Katholische Kirche von

Papst Franziskus verteufelt Luxus

Ruft zur Armut auf und verurteilt "Heuchelei" von in Reichtum lebenden Ordensleuten

Papst Franziskus © Bild: APA/EPA/Kim Hong-Ji

Papst Franziskus hat bei seinem Besuch in Südkorea katholische Ordensgemeinschaften erneut eindringlich zur Armut aufgerufen und vor einem luxuriösen Leben von Priestern und Ordensleuten gewarnt. Er verurteilte die "Heuchelei" jener Ordensleute, die Armut gelobt hätten, dann aber wie Reiche lebten. Ihre Haltung schade der Kirche, so Franziskus, wie Kathpress berichtete.

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Armut schütze wie eine "Mauer" das gottgeweihte Leben und helfe Ordensleuten gleichzeitig, wie eine "Mutter", beim Wachsen entlang ihres Lebensweges, sagte der Papst am Samstag vor rund 5.000 katholischen Ordensleuten in Kkottongnae, einem katholischen Therapie- und Erholungszentrum südöstlich von Seoul.

Vermögen und Besitztümer für karitative Zwecke

Ordensleute sollten keinesfalls eine "bloß funktionale, weltliche Mentalität" annehmen. Eine solche Haltung zerstöre "das Zeugnis der Armut". Zugleich wandte sich Franziskus gegen eine bisweilen freudlose Verkündigung der christlichen Botschaft. "Nur wenn unser Zeugnis freudig ist, werden wir Männer und Frauen für Christus interessieren", sagte der Papst. Franziskus gehört selbst dem Jesuitenorden an.

Das Gelübde zur Armut bildet zusammen mit den Versprechen zu Keuschheit und Gehorsam den Kern der Gelübde, die katholische Ordensleute beim Eintritt in die Gemeinschaft ablegen müssen. Der Vatikan hatte die katholischen Orden jüngst in neuen Richtlinien dazu angehalten, Vermögen und Besitztümer in größerem Umfang für karitative Zwecke zu verwenden.

124 koreanische Märtyrer selig gesprochen

Zum spirituellen Höhepunkt seines Besuchs in Südkorea hat Papst Franziskus bei einer Freiluftmesse vor Hundertaussenden Menschen 124 Märtyrer seliggesprochen. Es handelt sich um Koreaner, die im 18. und 19. Jahrhundert in der Chosun-Dynastie wegen ihres christlichen Glaubens gefoltert und getötet wurden.

Papst Franziskus
© APA/EPA/Daniel Dal Zennaro

"Das Erbe der Märtyrer kann alle Männer und Frauen guten Willens anregen, in Eintracht für eine gerechtere, freiere und versöhntere Gesellschaft zu arbeiten", sagte der 77-jährige Papst am Samstag bei dem Gottesdienst im Zentrum von Seoul.

Erster Asienbesuch seit Beginn des Pontifikats

Sichtlich bewegt hatte Papst Franziskus zuvor Samstagfrüh auch am Heiligtum von Seo So-Mun niedergekniet, der alten Hinrichtungsstätte von Seoul. Ein Kreuz und drei Stelen erinnern an die ersten christlichen Märtyrer, die hier getötet wurden. Es ist sein erster Besuch in Asien seit Beginn des Pontifikats.

Wie schon am Freitag vor einer Mariä-Himmelfahrtmesse in Taejon wurde der Papst am dritten Tag seines Besuchs in Südkorea auch diesmal frenetisch begrüßt. In einem offenen "Papamobil" fuhr er durch ein Spalier jubelnder Menschen bis zu einem extra für die Messfeier aufgebauten Podium mit dem Altar am Ende des Kwanghwamun-Platzes. Rund 800. 000 Menschen seien gekommen, um die Zeremonie mitzuerleben, hieß es aus Vatikankreisen.

Papst Franziskus
© APA/EPA/Ahn Young-Joon

Während dieser Fahrt ließ Franziskus das Auto auch an einer Gruppe von Angehörigen von Opfern des "Sewol"-Fährunglücks in gelben T-Shirts anhalten. Er stieg aus und sprach mit den Menschen, darunter ein Mann, der sich bereits seit 20 Tagen in einem Protestlager unweit des Gwanghwamun-Tors im Hungerstreik befindet. Auf einem großen Transparent stand "Wir wollen die Wahrheit".

Kommentare

Mann oh Mann, der Gute dürfte vielen in der katholischen Kirche mittlerweile schwer im Magen liegen, das ist kein neuer Besen der da
kehrt, das ist schon ein Klopfsauger. Man muss zugeben,
der Mann hat sich bis jetzt keine Blößen gegeben und steuert das Schiff dorthin, wo man es gerne sehen würde, wenn man an Bord wäre. Meine Baustelle wirds ja aus Prinzip heraus nicht werden, aber dass dort ein Höchstrangiger bereit ist, den realen Scherbenhaufen dieser Welt zur Kenntnis und als Aufgabe zu nehmen, ist ein ungeheurer Fortschritt. Und auch wenns aus prinzipieller Metaphysikfeindschaft mit einer Heimholung bei mir nichts wird, so kann ich mir doch nicht helfen, ich mag den Mann.

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