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Anschlag in Paris: Zwölf Tote
nach Schießerei in Redaktion

Bewaffnete Männer stürmten Satiremagazin Charlie Hebdo und flüchteten nach Tat

  • Geiselnahme in Paris.
    Bild 1 von 50 © Bild: APA/EPA/Ian Langsdon

    Rettungswagen verlassen nach dem Sturm der Polizeikräfte die Porte de Vincennes.

  • Bild 2 von 50 © Bild: Christopher Furlong/Getty Images

    DAMMARTIN EN GOELE, In dieser Druckerei haben sich die Attentäter verschanzt. Das Fabriksgebäude wird umzingelt.

Bei einem Terroranschlag auf die Redaktion des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" sind am 7. Jänner 2015 zwölf Personen getötet und elf teils lebensgefährlich verletzt worden. Das Magazin hat in der Vergangenheit mehrfach mit Mohammed-Karikaturen für Aufruhr gesorgt. Die beiden Täter wurden identifiziert und befinden sich auf der Flucht.

Unter den zwölf Toten des Anschlags auf die Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" in Paris sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft acht Redaktionsmitglieder und zwei Polizisten. Auch ein Gast der Redaktion und ein Reinigungsmitarbeiter sind erschossen worden. Elf Menschen wurden verletzt, einer davon wurde auf der Flucht der Täter von den Brüdern angefahren

Ablauf der Tat

Die Verdächtigen sind am Mittwoch gegen 11.30 Uhr vor dem Sitz von "Charlie Hebdo" im elften Arrondissement im Zentrum von Paris vorgefahren. Zunächst hätten die schwarz Vermummten am Empfang von "Charlie Hebdo" mit Kalaschnikows das Feuer eröffnet, dann sind sie in den zweiten Stock gegangen, wo ein Redaktionskonferenz stattfand. Dort hätten sie gezielt zehn Menschen erschossen - acht Journalisten, einen Gast sowie einen Polizisten, der zur Bewachung von "Charlie Hebdo"-Chef Charb abgestellt war.

Paris Anschlag Charlie Hebdo Grafik
© APA

Nach dem Anschlag schossen die Attentäter vor dem Sitz der Zeitung einen Polizisten nieder, auch die Windschutzscheibe eines Polizeifahrzeuges wurde von Kugeln durchsiebt. Danach flohen sie in einem offenbar zuvor bereitgestellten Fahrzeug. Während der Fahrt gaben die Täter weitere Schüsse ab; eine Passantin wurde verletzt. Im Norden der Stadt ließen sie das Gefährt stehen und zwangen einen Autofahrer ihnen sein Auto zu überlassen.

© Philippe Dupeyrat/AFP/Getty Images Polizei und Feuerwehrleute versammeln sich vor dem Bürogebäude der Hebdo

Doch in dem Tank dürfte nicht genügend Benzin gewesen sein: Die Täter überfielen offenbar kurz nach der Autoübernahme eine Tankstelle bei Villers-Cotteret. Sie stahlen Benzin und Essbares. Der Betreiber einer Tankstelle in der Nähe der Gemeinde Villers-Cotteret habe die beiden eindeutig erkannt. "Die beiden Männer sind vermummt, mit Kalaschnikow und anscheinend mit Raketenwerfern" ausgerüstet, hieß es.


Auch das zweite Fluchtauto ließen die Brüder stehen. Die Suche nach den Flüchtigen konzentriert sich gegenwärtig auf die Gegend rund um das nordfranzösische Villiers-Coterets. Ein großes Aufgebot von Sicherheitskräften sei gegenwärtig in einem Umkreis von 15 bis 20 Kilometer rund um Crepy-en-Valois im Einsatz, berichtete "Le Figaro". Zahlreiche Hubschrauber kreisten über der Region. Die von lokalen Medien verbreitete Information, die Tatverdächtigen hätten sich in einem Haus in Crepy-en-Valois verschanzt wurde später vom Innenministerium dementiert.

In der Nacht durchkämmte ein Polizeigroßaufgebot den Wald von Longpont nahe der Stadt Villers-Cotterets, wo die Verdächtigen zuletzt gesichtet wurden. Rund 30 Polizeiautos seien vorgefahren, die Einsatzkräfte würden von Hunden begleitet.

