Papst reist in die Türkei: Kirchenoberhaupt erwägt auch Besuch der Blauen Moschee

Es wäre sein 1. Gang in ein islamisches Gotteshaus Hunderttausende wollen vor Besuch protestieren

Papst reist in die Türkei: Kirchenoberhaupt erwägt auch Besuch der Blauen Moschee

Papst Benedikt XVI. wird bei seiner Türkei-Reise vermutlich erstmals auch eine Moschee besuchen. Eine Besichtigung der Blauen Moschee in Istanbul sei vom Vatikan wie auch von der Türkei erwünscht und werde derzeit geprüft, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Bisher stand eine solche Visite nicht auf der Agenda der Türkei- Reise. Unterdessen wollen hunderttausende Türken gegen den Papst-Besuch demonstrieren.

Aus Vatikan-Kreisen hieß es, eine kurze Besichtigung sei sehr wahrscheinlich und sei von türkischer Seite vorgeschlagen worden. Es wäre Benedikts erster Besuch eines islamischen Gotteshauses. Die Sultan-Ahmed-Moschee, auch Blaue Moschee genannt, wurde Anfang des 17. Jahrhunderts erbaut und ist eine der größten Touristenattraktionen des Landes. Sie steht direkt gegenüber der berühmten Hagia Sophia, einem weiteren Programmpunkt des Papstes auf seiner Reise.

Die Türkei-Reise des Papstes vom 28. November bis 1. Dezember ist die schwierigste seines bisherigen Pontifikats. Zwei Monate nach der vom Islam heftig kritisierten Rede des Heiligen Vaters in Regensburg stehen die vier Tage in der Türkei ganz im Zeichen der Bemühungen, den Dialog zu suchen. Benedikt hatte in einer Vorlesung in der bayerischen Domstadt einen byzantinischen Kaiser zitiert, der den Islam als gewalttätig und irrational beschrieb.

Der Papst bedauerte das Missverständnis, zog seine Worte aber nicht zurück. Der Chef der obersten Religionsbehörde in der Türkei, Ali Bardakoglu, forderte Benedikt nun im Vorfeld ihrer Begegnung auf, den friedlichen Charakter des Islams ausdrücklich anzuerkennen.

Die Sicherheitsmaßnahmen sind für den Besuch wegen der gespannten Situation entsprechend rigoros: Die Alitalia-Maschine des Papstes wird von F16-Abfangjägern der türkischen Luftwaffe zum Boden begleitet werden. Nach seiner Ankunft wird Benedikt mit einem gepanzerten Auto durch Ankara gefahren. Die Innenstadt soll völlig gesperrt werden, während überall auf den Häusern Scharfschützen positioniert werden.

Demos angekündigt
Hunderttausende Türken wollen gegen den bevorstehenden Papst-Besuch demonstrieren. Der Istanbuler Chef der islamistischen Partei der Glückseligkeit (Saadet Partisi), Osman Yumakogullari, organisierte eine große Massendemonstration gegen Benedikt XVI., berichtet die Türkei-Korrespondentin von "Spiegel Online", Dilek Zaptcioglu.

"Wir respektieren alle Religionen. Aber der Papst hat unseren Propheten beleidigt und damit den Hass des Westens auf den Islam ausgekotzt", erklärte Yumakogullari, der in Deutschland vom Verfassungsschutz in den neunziger Jahren als Chef der islamistischen Milli Görüs beobachtet wurde.

(apa)