Was viele nicht wissen von

So fatal ist Palmöl

Denn für den Anbau wird der Lebensraum von Tier und Mensch zerstört

Was viele nicht wissen - So fatal ist Palmöl © Bild: shutterstock.com

Wer die Aufschrift "pflanzliche Fette und Öle enthalten" liest, assoziiert damit vielleicht Eigenschaften wie "gesund" oder "vegetarisch". Doch diese scheinbare Harmlosigkeit täuscht. Denn in Wahrheit handelt es sich dabei um Palmöl. Und das ist mitverantwortlich für die Rodung des Regenwaldes und somit für die Lebensraumvernichtung von Tieren, Pflanzen und Ureinwohnern. Mahlzeit.

Palmöl wird aus dem Fleisch der Ölpalmenfrucht gewonnen und findet in vielen Bereichen des Lebens Verwendung: in Lebensmitteln, in Kosmetikartikeln, im Dieseltank und Heizkraftwerken sowie in Reinigungsmitteln. Ob Tiefkühlpizza oder Schokobrotaufstrich, ob Lippenstift oder Bio-Treibstoff, Kerzenwachs oder Waschmittel – Palmöl ist in etwa der Hälfte aller Supermarktprodukte enthalten. Warum? Weil es mit Abstand das billigste Pflanzenöl der Welt ist und aufgrund seiner chemischen Eigenschaften vielseitig und lange eingesetzt werden kann. Es zu vermeiden, ist daher so gut wie unmöglich, auch macht ein Boykott nur begrenzt Sinn, denn Palmöl weist einen hohen Ertrag pro Anbaufläche auf – müssten andere Öle verwendet werden, würde noch mehr Fläche benötigt werden.

Und das wäre fatal. Denn schon jetzt werden in Malaysia und Indonesien unzählige Millionen Hektar an Regenwald gerodet, um Platz für riesige Monokulturen zu schaffen, endlos reiht sich hier Ölpalme an Ölpalme. Mit der großflächigen Abholzung tropischer Regenwälder verschwinden nach und nach Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten. Doch nicht nur das. Wenn beispielsweise Orang-Utans auf ihrer Suche nach Nahrung auf die Plantagen ausweichen, werden sie getötet. Bis zu 3.000 Tiere kommen so weltweit jährlich um. Aber nicht nur Tiere, sondern auch Menschen leiden unter dem Palmöl-Anbau. Ansässige indigene Völker werden oft ihres Landes beraubt und müssen abwandern. Tun sie das nicht, werden sie bedroht, vertrieben oder sogar verhaftet - vom Verlust der biologischen Vielfalt, Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und Dürren, Gewässerverschmutzung durch Pestizideinsatz, Klimaschäden durch die Freisetzung von Unmengen an Kohlenstoffdioxid sowie dem Zusammenbruch des ökologischen Gleichgewichts ganz zu schweigen.

© REUTERS/Bazuki Muhammad

Lösung entpuppt sich als Scheinlösung

Als die Kritik immer lauter wurde, sahen sich die Akteure der Palmölindustrie zum Handeln gezwungen. So gründeten sie zusammen mit dem WWF den "Runden Tisch für Nachhaltiges Palmöl" (RSPO), eine freiwillige Zertifizierungsstelle, die sich für eine nachhaltige und umweltfreundliche Palmölproduktion einsetzt oder einsetzen sollte. Denn nach Einschätzung der Umweltschützer handelt es sich hierbei um einfaches Greenwashing, zu Deutsch "Grünfärberei", also eine Marketing-Methode, bei der ein umweltbewusstes Image zwar kommuniziert, aber nicht gelebt wird. Auch Organisationen wie "Greenpeace" oder "Rettet den Regenwald" werfen RSPO Etikettenschwindel vor, mit der Begründung, dass ihre Auflagen zu schwach und keine wirkungsvollen Sanktionen bei Missbrauch vorgesehen sind. Ein Blick auf die Mitglieder des Gremiums zeichnet ein ähnliches Bild: Von 303 Mitgliedern sind 282 Wirtschaftsunternehmen, lediglich 21 Umwelt- und Sozialorganisationen. Ganz eindeutig stehen hier wirtschaftliche Interessen über den ökologischen und sozialen. Nachhaltig produziertes Palmöl gibt es demzufolge nicht.

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Global denken, lokal handeln

Doch was ist die Alternative, wenn ein Boykott sinnlos scheint? Eine mögliche Antwort wäre einfach weniger Palmöl zu konsumieren. Zumindest Österreich ist hier schon auf einem guten Weg, denn seit hierzulande die Nahrungsmittelindustrie verpflichtet ist, auf ihren Produkten die genauen Zutaten aufzulisten, ging der Palmölimport um 11.000 Tonnen zurück: Von den 54.000, die es noch 2010 waren auf 43.000. Lebensmittelhersteller versuchen bereits teilweise auf regional produzierte Öle wie Sonnenblumenöl zurückzugreifen und auch bei Verbrauchern geht der Trend immer mehr zu regionalen, biologischen und saisonalen Lebensmitteln. Bleibt nur zu hoffen, dass der Trend zur Nachhaltigkeit auch nachhaltig bleibt.

Kommentare

Seit Ferrero auf Palmöl umgestiegen ist, verzichte ich grossteils darauf, weil es einfach nicht mehr so schmeckt wie früher. Aber den Meisten fällt die Geschmacks- und Haltbarkeitsveränderung gar nicht auf. Konsumieren ist wohl vielen wichtiger als zu geniessen.

higgs70

Irgendwie hab ich manchmal den Eindruck bei meiner Geburt auf ein schwimmendes Irrenhaus geraten zu sein, auf dem jeder Narr aus persönlichen Beweggründen die Bordplanken herausreißt, der eine möchte seine Kajüte vergrößern, der andere braucht das Holz zum Heizen, der Dritte möchte damit handeln und wieder andere finden die Farbe nicht schick. Und jeder Hinweis darauf, dass ein Wassereinbruch zum Absaufen führt wird damit beantwortet, dass man weltfremd sei und die Opportunitäten der Situation nicht zu nützen wisse.

Und ob bei uns oder in Indonesien,der Tanz der Trotteln geht weiter, begleitet von der Urlautsäußerung, dass die Wirtschaft wachsen müsste. Treiberameisen und Heuschrecken sind ein Segen verglichen mit dem Homo sapiens, denn wo der hintritt wächst nichts mehr, außer seiner grenzenlosen Überheblichkeit. Und nichts vermag das zu stoppen.
Und wären da nicht Kinder, würde ich schon lange mit einem Bier am Vordeck sitzen und nur noch auf die blöden Gesichter beim kollektiven Absaufen warten, weil hindern kann mans nicht.Denn die Welt ist übervoll mit Teppen.
Leider kann man aus einer Spezies nicht austreten.

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