Palast-Revolution im Herren-Tennis: Melbourne-Finale ohne Federer und Nadal

Grand-Slam-Finale ohne Superstars Ausnahme Schweizer scheitert im Semifinale an Djokovic

Palast-Revolution im Herren-Tennis: Melbourne-Finale ohne Federer und Nadal © Bild: Reuters

Novak Djokovic hat Roger Federer zum zweiten Mal in Serie eine schmerzhafte Niederlage auf der großen Tennis-Bühne zugefügt. Der als Nummer drei gesetzte Serbe warf den Titelverteidiger aus der Schweiz im Halbfinale der Australian Open unerwartet klar in drei Sätzen mit 7:6(3),7:5,6:4 aus dem Bewerb. Federer muss damit weiter auf seinen fünften Titel in Melbourne warten.

Für Djokovic ist es der zweite Final-Einzug im ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres nach 2008, als er den Titel holte. Der 23-Jährige trifft im Endspiel am Sonntag nun auf den Sieger des zweiten Halbfinales zwischen Andy Murray (GBR-5) und Nadal-Bezwinger David Ferrer (ESP-7), das am Freitag ausgespielt wird. "Ich werde mir das Spiel im Bett mit etwas Popcorn ansehen", meinte Djokovic unmittelbar nach dem Finaleinzug.

Djokovic hatte Federer bereits bei den US Open im vergangenen Jahr im Halbfinale in die Knie gezwungen. Im 20. Duell der beiden Topspieler feierte der Serbe, der in "Down under" seinen bisher einzigen Major-Titel geholt hat, nun trotzdem erst den siebenten Sieg.

"Das war eines der besten Matches, die ich seit einer Weile gespielt habe", meinte der regierende Davis-Cup-Sieger aus Belgrad nach vollbrachter Tat. Der phasenweise wie entfesselt spielende Djokovic überzeugte gegen den 16-fachen Grand-Slam-Sieger mit harten Schlägen von der Grundlinie und war in den entscheidenden Situationen der aktivere Akteur.

Zweiter Satz vorentscheidend
Federer, der zuvor 15 Spiele in Folge gewonnen hatte, war im Tiebreak des ersten Satzes zu passiv und zeigte sich vor allem mit der Rückhand nicht von seiner besten Seite. Beim Stand von 5:3 im zweiten Satz servierte der Eidgenosse auf den Satzgewinn, Djokovic schlug aber erfolgreich zurück und wendete das Blatt. "Wenn ich diesen Satz verloren hätte, Gott weiß, in welche Richtung das Match dann gegangen wäre", meinte Djokovic nach der Partie.

Im dritten Satz stand die Partie auf des Messers Schneide. Nach frühem Rückstand glich Federer per Break zum 4:4 aus und ballte daraufhin die Faust. Er musste aber sofort das Rebreak einstecken. Nach exakt drei Stunden verwertete Djokovic seinen dritten Matchball gegen den langjährigen Weltranglistenersten und zog zum insgesamt vierten Mal in ein Grand-Slam-Finale ein. Gegen Murray und Ferrer hat Djokovic eine positive Bilanz - doch die hatte gegen ihn auch Federer.

Der Schweizer ist nach Rafael Nadal der zweite Superstar, der auf dem Weg ins Finale vorzeitig gescheitert ist. Erst zum vierten Mal seit 2004 findet damit ein Grand-Slam-Finale ohne Beteiligung der beiden Tennis-Ausnahmekönner statt. "Natürlich bin ich sehr enttäuscht, aber Novak war heute einfach der bessere Spieler", gestand Gentleman Federer fair. "Es war ein Spiel mit sehr hoher Intensität, Novak hat die wichtigen Punkte einfach besser gespielt."

(apa/red)