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Heikles Thema: Frauen als Diakone?

Papst will Zulassung von Frauen zur Diakonenweihe prüfen

Papst Franziskus geht zu Ostern ins Gefängnis.
© Bild: APA/EPA/ETTORE FERRARI

Papst Franziskus will die Zulassung von Frauen zum Amt des Ständigen Diakons prüfen. Der Vorschlag kam ganz unerwartet aus den Reihen von 900 Ordensoberinnen: "Könnte nicht eine offizielle Kommission eingerichtet werden, die die Frage des Diakonenamtes für Frauen prüft?" Der Papst, der die Oberinnen zu einer Audienz im Vatikan empfangen hatte, wurde hellhörig, nachdenklich. "Ich glaube schon. Es wäre gut, wenn die Kirche diesen Punkt klärt", sagte er dann. "Ich bin einverstanden."

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Und wegen dieser wie eine Randnotiz wirkenden Bemerkung steht die katholische Kirche plötzlich womöglich vor einer grundlegenden Umwälzung.

Ein Papst, der gerne diskutiert

Der Kurie treibt Franziskus schon lange den Schweiß auf die Stirn. Kaum ein Thema ist ihm zu heiß, kaum eine seit Jahrhunderten eingefleischte Regel zu unumstößlich. Dabei führt sich der 79-Jährige aber nicht wie ein Alleinherrscher auf, der die Dinge eigenmächtig in die Hand nimmt - der Argentinier delegiert lieber, lässt diskutieren und prüfen, um dann zu einem Schluss zu kommen.

»Alle Verbote für Frauen - auch das Verbot, zu predigen - sind nicht unumstößlich«

"Wenn es um Frauen geht, dann setzt sich dieser Papst mit ganzem Herzen dafür ein, Hindernisse zu überwinden und gleichzeitig der Kurie, die starken Widerstand leistet, nicht auf die Füße zu treten," zitierte die Nachrichtenagentur Ansa die Historikerin Lucetta Scaraffia, die ein Frauen-Magazin der Vatikan-Zeitung "L'Osservatore Romano" leitet. "Alle Verbote für Frauen - auch das Verbot, zu predigen - gehören zum kanonischen Recht, das heißt, sie sind nicht unumstößlich und können sich ändern", fügte sie hinzu.

Der wichtigste Punkt dieser unerwarteten Öffnung sei aber, dass Frauen sich endlich getraut hätten, dem Papst ganz offen unbequeme Fragen zu stellen, weil sie es satt hätten, weiterhin ausgegrenzt zu werden. "Und der Papst hat gesagt: Ihr habt Recht!", so Scaraffia.

Papst bringt Bewegung in Leitlinien

Franziskus scheint ein Händchen dafür zu haben, Bewegung in scheinbar festgefahrene Dogmen, Grundsätze und Leitlinien der Kirche zu bringen, Dinge anzuschieben, ins Rollen zu bringen - ohne das Grundgerüst der Kirche freilich in Frage zu stellen. Das hatte er jüngst bei der Veröffentlichung seines Schreibens zu Ehe und Familie "Amoris Laetitia" bewiesen, als er offen und ganz menschennah über Zweisamkeit und Sex schrieb, statt sich in päpstlichen Anordnungen zu verlieren. Franziskus beweist immer wieder, dass er nicht an starren, Formen festhält, sondern die Bedürfnisse der Menschen des 21. Jahrhunderts kennt und versteht.

So weiß er auch um den Priestermangel und um die Probleme der Kirche, für junge Gläubige überhaupt noch attraktiv zu sein. Der ständige Diakonat, der auch verheirateten Männern offen steht, ist nach Angaben von Radio Vatikan derzeit die einzige Form der Berufung in der katholischen Kirche, die in Europa noch Zuwächse verzeichnet. Frauen zuzulassen wäre ein deutliches Signal, das der Kirche viele neue weibliche Anhänger einbringen könnte. Die Familiensynode hatte sich zuletzt hingegen nur am Rande mit dem Thema beschäftigt.

Nicht der erste Vorstoß

Der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hatte sich bereits 2013 für ein Diakonat für Frauen ausgesprochen - und war mit dem Vorstoß vielerorts auf Ablehnung gestoßen. Dabei hatte Zollitsch damals noch dafür geworben, Frauen als Diakone in einem speziellen neuen Amt zuzulassen. Also ohne Weihe.

Der Papst geht mit der Idee zu der Studienkommission noch weiter, denn hier geht es um eine Prüfung des ständigen Diakonenamtes. Aber was sind Diakone überhaupt? Ihre Weihe ist die unterste der drei Weihstufen in der Kirche, danach können die Priester- und die Bischofsweihe folgen - aber sie müssen es nicht. Diakone dürfen bestimmte Sakramente spenden, etwa die Taufe, nicht aber die Eucharistie oder die Beichte.

Auch der Mainzer Kardinal Karl Lehmann hatte sich erst kürzlich für ein Diakonenamt für Frauen eingesetzt. "Leider dauert es schon zu lange, bis in Rom eine Entscheidung fällt über einen Ständigen Diakonat der Frau", beklagte er. Eine Entscheidung ist auch jetzt noch nicht gefallen, und auch der Zeitrahmen für die Einrichtung der Kommission war zunächst unklar. Sicher ist nur: Eine leise Randnotiz des Papstes hat sich einmal mehr zum Paukenschlag entwickelt.

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