Palästinenser hoffen auf Fahrplan der USA: Verhandlungen mit Israel über Kernfragen

Israel müsse seine Position grundlegend ändern Armee setzt Angriffe in Westjordanland weiter fort

Palästinenser hoffen auf Fahrplan der USA: Verhandlungen mit Israel über Kernfragen © Bild: Reuters

Die USA dringen nach palästinensischen Angaben in naher Zukunft auf eine weitere Serie trilateraler Friedensgespräche mit den Israelis. US-Außenministerin Condoleezza Rice habe beide Seiten zu Beratungen im Juli in Washington und im September in New York eingeladen, teilte der palästinensische Chef-Unterhändler Ahmed Korei mit. Ein weiteres Treffen sei im November wiederum in Washington angedacht.

Sollte Israel bereit sein, in einigen Kernfragen seine Position zu ändern, erscheine ein Friedensabkommen bis zum Jahresende möglich, sagte Korei weiter. Zu den Kernfragen zählt unter anderem die israelische Siedlungspolitik, die zuletzt auch von den USA kritisiert worden war. Korei zufolge streben die Palästinenser einen eigenen Staat an, der das Westjordanland und den Gaza-Streifen umfasst. Eine militärische Präsenz der Israelis in diesem künftigen Palästinenserstaat sei ausgeschlossen, eine vorübergehende Stationierung von UN-Truppen dagegen durchaus denkbar, fügte der Politiker an.

US-Präsident George W. Bush strebt eine grundsätzliche Einigung zwischen Israelis und Palästinensern noch vor Ende seiner Amtszeit im Jänner an. Die Verhandlungen gerieten aber wiederholt ins Stocken.

Lebensmittellieferungen
Israel will unterdessen nach Unterbrechung wieder Lebensmittellieferungen in den Gaza-Streifen erlauben. 80 Wagenladungen seien genehmigt worden, verlautete aus dem Verteidigungsministerium. Die Lieferungen waren zuvor als Reaktion auf einen palästinensischen Raketenangriff gestoppt worden.

Die Regierung in Jerusalem hat den Gaza-Streifen nach der Machtübernahme der Hamas vor einem Jahr abgeriegelt. Nach Inkrafttreten einer Waffenruhe mit militanten Palästinensern wurden die Restriktionen am vergangenen Wochenende zunächst gelockert.

Angriffe im Westjordanland
Israelische Soldaten erschossen in der Nacht zum Sonntag bei Tubas im nördlichen Westjordanland einen 17-jährigen Palästinenser. Ein israelischer Armeesprecher sagte, die Truppen hätten bei einer Razzia eine verdächtige Person bemerkt. Zu palästinensischen Berichten, der Jugendliche sei unbewaffnet gewesen, sagte der Sprecher, er habe Brandflaschen auf die Soldaten geworfen. Die Soldaten hätten daraufhin das Feuer eröffnet.

Am fünften Tag in Folge haben militante Palästinenser laut israelischen Armeeangaben eine Rakete oder eine Mörsergranate auf den Süden Israels abgefeuert. Verletzt worden sei niemand, auch Sachschaden sei nicht entstanden. Die von Ägypten vermittelte Waffenruhe war am 19. Juni in Kraft getreten. Im Armeehörfunk hieß es, ursprünglich sei für Sonntag die Öffnung zweier Grenzübergänge zwischen Israel und dem Gaza-Streifen vorgesehen gewesen: Karni und Sufa. Dazu müsse allerdings der Beschuss aufhören.

Die palästinensische Gruppe Islamischer Jihad hatte damit gedroht, Raketen auf Israel abzufeuern, wenn die israelische Armee ihren Einsatz im Westjordanland fortsetze. Die radikalislamische Hamas, die den Gaza-Streifen kontrolliert, teilte mit, sie habe Aktivisten festgenommen, die die Waffenruhe verletzt hätten. (apa/red)