Paischer, Filzmoser und die Gewichtsfrage:
Österreichische Judoker schon gut in Schuss

Leichtgewichte halten knapp über Wettkampfgewicht Gezielte Gewichtsreduktion für Bewerb entscheidend

Paischer, Filzmoser und die Gewichtsfrage:
Österreichische Judoker schon gut in Schuss © Bild: APA/Techt

Im verspiegelten Saal der Dancing Hall des Flora Ho Sports Centre der Universität Hongkong und zur Musikauswahl von "DJ Lupo" Ludwig Paischer haben Österreichs Judoka ihr erstes lockeres Training in Hongkong absolviert. Am Freitagabend zum Preolympic-Camp des Österreichischen Olympischen Komitees angereist, präsentierten sich die Leichtgewichte Paischer und Sabrina Filzmoser mit ihren Sparringpartnern und Trainer Udo Quellmalz bereits bester Laune. Dank großer Disziplin ist auch das Gewichtmachen für die Olympia-Teilnehmer kein Problem.

Die Abwaage vor dem Training bewies, dass die Sportler nur eineinhalb bis zwei Kilogramm über ihrem Wettkampfgewicht von 60 (Paischer) bzw. 57 Kilogramm (Filzmoser) sind. "Das ist Luxus. Da kann man dann eigentlich auch nicht vom Gewichtmachen reden, es ist eher ein Gewichthalten, sie können trinken und normal essen", erklärte ÖJV-Sportdirektor Taro Netzer. Nur eine lockere Einheit bei einem Puls von 130 stand am ersten Tag der Akklimatisierung auf dem Programm, ordentlich ins Schwitzen kamen die Athleten trotzdem. Wegen Verkühlungsgefahr wurde die Klimaanlage während des Trainings abgedreht - und die Matten wegen der hohen Luftfeuchtigkeit nass.

Bei intensiveren Einheiten erreicht der Athlet Maximalpuls (180 bis über 200), und da verliert er auch ordentlich an Gramm. "Ein bis eineinhalb Kilo gehen bei einer solchen Einheit schon runter", sagte Quellmalz, der auf die Erfahrung seiner Athleten mit solchen klimatischen Verhältnissen hinwies. "Sie müssen viel trinken, schwitzen aber auch viel wieder raus." Am Wettkampftag erfolgt die Abwaage um 7.00 Uhr früh, normalerweise legt sich der Sportler am Abend vorher mit einem halben Kilo mehr ins Bett, am Morgen passt das Gewicht dann. "Wir haben zum Glück keine Sportler, die vier, fünf Kilo drüber sind, auch Claudia Heill nicht, die am Sonntag ankommt. Sonst wäre das ein gewaltiges Problem, die müssten viel früher zur Akklimatisierung anreisen", erläuterte Netzer.

Keine Gewichtsprobleme
Die aktive Filzmoser, die bereits um sieben Uhr früh einen Spaziergang am Meer gemacht hat und die Bewegung im Freien und der Natur liebt ("Die Natur ist mein Kraft- und mein Energieplatz. Ich wandere, seit ich gehen kann"), hat ebenso nie ein Problem mit ihrem Gewicht, wie Paischer, der selbst in Urlaubszeiten selten 64, 65 Kilogramm auf die Waage bringt. "Im Trainingsalltag habe ich 62, 63, das ist das Beste für mich, da vertrage ich die Trainingsbelastung gut. Bei 61 kann ich nicht mehr so gut trainieren, da wird der Körper schwächer, was die Erholungszeit betrifft", erklärte der Salzburger.

Schon vor der Abreise nach China hat er auf "Schokobomben" verzichtet, in Hongkong ist dies sowieso kein Thema mehr. Mit dem Gewicht hat der 26-Jährige aber noch nie kämpfen müssen, in der Jugend war er immer untergewichtig. "Ich komme immer auf mein Gewicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich es einmal nicht schaffe. Sicher ist es in den letzten eineinhalb Tagen hart, wenn du nicht mehr so viel trinken darfst und fast nichts mehr essen. Aber das ist eine Willensschulung. Und ich bin draufgekommen, dass ich stärker bin, wenn ich 60 kg habe für einen Tag. Da gebe ich meine ganze Energie. Vielleicht ist das auch das Adrenalin und die Nervosität."

Andererseits könne er nicht sieben Tage lang 60 Kilogramm haben. "Da würde ich körperlich zugrunde gehen." Manche Judoka legen aus Trainingszwecken an Gewicht zu und treten dann schon einmal in einer höheren Gewichtsklasse an. Für Paischer ist das kein Thema. "Die Verletzungsgefahr ist zu groß, vom Kampfstil her ist es anders, vom ganzen Körper her."
(apa/red)