Franziskus von

Die linke Hand Gottes

Gewissen der Welt: Papst wettert gegen den Turbokapitalismus und die Gier nach Besitz

Papst Franziskus I. herzt ein Baby. © Bild: imago/ZUMA Press

Papst Franziskus ist das soziale Gewissen der Welt. Unermüdlich wettert er gegen Turbokapitalismus und Geldgier. Von den Mächtigen fordert er Solidarität mit den Armen. Gerade zu Ostern begeistert er damit nicht nur gläubige Katholiken. 71 Prozent der Österreicher finden ihn gut.

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Rom, 13. März 2013. Es ist 19.06 Uhr, als der weiße Rauch den Tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz signalisiert: Die Welt hat einen neuen Papst. Den 266. der römisch-katholischen Kirchengeschichte. Eine Stunde später tritt der frühere Erzbischof von Buenos Aires und Primas von Argentinien, Kardinal Jorge Mario Bergoglio, im einfachen weißen Gewand des Pontifex auf die Loggia des Vatikans. Mit einem einfachen „Guten Abend“. Mit seinem eisernen Brustkreuz, auf das goldene des Papstes hat er verzichtet. Ebenso auf die üblichen weinroten Maßschuhe. Seine ausgetretenen schwarzen Straßenschuhe sind ihm, dem neuen Oberhirten über mehr als eine Milliarde Katholiken weltweit, lieber. Bis heute. Und auf noch etwas hat der Argentinier, der sich sozusagen in Vorwegnahme seiner Amtsauffassung den ebenso schlichten wie richtungsweisenden Papstnamen „ Franziskus“ gegeben hat, verzichtet, als stärkstes Zeichen gleich zu Beginn des Pontifikats, auf alle äußerlichen Zeichen der Macht.

Unmittelbar nach seiner Papstwahl im Konklave, es war der fünfte Wahlgang an diesem 13. März 2013, im „Zimmer der Tränen“, wie jener Nebenraum der Sixtinischen Kapelle heißt, wo der neue Papst eingekleidet wird: Zwei Erzbischöfe des Vatikans helfen dem neuen Pontifex, seine Amtsgewänder anzulegen. Als liturgisch äußeres Zeichen der Macht ist die „Mozetta“, ein hermelinverbrämtes Schultermäntelchen, ultimativer Teil der Papstuniform. Für Franziskus jedoch kein Thema, er lehnte sie einfach ab. Mit den überlieferten Worten: „Das brauche ich nicht, und im Übrigen muss Schluss sein mit diesen und anderen Karnevaliaden im Vatikan!“ Damit war klar: Dieser neue Papst ist aus einem völlig anderen Holz geschnitzt. Kein Kirchenfürst. Kein klerikaler Karrierediplomat. Sondern ein einfacher Seelsorger. Geprägt von den Armenvierteln, den Favelas von Buenos Aires, seiner südamerikanischen Heimat. Dass sich Papst Franziskus bis heute weigert, aus seinem bescheidenen 50 Quadratmeter großen Appartement im vatikanischen Gästehaus „Casa Santa Marta“ in die prunkvollen päpstlichen Privatgemächer umzuziehen, ergänzt eindrucksvoll die Bescheidenheit des Argentiniers.

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Kommentare

higgs70
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Ja, der Mann scheint ein stiller Revoluzzer zu sein, der nicht verkündet sondern tut, gefällt mir immer besser. Der erste Papst seit langem, der vielen in der katholischen Kirche schwerer im Magen liegen dürfte als mir, das Schlimmste was denen passieren konnte, ein überzeugter Humanist. Der meints todernst mit der Liebe zum Mitmenschen, keine Würstel und keine Schlenker, möge er uns lange bei körperlicher und geistiger Gesundheit erhalten bleiben. Ich glaube zwar nicht, dass sich Mensch und Welt ändern werden, aber es imponiert, dass es da einer nachdrücklich versucht. Dafür muss man ihn auch mögen, wenn man so wie ich seinen Glauben nicht teilt. Weiter so, viva il papa!

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Auch ich gehöre einem anderen Glauben an, aber das ist egal. Wir freuen uns über gute Vorbilder. Ich hoffe - und ja, ich bete, - dass er beschützt und unbehelligt bleibt.
Die Menschen haben sich doch schon geändert. Wollen wir hoffen, dass sie es wieder tun mögen. ;-)

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