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Knapper Wahlausgang erwartet

Dem instabilen Land stehen vermutlich langwierige Koalitionsverhandlungen bevor

Bewaffnete Sicherheitskräfte in Karachi © Bild: REUTERS/Akhtar Soomro

Heute wählt Pakistan ein neues Parlament und kurz vor der Wahl haben sich die Anzeichen für ein knappes Ergebnis gemehrt. Für den wichtigen Verbündeten der USA im Kampf gegen Islamisten könnte das langwierige Koalitionsverhandlungen und politische Instabilität bedeuten. Zwar wurde am Freitag weiter davon ausgegangen, dass der frühere Ministerpräsident Nawaz Sharif nach 14 Jahren an die Macht zurückkehren wird. Allerdings hat die Partei des ehemaligen Cricket-Stars Imran Khan offenbar aufgeschlossen. Khan könnte damit nach der Wahl zum Königsmacher werden.

Bei der Wahl soll erstmals seit der Unabhängigkeit 1947 die Macht von einer zivilen Regierung an eine andere übertragen werden. Mehr als die Hälfte der Zeit wurde Pakistan vom Militär regiert.

Sharif selbst forderte in der Zeitung "Dawn" eine "sehr klare Mehrheit" für den Sieger, egal, wer das sei. Langwierige Koalitionsverhandlungen könnten Reformen in dem 193 Millionen Einwohner zählenden Land verzögern, das unter anderem mit wirtschaftlichen Problemen und gegen Islamisten ringt.

Anschläge während Pakistan-Wahl

Die Parlamentswahl in Pakistan wird von Gewalt begleitet. Bei einem Sprengstoffanschlag in der südpakistanischen Wirtschaftsmetropole Karachi wurden nach Krankenhausangaben mindestens elf Menschen getötet und weitere 36 verletzt. Ziel sei ein Büro der paschtunischen Regionalpartei ANP gewesen, sagte ein Polizeisprecher. In der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar seien bei einem Bombenanschlag nahe eines Wahllokals acht Menschen verletzt worden, sagte der Chef des Lady-Redding-Krankenhauses, Iqbal Afridi.

Die meisten der Verletzten bei dem Anschlag in Karachi seien Kinder, sagte die Verwaltungsleiterin des Jinnah-Krankenhauses, Seemi Jamali. Auch unter den Toten sei ein Kind. Die weltliche ANP war im Wahlkampf immer wieder von den pakistanischen Taliban (TTP) angegriffen worden. Die TTP hält die Wahl für "unislamisch".

Büroleiter der "New York Times" ausgewiesen

Die pakistanische Regierung hat die Ausweisung des Büroleiters der "New York Times" verfügt. Declan Walsh sei das Visum wegen "unerwünschter Tätigkeiten" aberkannt worden, berichtete die "New York Times" unter Berufung auf eine Anordnung des Innenministeriums. Der 39-Jährige müsse Pakistan bis zum Ende des Wahltags am Samstag verlassen.

Die "New York Times" nannte den Vorwurf "vage und nicht durch Fakten gestützt". Die Zeitung appellierte an das Ministerium, die Anweisung zurückzunehmen. Die pakistanischen Behörden äußerten sich zunächst nicht. Pakistan wählt am Samstag ein neues Parlament.

Wahlen um eine Stunde verlängert

Die Wahllokale in Pakistan bleiben eine Stunde länger als geplant geöffnet. Die Wahlkommission in Islamabad teilte mit, sie habe die Öffnungszeit bis 18.00 Uhr (Ortszeit/15.00 MESZ) verlängert. Gründe nannte sie nicht. Mehr als 86 Millionen Pakistaner waren am Samstag dazu aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen.

Die Wahlkommission rechnete am Nachmittag mit einer hohen Wahlbeteiligung von mehr als 60 Prozent. Bei der Parlamentswahl 2008 lag die Wahlbeteiligung bei 43,7 Prozent. Die Wahl am Samstag wurde von Anschlägen überschattet.

Aufholjagd des Cricket-Stars

Formell ging der Wahlkampf in der Nacht auf Freitag zu Ende. Noch am Donnerstag waren 35.000 Anhänger Khans zu einer Wahlveranstaltung geströmt, obwohl der 60-Jährige nach einem Sturz im Krankenhaus lag und nicht teilnehmen konnte. In früheren Umfragen hatte seine Partei PTI nur einstellige Werte erreicht. In einer am Mittwoch veröffentlichten Erhebung des Magazins "The Herald" kam sie allerdings auf etwa 25 Prozent und lag nur knapp hinter der PML-N von Sharif. Shamila Chaudhary von der Eurasia Group sprach von einem "frenetischen Wahlkampf" seiner freiwilligen Helfer in den vergangenen Wochen. Der regierenden Volkspartei PPP von Präsident Asif Ali Zardari droht eine verheerende Niederlage.

Am Freitag wurden erneut Bombenanschläge auf Parteibüros verübt. Dabei starben in Quetta und Peshawar fünf Menschen. Am Donnerstag wurde außerdem der Sohn von Ex-Premierminister Yousuf Raza Gilani, Syed Ali Haider Gilani, entführt. Er kandidiert für die PPP. Bisher bekannte sich niemand zu der Tat.

Blutiger Wahlkampf

Insgesamt sind 110 Menschen im Wahlkampf getötet worden. Für die Gewalt werden die mit der Al-Kaida verbündeten pakistanischen Taliban verantwortlich gemacht. Sie lehnen die Abstimmung als unislamisch ab und haben für den Wahltag Selbstmordanschläge angekündigt. Die Regierung will die rund 70.000 Wahlbüros mit 600.000 Sicherheitskräften schützen.

Sharif war bereits in den 1990er-Jahren zweimal Regierungschef. Er gab im Wahlkampf den Staatsmann und versprach, das Wachstum zu stärken und die chronischen Stromausfälle zu beheben. Zwar genießt Sharif, der aus einer der reichsten Familien des Landes stammt, das Vertrauen von Industriellen und anderen Unternehmern, doch auch ihm hängen Korruptionsvorwürfe nach. 1999 putschte ihn der Armeechef und spätere Präsident Pervez Musharraf aus dem Amt. Musharraf, der vor der Wahl aus dem Exil nach Pakistan zurückgekehrt war, wurde von der Justiz von der Wahl ausgeschlossen.

Vom Jetset in die Moschee

Sharifs Rivale, der 60-Jährige Khan gehörte lange Zeit zum internationalen Jetset. Doch seit dem Ende seiner Sportkarriere und seinem Wechsel in die Politik 1995 gibt er sich geläutert. Heute ist er streng religiös und anti-amerikanisch. Er fordert eine soziale Revolution für Pakistan und hat den Kampf gegen die Korruption zu seiner Priorität erklärt. Neben Sharif ist Khan der einzige Spitzenkandidat, der trotz der Drohungen der Taliban auf großen Kundgebungen auftritt.

Beobachter erwarten, dass Khans Partei maximal 30 der 272 zu vergebenden von insgesamt 342 Sitzen im Parlament erhält, womit sie die Rolle des Königsmachers erhalten könnte. Eine Zusammenarbeit mit der PML-N und der PPP hat Khan jedoch bisher ausgeschlossen. Wenn er dabei bleibt, dürfte es erneut auf eine breite Koalition unter Führung einer der großen Parteien hinauslaufen. Neben PML-N, PPP und PTI treten noch eine Vielzahl an säkularen sowie islamistischen Parteien zur Wahl an.

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