Laut RTL ereignete sich am Freitagmorgen ein Schussgefecht in einem Betrieb in Dammartin-en-Goele., zudem gebe es eine Geiselnahme, zitierte die Nachrichtenagentur AFP Polizeikreise. Dammartin-en-Goele befindet sich in der Nähe des Flughafens Charles de Gaulle.

Details

  • 5-Minuten-Terror: Der Überfall im Redaktionsgebäude von "Charlie Hebdo" dauerte nur etwa fünf Minuten.
  • Bekennung zur Al-Kaida: Während des Anschlags riefen die Männer "Allah ist groß", "Wir haben den Propheten gerächt" und "Wir haben Charlie Hebdo getötet". Zudem sollen sie behauptet haben, zur Terrororganisation Al-Kaida zu gehören. Nach Aussage einer Augenzeugin sprachen die Täter perfekt Französisch.
  • "Wir erschießen keine Frauen": Arzt Gerald Kierzek, der Verletzte nach dem Attentat behandelte, sagte auf CNN nach Angaben des US-Senders, die Angreifer hätten die Anwesenden in der "Charlie-Hebdo"-Redaktion zunächst nach ihren Namen gefragt und Männer von Frauen geschieden, bevor sie das Feuer eröffneten. Trotzdem befand sich eine Frau unter den Todesopfern. Der Anschlag sei weniger ein wahlloses Um-Sich-Schießen gewesen denn eine Exekution, sagte Kierzek.
  • Ausweis im ersten Fluchtauto: Die Verdächtigen haben bei ihrer Flucht einen schweren Fehler gemacht und die Polizei auf ihre Spur gebracht. Die Terroristen vergaßen einen Personalausweis in ihrem ersten Fluchtfahrzeug, ehe sie das Auto wechselten. So verrieten die beiden verdächtigen Brüder Said (34) und Cherif K. (32) ihre Identität.
  • Überfall einer Tankstelle: In der Region Picardie gab ein Tankstellenbetreiber nach Medienberichten an, in den Morgenstunden die Tatverdächtigen gesichtet zu haben. Die schwer bewaffneten Männer sollen Benzin und Essen gestohlen haben.
  • Molotowcocktails und Jihad-Flaggen im zweiten Fluchtauto: Nahe der Tankstelle, die die Täter auf ihrer Fluch überfielen, fand die Polizei am frühen Nachmittag das letzte, bekannte Fluchtauto der mutmaßlichen Attentäter, einen grauen Renault Clio. Im Inneren wurden nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP Molotowcocktails und Jihad-Flaggen gefunden.

Zeitschrift wegen Mohammed-Karrikaturen in Kritik

"Charlie Hebdo" war mehrfach wegen Mohammed-Karikaturen kritisiert worden. Bereits 2011 war die Wochenzeitung Ziel eines Brandanschlags, nachdem sie eine Abbildung des islamischen Propheten Mohammed auf ihrer Titelseite veröffentlicht hatte. Bildliche Darstellungen Mohammeds sind im Islam verboten.

© Philippe Dupeyrat/AFP/Getty Images Ein Krankenwagen vor der Redaktion in Paris

Der Anschlag erfolgte am Tag des Erscheinens des islamkritischen Romans "Soumission" (Unterwerfung) von Michel Houellebecq in Frankreich. "Charlie Hebdo" hatte aus diesem Anlass Houellebecq am Mittwoch auf sein Titelblatt gehoben und sich über den Schriftsteller lustig gemacht. Der Roman beschreibt das Leben in Frankreich unter einem muslimischen Präsidenten.

Nach Angaben der Polizei hat das Wochenmagazin zahlreiche Drohungen erhalten, weswegen die Redaktion seit einiger Zeit unter ständiger Bewachung stand. Der letzte Tweet der Zeitung im Internet kurz vor dem Anschlag machte sich über den Anführer der Extremistenmiliz Islamischer Staat, Abu Bakr al-Bagdadi, lustig.

Hollande ruft nationalen Trauertag aus

Nach dem Angriff auf das Satire-Magazin "Charlie Hebdo" hat Frankreichs Präsident Francois Hollande für Donnerstag einen nationalen Trauertag ausgerufen. Die Landesflaggen sollten für drei Tage auf Halbmast gesetzt werden, sagte Hollande am Mittwochabend in einer Fernsehansprache.

