Palästinenser-Gruppe bekennt: Entführter BBC-Journalist Johnston wurde hingerichtet

Großbritannien leitet Untersuchungen dazu ein Noch keine Bestätigung für Entführung und Tötung

Palästinenser-Gruppe bekennt: Entführter BBC-Journalist Johnston wurde hingerichtet

Der im Gaza-Streifen verschleppte BBC-Journalist Alan Johnston ist nach Angaben seiner mutmaßlichen Entführer getötet worden. Der seit gut einem Monat verschwundene Brite sei "hingerichtet" worden, hieß es in einem unbestätigten Schreiben der "Brigaden der Einheit und des Jihad", das der Nachrichtenagentur AFP vorlag. Ein Sprecher des britischen Außenministeriums sagte: "Wir sind auf dem Laufenden über diese Informationen und untersuchen sie eiligst." Der britische Rundfunksender BBC zeigte sich "tief beunruhigt". Der palästinensische Innenminister Hani al-Kawasmeh sagte in Gaza, seine Regierung habe keine Anhaltspunkte für eine Hinrichtung Johnstons.

Die bisher wenig bekannte Gruppe "Brigaden der Einheit und des Jihad" machten in ihrem Bekennerschreiben die palästinensische und die britische Regierung für Johnstons Tod verantwortlich. "Die ganze Welt setzte sich für diesen Journalisten in Bewegung, während keiner den kleinen Finger krümmt, um unseren tausenden Gefangenen überall zu Hilfe zu kommen", hieß es darin. Da die Palästinenser-Regierung diese "klare Botschaft" nicht verstanden habe, habe sich die Gruppe zur Ermordung des BBC-Journalisten gezwungen gesehen. Eine Aufnahme der Hinrichtung werde bald an die Medien weitergegeben. Die Extremistengruppe hatte sich bereits Anfang März zu Anschlägen auf Internet-Cafes in Gaza bekannt.

Keine Bestätigung für Entführung und Tötung
London kündigte "dringende Untersuchungen in dieser Sache" an. Die Berichte über eine Tötung Johnstons bereite der Regierung "große Sorge", sagte ein Außenamtssprecher. Auch Johnstons Arbeitgeber BBC zeigte sich beunruhigt. Da sich keine Gruppe je zur Verschleppung Johnstons bekannt habe, gebe es nicht einmal eine Bestätigung für eine Entführung, sagte ein Sprecher. Für die angebliche Tötung gebe es ebenfalls keine Bestätigung von unabhängiger Seite.

BBC-Chef Mark Thompson war vergangene Woche in den Gaza-Streifen gereist, um einflussreiche Palästinenser um ihren Einsatz für eine Freilassung des gebürtigen Schotten Johnston zu bitten. Thompson war auch mit Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas zusammengetroffen.

Entführer stellten keine Forderungen
Kawasameh sagte vor Journalisten: "Bisher haben wir keinerlei Informationen, die eine Hinrichtung Johnstons bestätigen, und wir werden, wenn Gott will, bald eine gute Nachricht verkünden." Die Entführer hätten an seine Regierung weder Forderungen gestellt noch sich zu der Tat bekannt.

Der 44-jährige Johnston war nach Angaben aus palästinensischen Sicherheitskreisen am 12. März von bewaffneten Männern entführt worden. Fatah-Chef Abbas und die radikal-islamische Hamas von Regierungschef Ismail Haniyeh hatten die Entführung verurteilt und erklärt, dass sie Johnston freibekommen wollen. Johnston arbeitete seit 2004 für die BBC im Gaza-Streifen und sollte Ende April dort aufhören. Zuvor hatte der Brite bereits aus dem Usbekistan und der afghanische Hauptstadt Kabul berichtet.

Mehrfach Ausländer verschleppt
In den vergangenen Monaten waren im Gaza-Streifen mehrfach Ausländer verschleppt worden, die jedoch bald wieder auf freien Fuß kamen. In der Regel versuchen die Entführer, von der palästinensischen Autonomiebehörde Zugeständnisse wie Gehaltsauszahlungen oder die Freilassung von Gefangenen zu erzwingen.

(apa/red)