Palästinenser machen mobil: Generalstreik nach umstrittener Razzia im Gefängniss

Wahlpropaganda? Israel steht hinter Militäraktion Alle entführten Ausländer wieder freigelassen

Mit einem Generalstreik haben die Palästinenser gegen die Erstürmung eines Gefängnisses im Westjordanland durch israelische Soldaten protestiert. Diese hatten dort am Dienstag den Anführer der Volksfront für die Befreiung Palästinas, Ahmed Saadat, und fünf weitere Häftlinge gefangenen genommen. Danach war es zu heftigen Unruhen in den palästinensischen Gebieten gekommen, bei denen vorübergehend auch elf Ausländer entführt wurden. Mittlerweile wurden aber wieder alle Geiseln freigelassen.

In der israelischen Presse wurden der Angriff auf das Gefängnis und die Festnahmen gefeiert. "Wir haben sie", hieß es in einer Schlagzeile. Außen- und Justizministerin Tzipi Livni bekräftigte die Absicht der Regierung, Saadat erneut vor Gericht zu stellen. Dazu müssen aber noch einige rechtliche Fragen geklärt werden, da es in Israel untersagt ist, einer Personen wegen eines Verbrechens zwei Mal den Prozess zu machen. Saadat und vier weitere Palästinenser sollen für die Ermordung des israelischen Tourismusministers Rehavam Zeewi 2001 verantwortlich gewesen sein.

"Ich bin mir sicher, dass sie für einige Zeit bei uns bleiben werden", sagte Livni im Armeerundfunk. Verteidigungsminister Shaul Mofaz wies Vorwürfe zurück, die Militäraktion zwei Wochen vor der Wahl habe nur dazu gedient, konservative Wähler für die Partei Kadima von Ministerpräsident Ehud Olmert zu gewinnen. Die Abriegelung der palästinensischen Gebiete wurde wegen der angespannten Lage verlängert.

Der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas brach wegen der Unruhen und der Entführung der Ausländer seine Europareise ab. Ursprünglich wollte Abbas mit Spitzenvertretern der Europäischen Union zusammentreffen. Drei der im Gazastreifen entführten Ausländer wurden freigelassen. Es handelte sich um eine französische Journalistin, einen französischen Fotografen und einen Reporter aus Südkorea. Ein Kanadier befand sich noch in Geiselhaft. Die übrigen Geiseln wurden bereits nach wenigen Stunden freigelassen.

(apa/red)