Frankreichs Präsident Hollande
© REUTERS/Philippe Wojazer

Er rief seine Landsleute auf, sich durch das Attentat mit zwölf Toten nicht spalten zu lassen: "Unsere beste Waffe ist unsere Einheit", sagte der Präsident.

Mehr als 100.000 Menschen haben am Mittwochabend in ganz Frankreich bei Trauerkundgebungen der zwölf Todesopfer des Anschlags auf die Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" in Paris gedacht. In der Hauptstadt versammelten sich auf dem Platz der Republik mehr als 35.000 Menschen, wie die Polizei mitteilte. In vielen anderen Großstädten gingen ebenfalls tausende Demonstranten auf die Straße.

Internationale Betroffenheit

International löste der Anschlag Betroffenheit aus. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker verurteilte die Tat als "Barbarei", der britische Premier David Cameron nannte sie "ekelerregend", US-Präsident Barack Obama sprach von einer "furchteinflößenden Schießerei". "Diese abscheuliche Tat" sei ein Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit, sagte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel. Auch NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sprach von einem abscheulichen Angriff auf die Pressefreiheit.

Auch US-Präsident Barack Obama hat den Anschlag auf eine französische Satire-Zeitung scharf verurteilt und der Regierung in Paris die volle Unterstützung der Vereinigten Staaten zugesichert. Frankreich sei der "älteste Verbündete Amerikas" und habe mit den USA gemeinsam gegen die Bedrohung durch Terroristen in der Welt gekämpft, erklärte Obama am Mittwoch.

Der blutige Anschlag auf die Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" in Paris ist auch von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon mit Bestürzung aufgenommen worden. "Es war ein entsetzliches, durch nichts zu rechtfertigendes und kaltblütiges Verbrechen", erklärte Ban am Mittwoch am UN-Sitz in New York. Die Tat sei ein Anschlag gegen die Medien und die Meinungsfreiheit, "zwei Säulen der Demokratie". Es gelte nun, sich überall in der Welt "den Kräften der Spaltung und der Gewalt" entgegenzustellen.

Papst: Gewalt "niemals zu rechtfertigen"

Papst Franziskus hat das "grausame Attentat" auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" entschieden verurteilt. Die Tat habe Tod gesät, die gesamte französische Gesellschaft in Trauer gestürzt und alle Menschen, die Frieden liebten, tief aufgewühlt, heißt es in einer Mitteilung des Vatikans vom Mittwochabend.

"Was auch immer der Grund ist, tödliche Gewalt ist abscheulich und niemals zu rechtfertigen." "Papst Franziskus nimmt im Gebet an den Leiden der Verletzen und der Familien der Verstorbenen teil und fordert alle dazu auf, sich mit jedem Mittel der Verbreitung des Hasses und jeder Form der Gewalt entgegenzustellen", erklärte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi.

Pegida-Bewegung fühlt sich bestätigt

Die deutsche Pegida-Bewegung wertet die Terrorattacke von Paris als Bestätigung für ihre These vor einer angeblich drohenden Islamisierung Europas. "Die Islamisten, vor denen Pegida seit nunmehr 12 Wochen warnt, haben heute in Frankreich gezeigt, dass sie eben nicht demokratiefähig sind," hieß es am Mittwochabend auf der Facebook-Seite der Bewegung.

Die Islamisten setzten auf Gewalt und Tod als Lösung, so Pegida. "Unsere Politiker wollen uns aber das Gegenteil glauben machen". Die Bewegung der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" rief für den kommenden Montag zu einer weitere Demonstration in Dresden auf. Die Teilnehmer des "12. Großen Abendspaziergangs" sollten mit Trauerflor für die Terroropfer von Paris erscheinen. Am vergangenen Montag hatten sich 18.000 Menschen an der Dresdner Pegida-Kundgebung beteiligt.

Trauerkundgebung in Wien

Vor der französischen Botschaft in Wien haben sich Mittwochabend Hunderte Menschen versammelt, um den Opfern eines bewaffneten Angriffs auf eine Pariser Redaktion zu gedenken. Mit Kerzen, Plakaten mit der Aufschrift "Je Suis #Charlie" und einzelnen Ausgaben des Satiremagazins in den Händen signalisierten die Demonstranten Solidarität.

