Papst Benedikt XVI. von

Wollte nie Papst werden

Vatikanexperte: Ratzinger erkannte, dass er nicht der Richtige für Pontifikat war

Papst Benedikt XVI. © Bild: apa/epa/Zucchi

Dass sich "der Papst nie als Führungsfigur durchgesetzt hat", sei das große Problem des Pontifikats Benedikt XVI. gewesen. Der Papst habe gefühlt, "dass er nicht mehr fähig ist zu regieren", dies habe er auch klar in Worte gefasst, als er sagte, er sei unfähig zu verwalten, erklärte Vatikanexperte Marco Politi. Benedikt XVI. habe gar nicht Papst werden wollen und hätte nun "vor seinem Gewissen und sich selbst erkannt, dass er nicht der richtige Mann ist".

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Interessant sei, dass ein gefälschtes Dokument, das vor rund einem Jahr von einem Mordkomplott gegen den Papst berichtete, einige aus heutiger Sicht wichtige Informationen enthalten habe. Etwa, dass Benedikt XVI. nur noch ein Jahr im Amt sein werde und dass sein Nachfolger Angelo Scola - der auch heute als einer der aussichtsreichsten Kandidaten gilt - heißen werde. Dennoch glaubt Politi, der Papst sei "von selbst gefallen" und nicht durch eine Verschwörung konservativer oder progressiver Kräfte.

Keine starke Kandidatur

Bei der kommenden Konklave, die den Nachfolger Benedikt XVI. wählen soll, sieht der Vatikanexperte "keine starke Kandidatur". Joseph Ratzinger sei damals als Favorit ins Rennen gegangen, doch nun "werden die Karten neu gemischt", ist Politi überzeugt. Keiner der Kardinäle verfüge gegenwärtig über ein "großes Stimmenpaket", dieses müssten sie sich erst in Diskussionen erobern.

Wirklich interessant sei jedoch die Frage, ob es eine Mehrheit für einen Reformpapst geben werde. Sicher sei, dass künftig das Kollegialitätsprinzip des Zweiten Vatikanischen Konzils stärker gelebt werden müsste. Denn "ein Mann alleine kann das Amt des Papstes heute nicht mehr ausüben", sagte Politi.

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