Papst Franziskus von

Der überraschende Papst

Nach "epochaler Wahl" soll Franziskus die katholische Kirche aus der Krise führen

VATICAN NEW POPE ELECTED © Bild: APA/EPA

Die Wahl von Papst Franziskus ist für Kardinal Christoph Schönborn eine "positive Überraschung". International weckte sie Hoffnungen auf mehr soziale Gerechtigkeit und ein friedvolles Miteinander der Religionen. Einen Tag nach der historischen Wahl des ersten Lateinamerikaners zum Papst hat sich Franziskus in Rom der Öffentlichkeit gezeigt. Begleitet von scharfen Sicherheitsvorkehrungen begab er sich am Donnerstag in die römische Basilika Santa Maria Maggiore für ein privates Gebet zur Jungfrau Maria. Gleichzeitig trafen zahlreiche Glückwünsche an den Pontifex aus aller Welt ein.

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Für besonders viele Reaktionen sorgte die Namenswahl von Jorge Mario Bergoglio, der sich als erster Pontifex für "Franziskus" entschied. Die Wahl des Namens Franziskus sei auch Programm, erwartete sich Schönborn. Franziskus sei ein sehr "freier" Geistlicher, der ein Leben nach dem Evangelium bevorzugt. Zudem stehe er vor allem den Armen sehr nahe und habe ein konkretes Gespür für die Not der Menschen, sagte der Wiener Erzbischof. "Er ist ein Papst, der sicher noch manche Überraschungen bereit hält." So habe Franziskus nach seinem ersten Auftritt nicht den für ihn bereitgestellten Mercedes genommen, sondern sei mit den anderen Kardinälen im Bus zurück in seine Unterkunft gefahren.

Gewaltiges Arbeitspensum steht bevor

Auf Franziskus warten gewaltige Aufgaben. Die katholische Kirche leidet nach Ansicht von Kritikern unter einem Reformstau. Auch die Kurie und die Vatikanbank gerieten in Verruf. Und schon jetzt hat der 266. Papst einen vollen Terminkalender. Am späten Nachmittag (17.00 Uhr) wollte Franziskus in der Sixtinischen Kapelle mit allen Kardinälen, die in Rom sind, eine Messe feiern.

Am Samstag wird der neue Papst in der Aula Nervi Journalisten treffen. Am Sonntag wird er sein erstes Angelus-Gebet sprechen. Am Dienstag wird Franziskus dann mit einem feierlichen Gottesdienst um 9.30 Uhr in sein neues Amt eingeführt. Bei der Messe werden Delegationen aus der ganzen Welt und viele Staats- und Regierungschefs anwesend sein. Bundespräsident Fischer, Bundeskanzler Werner Faymann (S) und Außenminister Michael Spindelegger (V) haben ihre Teilnahme bereits zugesagt.

Bei dem Gottesdienst erhält Franziskus die Insignien der päpstlichen Macht, unter anderem das Pallium, eine Art Stola, und den Fischerring. Demnächst will er sich auch mit seinem Vorgänger treffen, wie Vatikan-Sprecher Federico Lombardi ankündigte. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat sich nach Castel Gandolfo zurückgezogen. Joseph Ratzinger war aus Altersgründen am 28. Februar zurückgetreten.

Ranghohe Glückwünsche aus aller Welt

Auch Bundespräsident Heinz Fischer deutete die Namenswahl als Schwerpunktsetzung auf die sozial Schwächeren und die Natur hin. Er zeigte sich erfreut, dass mit dem 76-Jährigen erstmals ein Mann von außerhalb Europas zum Papst gewählt worden ist. Dies zeugt seiner Meinung nach von "Weltoffenheit".

Gratulationen kamen auch von zahlreichen andere Staatspräsidenten. Israels Staatschef Shimon Peres lud den neuen Papst sofort ins Heilige Land ein. Russlands Präsident Wladimir Putin schrieb in einem Telegramm, er wünsche Franziskus gute Gesundheit und Erfolg bei der Förderung des Friedens und des Dialogs zwischen Zivilisationen und Religionen. China gratulierte, stellte aber gleichzeitig Forderungen: Der Vatikan müsse seine diplomatischen Beziehungen zu Taiwan aufgeben und dürfe sich nicht in innere Angelegenheiten Chinas einmischen.

Mit Begeisterung nahmen diverse Kirchenrepräsentanten aus aller Welt die Wahl von Bergoglio zum neuen Papst auf. Auch sie luden ihn in ihre jeweiligen Länder ein. Fix dürfte dabei allerdings vorerst nur eine Brasilien-Besuch aus Anlass des Weltjugendtags im Juli sein, wie Kathpress meldete. Medien berichten in diesem Zusammenhang, dass der frühere Erzbischof von Buenos Aires nicht als besonders begeisterter Reisender gilt.

"Epochale Wahl"

Kommentatoren in Rom sprachen am Donnerstag von einer "epochalen Wahl". Erstmals seit dem Syrer Gregor III. im 8. Jahrhundert stammt ein Papst nicht aus Europa. Bergoglio wird oftmals als Anwalt der Armen bezeichnet. Und auch der Papstname "Franziskus" ist einmalig in der Kirchengeschichte.

Kommentare

Ohne dem Franzl persönlich angreifen zu wollen, aber ein 76jähriger Konservativer als Erneuerer? Diese Logik mag mal jemand verstehen....

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