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Papst macht Druck auf Putin

Franziskus appelliert für Frieden in der Ukraine und Umsetzung des Minsk-Abkommens

VATICAN RUSSIA DIPLOMACY © Bild: APA/EPA/Borgia

Papst Franziskus hat am Mittwoch den russischen Präsidenten Wladimir Putin getroffen. Bei dem 50 Minuten langen privaten Gespräch drängte der Papst auf konkrete Bemühungen für Frieden in der Ukraine. Franziskus machte Druck zur Umsetzung des Minsk-Abkommens, berichtete der vatikanische Pressesprecher Pater Federico Lombardi.

Der Papst, der 70 Minuten lang auf den verspäteten Putin warten musste, forderte den russischen Präsidenten auf, sich um die "akute humanitäre Notstandslage" in der Ukraine zu bemühen, berichtete die ukrainische Regierung. Man müsse Menschenrechtsorganisationen den Zugang zur Region sichern. Außerdem müssten alle Seiten für eine Entschärfung der Lage in der Region arbeiten, so Lombardi. Der Papst und Putin sprachen unter anderem über den Konflikt in Syrien, die Lage im Nahen Osten und die Situation christlicher Minderheiten.

Nach dem Gespräch mit dem Papst besuchte der russische Präsident Italiens Staatspräsidenten Sergio Mattarella im Quirinal. Er wollte auch mit seinem Freund, Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi, zusammenkommen. Wegen der Verspätung soll Putin Berlusconi auf dem römischen Flughafen Fiumicino treffen.

Vorwürfe gegen die Ukraine

Putin hatte am Mittwoch bei einem Treffen mit dem italienischen Premier Matteo Renzi in Mailand die volle Umsetzung des Minsker Abkommens in der Ukraine-Krise gefordert. Er meinte, die Ukraine würde sich nicht an das Abkommen halten. Die Beziehungen zwischen Italien und Russland gelten in der Ukraine-Krise als weniger angespannt als zwischen Putin und anderen EU-Ländern und den USA. "Wir versuchen, die Interessen beider Länder zu respektieren", sagte Putin. Renzi betonte, man wolle sich gemeinsam den Herausforderungen stellen, "sei es jenen, die uns mit unterschiedlichen Positionen sehen, sei es jenen mit derselben Position".

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Renzi auf dem Expo-Gelände in Mailand forderte Putin ein sofortiges Ende der Sanktionen. "Entweder diese werden abgeschafft, oder sie werden geändert, um jene Unternehmen zu unterstützen, die mit uns zusammenarbeiten wollen. Dies betrifft sowohl Verträge im Verteidigungswesen sowie im technologischen Bereich", meinte Putin. Russland habe alle Beziehungen zur G-7 abgebrochen. "Wir können keine Beziehungen haben. Die G-7 ist keine Organisation, sondern ein Interessensklub", erklärte Putin.

"Die G-8 hatte einen gewissen Sinn, denn Russland stellte darin einen alternativen Standpunkt dar. Doch unsere Partner haben beschlossen, dass dieser Standpunkt nicht nützlich war. Das ist ihr Beschluss", betonte Putin.

Besuch auf der Expo

Zu Libyen meinte Putin, dass die Lage im nordafrikanischen Land eine "Katastrophe" sei. Der Zusammenbruch des libyschen Staates sei die Folge des Militäreingriffs auf das Land im Jahr 2011. "Wir sind für eine friedliche Lösung der Krise im UNO-Rahmen", meinte Putin, ohne näheres zu Russlands Position zu sagen, das gegen einen Militäreinsatz zur Bekämpfung des Menschenhandels ist.

In Renzis Begleitung besuchte Putin den russischen Expo-Pavillon anlässlich des Russland-Tags bei der Weltausstellung. Renzi dankte Putin für die Unterstützung, die Russland der Expo gesichert habe. Putin betonte, dass das Expo-Thema Ernährung seinem Land besonders am Herzen liege. Schärfste Sicherheitsvorkehrungen wurden für den Besuch des russischen Präsidenten auf dem Expo-Gelände ergriffen. Expo-Besucher skandierten: "Schluss mit den Sanktionen!"

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