Neuer Stil im Vatikan von

Spezialteam des Papstes
im Einsatz gegen Armut

Almosenbüro im Vatikan: Franziskus initiiert "Erste Hilfe" für Notleidende

Papst Franziskus winkt aus dem Autofenster. © Bild: APA/EPA/Ettore Ferrari

Dass Papst Franziskus regelmäßig zum Telefonhörer greift und Hilfesuchende selbst anruft, ist Teil des neuen Stils im Vatikan. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche äußert sich dazu zwar nicht, immer wieder gibt es seit dem Amtsantritt im März aber Berichte von Angerufenen. Doch auch für jene, um die sich der 76-jährige Argentinier nicht persönlich kümmert, traf er Vorsorge. Im August ernannte er Kurienerzbischof Konrad Krajewski aus Polen zum neuen Chef des vatikanischen Almosenbüros - und wertete es seither zusehends auf.

Manche der an ihn geschickten Briefe leite Franziskus an das Almosenbüro weiter, sagt Krajewski im Gespräch mit Journalisten. "Ruft hier an", stehe dann etwa handschriftlich auf einigen Schreiben. "Ihr wisst, was zu tun ist", schreibe der Papst auf andere. "Wir leisten Erste Hilfe", sagt der 50-jährige Krajewski, dessen offizieller Titel Almosenier lautet. Sein Amt gibt es im Vatikan zwar schon seit Jahrhunderten, Franziskus habe aber ein besonderes Interesse daran und messe ihm einen hohen Stellenwert bei.

Rarer Einblick

Allein, dass der oberste Almosengeber im Kirchenstaat der Presse Einblick in sein Wirken gibt, kommt selten vor. Die Arbeit, die er mit seinen zehn regulären Mitarbeitern und einigen Freiwilligen aus den Reihen der Schweizergarde verrichtet, geschieht in der Regel abseits der Öffentlichkeit. Sein Büro liegt in einem entlegenen Winkel des Vatikans. Mit seinem Fiat mit vatikanischem Kennzeichen fährt Krajewski etwa durch die Straßen rund um den Vatikan oder zum römischen Bahnhof Termini, um Obdachlose zu unterstützen.

Auf die Frage, ob Franziskus ihn auf seinen Touren schon einmal begleitet habe, will Krajewski, bekannt auch als Don Corrado, nicht antworten. Dafür schildert er Fälle, um die er sich im Auftrag des Papsts gekümmert hat. So habe sich etwa eine ältere Frau gemeldet, der auf dem Weg zur Apotheke die Geldbörse mit 200 Euro für Medikamente gestohlen worden sei. Ähnliche Fälle würden auch immer wieder von Priestern an den Papst herangetragen, sagt Krajewski. Mit finanzieller Hilfe seines Büros kümmerten diese sich dann selbst darum.

Hilfe für tausende Menschen

Das Geld, das Krajewski verteilen kann, erwirtschaftet das Almosenbüro mit dem offiziellen Namen Elemosineria Pontificia teils selbst. Vor allem stellt es Urkunden mit dem päpstlichen Wappen für Hochzeiten, Jubiläen und Priesterweihen aus, im vergangenen Jahr nach offiziellen Angaben rund 250.000 davon. Die Preisliste startet bei 25 Euro. Mehr als sechs Millionen Euro dürften so eingegangen sein. Zu den Zahlen äußert sich Krajewski nicht detaillierter, sagt aber, dass etwa 6.500 Menschen geholfen worden sei.

Nicht immer geht es bei der Arbeit des Almosenbüros aber ausschließlich um Geld. "Die Briefe, die der Papst bekommt, sind oft Schreiben der Empörung", sagt Krajewski. Er beschreibt etwa den Fall einer Familie, die sich verzweifelt an ihn gewandt habe, weil die Tochter an Muskelschwund im Wirbelsäulenbereich leide. Um den Fall kümmerte sich in päpstlichem Auftrag zunächst Krajewski. Franziskus habe es sich letztlich aber nicht nehmen lassen, die Familie persönlich im Vatikan zu empfangen.

"Sehr einfühlsam"

Der Papst sei "sehr einfühlsam", sagt Krajewski und verweist auch auf die Aktion des Vatikans nach dem verheerenden Bootsunglück vor der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa, bei dem Anfang Oktober mehr als 360 Flüchtlinge starben. An die Überlebenden aus dem ostafrikanischen Eritrea verteilte Krajewski damals Telefonkarten, an die Rettungskräfte, die Leichen aus dem Schiffswrack bargen, Rosenkränze. Franziskus frage in diesem Zusammenhang oft: "Warum ist dieses Unglück ihnen zugestoßen und nicht mir?"

Kommentare

Endlich ein Papst, der eine der Grundregeln seiner Kirche auch vorlebt, nämlich die Barmherzigkeit. Jetzt müsste auch sein Klerus nachziehen. Da fehlt es bei der Barmherzigkeit für die Bedürftigen schon sehr. Da gibt's große Sprüche und Beschwichtigungen, und oft auch Ungerechtigkeit und Unbarmherzigkeit. Es ist Zeit zur Umkehr für den Klerus, dann wird die Kirche auch glaubwürdig.

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