Papst Benedikt XVI. von

Zurück in Deutschland

Tausende Gläubige warten auf den Heiligen Vater - Proteste bleiben nicht aus

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    Treffen mit Vertretern der Evangelischen Kirche in jenem Augustinerkloster in Erfurt, in dem der Reformator Luther vor rund 500 Jahren als Mönch gelebt hatte.

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    Für den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Deutschland, Nikolaus Schneider, ein "sehr ernstes, tiefes und geschwisterliches" Treffen.

Papst Benedikt XVI. ist heute nach Deutschland gereist. Seine Maschine landete um 10.16 Uhr auf dem Flughafen Tegel in Berlin. Dort wurde er von Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel empfangen. In seiner Heimat löst der Besuch gemischte Gefühle aus: Während sich tausende Gläubige auf den 84-jährigen Papst freuen, hat es im Vorfeld auch Kritik und Proteste gehagelt.

In der Hauptstadt lächelt der Papst schon seit Tagen von zahlreichen Plakaten und sogar von Hochhaus-Fassaden auf die Bürger herunter. Nach den Gesprächen mit Wulff und Merkel wird der Papst seine mit Spannung erwartete Rede im Bundestag halten. Einige Abgeordnete der Opposition sind darüber wenig begeistert. Sie wollen durch Fernbleiben gegen den Auftritt des Papstes protestieren.

Zum Abschluss des ersten Tages seiner insgesamt viertägigen Reise will Benedikt XVI. im Berliner Olympiastadion mit mehr als 70.000 Besuchern eine Messe feiern. Am Freitag soll er nach Erfurt, am Samstag nach Freiburg weiterreisen.

Besuch verschlingt Millionen
Ein großer Kritikpunkt sind für viele auch die hohen Kosten. 25 bis 30 Millionen Euro gibt allein die katholische Kirche für den Deutschland-Besuch aus. Doch Kommunen, Bund und Ländern - also dem Steuerzahler - entstehen ebenfalls Millionenkosten. Baden-Württemberg hat für den Einsatz von 4000 Polizisten etwa 5 Millionen Euro in einem Nachtragshaushalt bereitgestellt. Ob das reicht, ist unklar. Die Stadt Freiburg lässt sich den Papstbesuch 300.000 Euro kosten - unter anderem für ein Infotelefon und die Paradestrecke für das Papamobil. Für den Bau neuer Wege für den Gottesdienst in Etzelsbach im Thüringer Eichsfeld stellt das Landesagrarministerium knapp 1,9 Millionen Euro zur Verfügung. Kosten entstehen auch für die Bestellung von Shuttle-Zügen, die Gläubige in das Eichsfeld bringen.

Freude herrscht hingegen bei den tausenden Gläubigen. Insgesamt fünf Großgottesdienste wird der Papst abhalten. Außerdem stehen 17 Ansprachen auf dem Programm.

Treffen mit evangelischen Vertretern
In Erfurt kommt Benedikt XVI. am Freitag auch mit führenden Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zusammen. Das Treffen wird bereits als "historisch" für die Ökumene dargestellt. Allerdings hat der Papst die Hoffnungen auf große Fortschritte deutlich gedämpft: "Wir erwarten keine Sensationen", sagte das katholische Kirchenoberhaupt im "Wort zum Sonntag" der ARD.

Für den Papst ist es der dritte Deutschlandbesuch seit seiner Wahl im April 2005: Wenige Monate nach seiner Wahl war er beim Weltjugendtag in Köln, im Jahr 2006 bereiste er dann seine bayerische Heimat. Dieser Besuch ist der erste offizielle Staatsbesuch des Papstes in Deutschland.