Franziskus von

Papst auf Lampedusa

Positive Reaktionen in der arabischen Welt. Kurzbesuch in Castel Gandolfo.

Papst Franziskus winkt aus dem Autofenster. © Bild: APA/EPA/Ettore Ferrari

Papst Franziskus' Besuch bei Flüchtlingen auf der Mittelmeerinsel Lampedusa hat in der arabischen Welt positive Reaktionen hervorgerufen. "Die Geste des Papstes ist wunderbar und kommt genau zur richtigen Zeit", sagte der marokkanische Journalist Aboubakr Jamai laut Kathpress der deutschen katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Er ist Gründer des marokkanischen Wochenmagazins "Le Journal Hebdomadaire" und der Nachrichten-Website lakome.com, die seit Beginn des Arabischen Frühlings über politische Ereignisse in Marokko berichtet.

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Mit seinem Besuch auf der kleinen Insel vor der Küste Tunesiens habe der Papst die politischen Eliten Europas daran erinnert, illegalen Flüchtlingen nicht mit Abneigung zu begegnen, sondern sich für sie einzusetzen. "Europa und die arabischen Länder müssen einen gemeinsamen, humaneren Weg finden, mit dieser Krise umzugehen", so Jamai. Zudem lobte er den Papstbesuch bei den großteils muslimischen Migranten als ein gutes Signal für die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und dem Islam.

Papst besuchte Mittelmeer-Insel

Vergangenen Montag hatte Papst Franziskus die Mittelmeer-Insel Lampedusa südlich von Sizilien besucht. Er wollte auf das Schicksal Tausender Bootsflüchtlinge aufmerksam machen, die ihr Leben riskierten, um nach Europa zu gelangen. Dabei gedachte er auch der vielen tausend Opfer, die bei der Überfahrt ertrunken sind. Fast täglich treffen auf der Insel neue Boote mit Hunderten Flüchtlingen aus Nord- und Schwarzafrika ein.

Schon als Erzbischof von Buenos Aires hat Papst Franziskus gute Kontakte zur dortigen islamischen Gemeinde unterhalten. Das berichtete die Leiterin des islamischen Zentrums Alba in der argentinischen Hauptstadt, Nancy Falcon, in der Vatikanzeitung "Osservatore Romano" (Sonntag). Als sie bei einem Besuch bei Kardinal Jorge Mario Bergoglio auf dessen Schreibtisch die Bibel und die Torah sah, habe sie ihm auch einen Koran geschenkt. Bergoglio habe sich sichtlich über das Geschenk gefreut, so Falcon. Während seiner Amtszeit in Buenos Aires habe er die Arbeit des islamischen Zentrums regelmäßig vefolgt.

Erster offizieller Besuch in Castel Gandolfo

Papst Franziskus unternahm am Sonntag seinen ersten offiziellen Besuch in Castel Gandolfo. Um die Mittagszeit betet er auf der zentralen Piazza della Liberta in der Kleinstadt südöstlich von Rom das Mittagsgebet. Anschließend trifft er sich zum gemeinsamen Mittagessen mit den Jesuiten, die in den Gärten der Papstvilla die vatikanische Sternwarte leiten. Anders als seine Vorgänger verzichtet Papst Franziskus in diesem Jahr auf den Sommeraufenthalt in Castel Gandolfo. Er bleibt auch in den heißen Sommerwochen im vatikanischen Gästehaus Santa Marta.

Zum Mittagsgebet würden bis zu 20.000 Teilnehmer erwartet, sagte Pfarrer Pietro Diletti am Samstag zu Radio Vatikan. Darunter sollen auch die Jugendlichen der Diözese Albano sein, die Ende des Monats zum Weltjugendtag nach Rio de Janeiro reisen. Der zentrale Platz vor dem Papstpalast fasst nur rund 5.000 Personen; viele werden die Zeremonie in der zur Villa führenden Ortsstraße verfolgen.

Franziskus war bereits am 23. März zu einem privaten Besuch seines Vorgängers Benedikt XVI. nach Castel Gandolfo geflogen. Damals konnte die Bevölkerung des Ortes das neue Kirchenoberhaupt jedoch nur im vorbeifliegenden Hubschrauber erleben. Diesmal will der Papst auch mit der Bevölkerung zusammentreffen.

Einbußen für Tourismusgeschäft

Für die Bewohner von Castel Gandolfo in den Albaner Bergen bedeutet die päpstliche Abwesenheit Einbußen im Tourismusgeschäft. In den Sommermonaten strömten in früheren Jahren regelmäßig viele Besucher in die 30 Kilometer südöstlich von Rom gelegene Kleinstadt, um dort den Papst bei der Generalaudienz oder dem Mittagsgebet zu erleben. Restaurants, Cafes und Souvenirgeschäfte machten guten Umsatz.

Johannes Paul II. (1978-2005) und auch Benedikt XVI. (2005-2013) begaben sich mit Beginn der Sommerferien Anfang Juli in der Regel zunächst zu einem zweiwöchigen Bergaufenthalt in die norditalienischen Alpen. Den Rest der heißen Wochen bis Ende September verbrachten sie - wie schon ihre Vorgänger - in der päpstlichen Residenz von Castel Gandolfo. Zuletzt hatte Johannes XXIII. (1958-1963) aus gesundheitlichen Gründen auf die Reise nach Castel Gandolfo verzichtet. Den Sommer 1962 verbrachte er im Johannes-Turm in den vatikanischen Gärten.

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