aus Nordafrika" Verbindungen nach Birmingham und Umgebung.

Eagles of Death Metal treten mit U2 in Paris auf

Die US-Rockband Eagles of Death Metal, die das Attentat auf den Pariser Konzertsaal Bataclan hautnah miterlebte, kehrt früher als geplant in die französische Hauptstadt zurück: Die kalifornische Band werde am Sonntag beim U2-Konzert in Paris dabei sein, wie das Magazin "Billboard" am Freitag berichtete. Das U2-Konzert findet in der AccorHotels Arena statt, das auch als Konzertsaal Paris-Bercy bekannt ist.

U2 trauern um Opfer in Paris.
© APA/EPA/MALTE CHRISTIANS U2 gedenkt der Opfer von Paris

Die Band Eagles of Death Metal hatte im Bataclan ein Konzert gegeben, als islamistische Attentäter eindrangen und 90 Menschen töteten. Von den Musikern wurde niemand verletzt, allerdings wurde ein Verkäufer von Fanartikeln der Band getötet. Auch drei Mitarbeiter ihres Musiklabels Universal sind unter den Todesopfern. Die Gruppe hatte nach den Attacken ihre eigentlich bis zum 10. Dezember geplante Europa-Tournee abgebrochen und war in die USA zurückgekehrt. Die Tournee soll nun im Februar fortgesetzt werden.

U2 war indirekt von der Anschlagsserie in Paris betroffen: Die Band sollte am 14. und 15. November in der französischen Hauptstadt auftreten, verschob nach den Attentaten aber die Konzerte. Die Nachholtermine sind nun am Sonntag und am Montag. U2 hatte die Eagles of Death Metal nach den Anschlägen persönlich unterstützt: Unter anderem kauften die irischen Rocker ihren US-Kollegen neue Handys und stellten ihnen ihr Flugzeug zur Verfügung.

US-Allianz greift Ölanlagen unter IS-Kontrolle an

Die von den USA geführte Allianz hat in Syrien mehrere Ölanlagen unter Kontrolle des IS angegriffen. 26 Angriffe seien am Donnerstag geflogen worden, teilte das US-Militär am Freitag in Washington mit. Im Visier seien unter anderem ein Ölfeld in der Nähe von Abu Kamal und eine Öl- und Gasanlage bei Dair as Saur gewesen.

Auch andere Stellungen des sogenannten Islamischen Staates seien attackiert worden. Die russische Luftwaffe flog ebenfalls Angriffe auf die IS-Miliz. Knapp 1500 "terroristische Ziele" in Syrien seien von 26. November bis 4. Dezember angegriffen worden, erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau russischen Nachrichtenagenturen zufolge. Die insgesamt 431 Angriffe hätten IS-Stellungen in den Provinzen Aleppo, Idlib, Latakia, Hama, Homs, Rakka und Deir es-Sor gegolten.

Die US-geführte Allianz zerstörte nach Angaben des US-Militärs auch Stellungen des IS im Irak. Die Extremisten haben weite Teile des Iraks und Syriens unter ihre Kontrolle gebracht und über die Staatsgrenzen hinweg ein Kalifat ausgerufen.

Der französische Präsident Francois Hollande, der sich nach den dem IS zugeschriebenen Anschlägen von Paris um ein breites Bündnis gegen den IS bemüht, besuchte den französischen Flugzeugträger "Charles de Gaulle" vor der syrischen Küste. In einigen Tagen solle das Kriegsschiff verlegt werden und Führungsaufgaben für die Allianz im Kampf gegen die IS-Miliz übernehmen, sagte Hollande. Der Flugzeugträger soll in den kommenden Tagen durch den Suez-Kanal in der Persischen Golf fahren.

UN-Sicherheitsrat berät über Austrocknung von IS-Finanzen

Die Finanzminister der im UNO-Sicherheitsrat vertretenen Staaten wollen noch vor Weihnachten Maßnahmen erörtern, Extremistengruppen wie den IS finanziell auszutrocknen. Die Finanzminister der 15 Mitgliedstaaten würden dazu am 17. Dezember in New York zusammenkommen. Bei der Sitzung sollten "zusätzliche notwendige Maßnahmen" diskutiert werden, Extremisten "von ihren Finanzierungsquellen abzuschneiden und die Fähigkeiten von Staaten zu stärken, die Finanzierung von Terrorismus zu verhindern".

"Den IS vom internationalen Finanzsystem zu isolieren und seine Finanzierung zu behindern ist unerlässlich, um diese gewalttätige terroristische Gruppe wirksam zu bekämpfen", erklärte US-Finanzminister Jack Lew, dessen Land im Dezember den Vorsitz im UNO-Sicherheitsrat inne hat. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen besteht aus fünf ständigen Mitgliedern, darunter die USA, und 15 nicht-ständigen Mitgliedern. Der US-Erklärung zufolge handelt es sich bei dem angekündigten Treffen um das erste, bei dem sich ausschließlich die Finanzminister der Sicherheitsratsmitglieder treffen.

Kommentare

christian95 melden

Es wir immer blöder!
Jeder Fluggast wir mehrmals überprüft aber die Grenzen beleiben angelweit offen. Hauptsache unsere Daten werden gespeichert.

christian95 melden

Ob die InnenministerIn ihre Haustür auch offen lässt?

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