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Papst trifft regelmäßig mit
Pädophilie-Opfern zusammen

"Missbrauch stets die Frucht einer machtversessenen Mentalität"

Papst Franziskus trifft freitags regelmäßig Opfer von Kindesmissbrauch durch Geistliche. Das berichtete Franziskus im Gespräch mit Jesuiten am 16. Jänner bei seiner jüngsten Reise in Chile. Auszüge des Gesprächs, die von dem Jesuitenpater Antonio Spadaro, Chefredakteur der Zeitschrift "Civilta Cattolica" aufgeschrieben wurden, wurden am Donnerstag von der Tageszeitung "Corriere della Sera" veröffentlicht.

"Der Weg, den Missbrauchsopfer durchmachen müssen, ist sehr hart. Sie werden vernichtet. Für die Kirche ist das eine große Demütigung, die nicht nur unsere Schwäche, sondern auch - das müssen wir offen sagen - das Niveau unserer Heuchelei bezeugt", betonte der Papst. Das Phänomen des Missbrauchs betreffe auch einige neue und reiche Kongregationen. "Dort ist Missbrauch stets die Frucht einer machtversessenen Mentalität, die in ihren üblen bösen Wurzeln geheilt werden muss", sagte der Papst.

Für Franziskus gibt es drei eng verbundene Formen von Missbrauch: Machtmissbrauch, sexuellen Missbrauch und Geldmissbrauch. "Geld ist immer dabei. Der Teufel ist im Geldbeutel", sagte der Heilige Vater. Das Argument, wonach es Pädophile in allen Berufsgruppen gebe, lehnt der Papst strikt ab. Auch ein einziger Pädophilie-Fall in der Kirche sei schrecklich. Aufgabe des Priesters sei es, Kinder und Erwachsene zu segnen. "Man muss hören, was ein Missbrauchsopfer empfindet", so der Papst.

Franziskus sprach mit den Jesuiten auch über die Widerstände gegen die Reformen, die er im Vatikan zu spüren bekommt. "Wenn ich Widerstände empfinde, suche ich den Dialog, wenn Dialog möglich ist. Einige Widerstände kommen von Personen, die denken, sie würden die wahre Doktrin besitzen und mich beschuldigen, ein Ketzer zu sein", sagte der Papst. Er bete für die Personen, die ihn attackierten.

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