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Jerusalem: Papst
besucht Felsendom

Heiliger Vater wirbt für Kooperation der Weltreligionen und drängt auf Frieden

Papst Franziskus besucht den Felsendom in Jerusalem. © Bild: REUTERS/Nir Elias

Papst Franziskus hat am Montag am letzten Tag seiner knapp dreitägigen Nahost-Reise auf dem Jerusalemer Tempelberg Muslime, Christen und Juden zum gemeinsamen Einsatz "für Gerechtigkeit und Frieden" aufgefordert. Das dichte Programm seiner Reise enthielt am Schlusstag viele sensible Begegnungen. Hinzu kam außerplanmäßig ein Abstecher zum israelischen Denkmal für die Opfer von Anschlägen.

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Der Papst nutzte ein Treffen mit dem islamischen Großmufti von Jerusalem, Mohammed Hussein, vor dem Felsendom zu seinem Appell zum Dialog. Das Oberhaupt der katholischen Kirche erinnerte daran, dass sich alle drei monotheistischen Religionen von ihrem gemeinsamen Erzvater, dem Propheten Abraham, ableiten.

Papst steckt Zettel in Klagemauer

Vom Tempelberg begab sich der Papst zur Klagemauer. Dort verharrte er einige Minuten in stillem Gebet, bevor er einen Zettel in einem Umschlag in die Mauerritzen steckte. Aus dem Vatikan hieß es, darauf sei das "Vaterunser" auf Spanisch notiert. Für Juden ist die Klagemauer ein Ort, der ihren historischen Anspruch auf das Land repräsentiert.

Mit Genugtuung wurde in Israel registriert, dass Franziskus anschließend als erster Papst nicht nur einen Kranz am Grab Theodor Herzls, des Begründers des modernen Zionismus, niederlegte, sondern in einer Abänderung seines Programms auch das nahe gelegene Mahnmal für Terroropfer besuchte. Damit balancierte er eine ähnlich starke Geste vom Vortag aus, als er in Bethlehem an der israelischen Sperrmauer gebetet hatte. Ihr Bau war 2002 als Reaktion auf die Intifada mit vielen Selbstmordanschlägen begonnen worden. Die Sperranlage verläuft oft nicht entlang der international anerkannten Staatsgrenze, sondern zwischen den palästinensischen Ortschaften und israelischen Siedlungen in den seit 1967 besetzten Gebieten.

Papst: "Terror muss enden"

Nach Angaben des israelischen Militärradios hatte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu diese weitere Geste der Solidarität mit Israel vorgeschlagen. In das dortige Gästebuch schrieb Franziskus: "Terror muss enden. Er ist kein Mittel, sondern fundamental kriminell." Nach dem Abstecher zum Denkmal für die Attentatsopfer besuchte der Papst die benachbarte Holocaustgedenkstätte Yad Vashem. Dort bezeichnete er die Ermordung von sechs Millionen Juden durch die Nazis als "unmenschlichen Abgrund".

Danach traf sich Franziskus mit den beiden jüdischen Großrabbinern David Lau und Yitzhak Josef und sagte: "Ich vertraue darauf, dass mit Ihrer Hilfe auch auf jüdischer Seite das Interesse für die Kenntnis des Christentums möglichst zunimmt - speziell bei den jungen Generationen."

Für Frieden im Nahen Osten gebetet

Bei einem Empfang in seiner Residenz hat der israelische Staatschef Shimon Peres die Einladung angenommen, gemeinsam mit Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas im Vatikan für Frieden im Nahen Osten zu beten. "Gerne treffen wir uns zum Gebet in unserem Haus oder im Eurigen, so, wie Sie es bevorzugen", sagte Peres. Franziskus hatte die Einladung am Sonntag überraschend bei einer Messe in Bethlehem ausgesprochen. Abbas hatte sie kurz darauf angenommen und will nach Angaben aus Ramallah am 6. Juni nach Rom reisen.

Kurz vor seiner Heimreise feierte der Papst dann noch eine Messe im Abendmahlssaal. "Hier, wo Jesus mit den Aposteln das Letzte Abendmahl einnahm; wo er, auferstanden, in ihrer Mitte erschien; wo der Heilige Geist mit Macht auf Maria und die Jünger herabkam. Hier ist die Kirche geboren", sagte der Pontifex.

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