Papst Franziskus von

Personalwechsel im Vatikan

Staatssekretär bleibt vorerst im Amt - Chefs der Dikasterien in der Kurie bestätigt

Papst Franziskus bestätigt vorläufig Chefs der Dikasterien in der Kurie. © Bild: APA/EPA/MASSIMO PERCOSSI

Papst Franziskus hat vorläufig die Chefs der Dikasterien der römischen Kurie im Amt bestätigt. Dies betrifft auch den vatikanischen Staatssekretär, Kardinal Tarcisio Bertone, teilte der vatikanische Pressesprecher, Pater Federico Lombardi, mit. Der Heilige Vater wolle sich Zeit nehmen, bevor er Personen in Schlüsselpositionen in der Kurie bestätige oder auswechsle, hieß es.

THEMEN:

Mit dem Rücktritt von Benedikt XVI. am 28. Februar hatten alle Leiter der römischen Kurienbehörde ihre Ämter verloren.

Nach der Wahl des Argentiniers Jorge Mario Bergoglio zum ersten lateinamerikanischen Papst in der Geschichte der Kirche rechnen Vatikan-Insider mit radikalen Personalveränderungen. Mehrere Schlüsselpositionen in der römischen Kurie könnten mit Vertrauensleuten des neuen Pontifex neu besetzt werden. Franziskus wird sehr wahrscheinlich auch einen neuen vatikanischen Staatssekretär anstelle Bertones einsetzen, der nach mehreren Skandalen im vergangenen Jahr unter Beschuss geraten ist.

Staatssekretär Bertone umstritten

Bertone wird von italienischen Medien als Verhinderer der Transparenzbemühungen von Franziskus Vorgänger Benedikt XVI. betrachtet. Er galt insbesondere in der vatikanischen Kurie als Verfechter des Status quo, auch bei den Finanzen.

Als möglicher Nachfolger Bertones gilt laut der für gewöhnlich gut informierten römischen Tageszeitung "La Repubblica" der brasilianische Kardinal Joao Braz de Aviz, der im Rahmen der Generalkongregationen zur Vorbereitung des Konklaves offen die Privilegien der Kurie kritisiert hatte und mit Bertone auf Konfrontationskurs gegangen war. Braz de Aviz hatte unter anderem den Mangel an Transparenz in der von Bertone geleiteten Vatikanbank IOR kritisiert.

Treffen mit Journalisten

Zuvor hatte der Papst bei einem Treffen mit Vertretern der internationalen Presse im Vatikan in seinen Segen auch die Nicht-Katholiken und Atheisten unter den Journalisten eingeschlossen, meldete Reuters. "Da viele von Ihnen nicht der katholischen Kirche angehören und andere nicht gläubig sind, spende ich jedem von Ihnen meinen Segen, weil ich Ihre Gewissensentscheidung respektiere, aber auch weiß, dass Sie alle Kinder Gottes sind."

Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio ist seit mehr 1300 Jahren der erste Nicht-Europäer auf dem Stuhl Petri. Er ist zudem der erste Jesuit an der Spitze der Weltkirche. Ordensgründer Ignatius von Loyola hatte seinen Mitbrüdern, die sich als Elite der Kirche verstehen, den Aufstieg in Leitungsämter untersagt.

Kommentare