Solidaritäts-Kundgebung nach Anschlag auf Satirezeitung "Charlie Hebdo"
© APA/GEORG HOCHMUTH Solidaritäts-Kundgebung vor der französischen Botschaft in Wien

Reden wurden keine gehalten, da die Kundgebung von den Veranstaltern, die im Internet dazu aufgerufen hatten, als "stilles Gedenken" organisiert wurde. Alles verlief friedlich, die Polizei war vor Ort und am Gehsteig vor der Botschaft brannten zahlreiche Kerzen zum Gedenken an die Toten. Nach Angaben der Polizei versammelten sich etwa 300 Menschen zu der Kundgebung am Schwarzenbergplatz.

WIEN: SOLIDARITÄTS-KUNDGEBUNG NACH ANSCHLAG AUF FRANZÖSISCHES SATIREMAGAZIN "CHARLIE HEBDO"
© APA/GEORG HOCHMUTH Solidaritäts-Kundgebung

Kommentare

he Ingrid, spinnst du!!! Islam ist nicht gleich Islamismus!!

Genauso solche dummen Aussagen führen zum Radikalismus.
Ich kann Fanatiker und Selbstmordattentäter nicht ausstehen, aber auch österreichische hosenscheißer-Nazis nicht, die eh nurs Maul aufreissen

Habe gelesen wer aller daran beteiligt ist Rassismus noch staerker auszupraegen und direkt in Terror umzumuenzen, also aus Populismus. Erst Mal mit Moslems leben, dann entscheiden was da laeuft...

Gewalt ist immer zu verurteilen. Vor allem unter der Zivilbevölkerung. Hier sollten sich jedoch alle zusammenreisen. NATO, USA, Allianz der Willigen, IS, radikale Islamisten.....ich finde Orient und die westl. Welt schenken sich gegenseitig nichts. Daß auf beiden Seiten vor allem die Minderbemittelten Gehör finden, verschärft die Situation weiterhin.

Es ist 5 nach 12. Die europäische Politik hat geschlafen und diese Entwicklung verschlafen. Den Weitblick der Buckelei untergeordnet.

Ingrid Bruckl
Ingrid Bruckl melden

Zum kotzen das heuchlerische Entsetzen von Merkel & Co.
Jetzt sollte es dem dümmsten guten Realitätsverweigerer klar sein, warum die Menschen Zukunftsängste haben und dies auch auf die Strasse tragen.
Mal sehen ob die kirchlichen Würdeträger hier auch die Lamperln der Kirchen abdrehen.

Der radikale ( es gibt keinen gemäßigten) Islam hat Europa erreicht - das ist erst der Beginn.

seidenstraße
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ja. das ist erst der beginn. für schlimm halte ich auch, dass es viele warnerinnen gab, die die heutigen missstände voraussahen (ich), und die als natsis verunglimpft wurden. hoffe, im kölner dom wird das licht angeknipst, wenn attentäter morden. wenn leute aus angst vor diesen barbaren auf die straße gehen ( -> pegida), wird es dort nämlich abgedreht.

seidenstraße
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jetzt, nachdem jenes unglück passiert ist, welches für viele leute vorhersehbar war, zu negieren, sich wissentlich und ohne not religiös motivierte fanaten in den pelz gesetzt und gegen den "hausverstand" weiter teile der bevölkerung regiert zu haben, noch immer(!) zu beschwichtigen, halte ich für gefährlich: pegida wird die situation zu nutzen verstehen.

christian95 melden

WIR verdienen nichts anderes! WIR haben uns Leute gewählt die so etwas weiterhin negieren!
Wer Veränderung will muss auch Veränderung wählen, sonst ändert sich weiterhin nichts. (Multi-Kulti ist KEINE Bereicherung!)

seidenstraße
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ICH habe "diese leute" nicht gewählt, ICH habe sie mir deshalb auch nicht verdient.

123harry

man sieht ja was der Islam anrichtet in der ganzen welt!!!

wie heißt es bei den Jägern ?
Jeder Schuss ein Treffer ?

... der Islam ist eine friedliebende Religion...
... Europa ist islamfeindlich (Erdogan)...
... Multi-Kulti ist eine Bereicherung...

Ich glaub´s!

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