Pakistan im Sog der Gewalt: Mindestens
40 Todesopfer bei erneuter Anschlagsserie

Selbstmordanschlag auf Polizeistation im Nordwesten Lahore: Etliche Menschen starben bei Terrorangriffen

Pakistan im Sog der Gewalt: Mindestens
40 Todesopfer bei erneuter Anschlagsserie © Bild: Reuters/Rehman

In Pakistan haben Aufständische gezielt die Polizei ins Visier genommen - so starben bei koordinierten Anschlägen mehr als 40 Menschen. In der zweitgrößten Stadt Lahore starben bei zeitgleichen Angriffen auf drei Polizeiwachen mindestens 28 Menschen, zwölf weitere starben bei Anschlägen im Nordwesten des Landes. Im ebenfalls nordwestlich gelegenen Peshawar wurde ein Kind bei einer Explosion getötet. Pakistans Regierung erklärte, die Aufständischen führten einen "Guerilla-Krieg".

Die Angriffe in Lahore, der Hauptstadt der zentralpakistanischen Provinz Punjab, waren offenbar sorgfältig geplant: Bewaffnete mit Sprengstoff-Westen stürmten am Morgen den Sitz der Kriminalpolizei (FIA) sowie zwei Polizeischulen in den Vororten Manawan und Bedian. Die Angriffe auf die FIA und die Schule in Manawan konnten nach einer Stunde abgewehrt und beendet werden, wie der Polizeichef von Lahore, Pervez Rathor, mitteilte. Mindestens 15 Polizisten und fünf Aufständische starben bei den Schusswechseln. Beide Einrichtungen waren bereits im März Ziel tödlicher Anschläge gewesen.

Weitere Anschlagsdrohungen
In Bedian leisteten die Angreifer fast vier Stunden Widerstand. Nach Angaben des Armee-Oberbefehlshabers von Lahore, Shafqat Ahmad, drangen fünf Aufständische über eine Mauer in die Akademie für Führungskräfte ein. Einige Angreifer wurden von Scharfschützen erschossen, andere sprengten sich in die Luft. Unter den Erschossenen war nach Polizeiangaben auch ein mit einem Sprengstoffgürtel ausgerüsteter Teenager. Angesichts weiterer Anschlagsdrohungen durchsuchten die Sicherheitskräfte weitere Stadtviertel.

Kind bei Anschlag getötet
In Kohat im Nordwesten des Landes wurden bei einem Autobombenanschlag mindestens elf Menschen getötet, darunter drei Polizisten. Die Stadt liegt in der Nähe der Stammesgebiete, den Hochburgen von Taliban-Kämpfern auch aus Afghanistan sowie von Anhängern des Terrornetzwerks Al-Kaida. Im ebenfalls im Nordwesten gelegenen Peshawar starb nach Ärzteangaben mindestens ein Kind bei einer Explosion in einem Wohnhaus für Regierungsangestellte.

In den vergangenen elf Tagen wurde Pakistan fast täglich von schweren Anschlägen und Angriffen erschüttert, mehr als 160 Menschen wurden getötet. Die Angreifer nehmen vor allem Einrichtungen von Polizei und Militär ins Visier. Bei einem Anschlag auf einen Militärkonvoi in Shangla waren 45 Menschen getötet worden. Davor stürmten Aufständische das militärische Hauptquartier Pakistans in Rawalpindi, mehr als 20 Menschen starben. Zu den meisten Anschlägen der vergangenen Jahre hat sich die Islamisten-Organisation Tahreek-e-Taliban Pakistan (TTP) bekannt.

"Guerilla-Krieg" geführt
Nach der Angriffserie in Lahore erklärte Innenminister Rehman Malik, die islamistischen Kämpfer hätten sich auf einen "Guerilla-Krieg" verlegt. Dieser werde nicht mehr nur in Grenzgebieten wie der Nordwestprovinz, sondern auch in Punjab geführt. "Sie sind Terroristen, die dafür bezahlt werden, Pakistan zu destabilisieren." (apa/red)