Papst Benedikt XVI. von

"Liebe dieses Land"

Seit jeher besonders inniges Verhältnis zu Österreich. Höhepunkt Mariazell-Besuch.

Papst Benedikt XVI. © Bild: apa/dpa/Roessler

Als geborener Bayer hat Papst Benedikt XVI. seit jeher ein besonders inniges Verhältnis zu Österreich gepflegt. Höhepunkt dieser Beziehung war der offizielle Besuch 2007 im Wallfahrtsort Mariazell, den er bereits als Kardinal Joseph Ratzinger wenige Jahre zuvor persönlich kennengelernt hatte. Aber auch mit den Kirchenrebellen rund um die Pfarrerinitiative musste sich der Heilige Vater auseinandersetzen und thematisierte diese sogar in seiner Gründonnerstagspredigt im vergangenen Jahr.

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"Ich liebe dieses Land, das mir seit meiner Kindheit nahe ist", beschrieb der Heilige Vater in einem Brief an die Österreicher vor seinem Besuch seine Beziehung zum Land. Und dies "seit den sonntäglichen Wanderungen, die wir zu Beginn der 1930er-Jahre über die Salzach-Brücke mit unserer Mutter nach Ostermiething, nach Sankt Radegund und an andere Orte auf der österreichischen Seite der Salzach gemacht haben"

Zahlreiche private Besuche Ratzingers in Österreich sollten folgen. In besonderer Erinnerung blieb aber Mariazell, das er 2004 erstmals besuchte. Anlass war eine Wallfahrt der europäischen Notare, die er - damals noch in der Funktion des Präfekten der Glaubenskongregation - begleitete. "Es hat mir so gut gefallen dort, dass ich gesagt habe: Ja, zur Magna Mater Austriae komme ich wieder", meinte er danach.

Besuch in Mariazell

Aus Anlass des 850-Jahr-Jubiläums von Mariazell stattete Benedikt XVI. Mariazell von 7. bis 9. September 2007 einen offiziellen Besuch ab. Weitere Stationen waren Wien und das Zisterzienserstift Heiligenkreuz. Trotz strömenden Regens waren Zehntausende zum zentralen Gottesdienst vor der Basilika gekommen, um - laut offiziellem Motto - "auf Christus zu schauen". Er habe erlebt, "dass Katholiken wetterfest sind", merkte Benedikt XVI. dazu schmunzelnd an, als ihm 2009 die Mariazeller Ehrenbürgerschaft verliehen wurde.

Weniger entspannt gestaltete sich das Verhältnis Benedikts zu Österreich, als es um Personalentscheidungen ging. Als Anfang 2009 der erzkonservative Gerhard Maria Wagner Weihbischof von Linz werden sollte, war nicht nur das Kirchenvolk irritiert. In einem für Kirchenverhältnisse geharnischten Hirtenbrief der Bischofskonferenz unter dem Vorsitz von Kardinal Christoph Schönborn wurde die Vorgehensweise kritisiert. Ergebnis war ein Vorsprechen der Bischöfe im Vatikan.

Die "ungehorsamen" Kirchenrebellen

Ebenso wenig vergnüglich dürfte für den Papst auch die Beschäftigung mit der österreichischen Pfarrerinitiative gewesen sein. Mehrmals hatten die "ungehorsamen" Kirchenrebellen versucht, vor dem Heiligen Vater vorzusprechen - ohne Erfolg. In seiner Gründonnerstagspredigt ging Benedikt XVI. schließlich auf deren Aufruf zum "Ungehorsam" ein: "Wir wollen den Autoren dieses Appells glauben, dass sie von Sorgsamkeit für die Kirche bewogen sind, dass sie überzeugt sind, die Trägheit der Institutionen mit drastischen Mitteln in Angriff zu nehmen, um neue Wege zu öffnen. Ist Ungehorsam allerdings ein Weg?"

Aber nicht nur Worte, auch Taten folgten in der Beziehung zu den Kirchenrebellen. Im November 2012 wurde dem Sprecher der Pfarrerinitiative, Helmut Schüller, der päpstliche Ehrentitel "Monsignore" entzogen. Zu den Gründen des Beschlusses wollte der stellvertretende Vatikan-Sprecher, Pater Ciro Benedettini, nicht äußern. "Man kann sie aber begreifen", sagte er.


Auch Kardinal Schönborn selbst gilt als enger Vertrauter des Papstes und wurde bereits des öfteren als "papabile" gehandelt. Ob ihn dessen oft diplomatisch besonnener Stil zwischen Rom-Treue und Volksnähe dienlich ist, wird sich zeigen.

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