Pacult & Co. ziehen positives EM-Resümee: Bundesliga-Trainer vom Turnier begeistert

Betreuer sehen Trend zum spielerischen Fußball Bundesliga muss Nutzen aus "Europhorie" ziehen

Pacult & Co. ziehen positives EM-Resümee: Bundesliga-Trainer vom Turnier begeistert © Bild: APA/EPA/Thys

Die Trainer der österreichischen Bundesligisten haben sich fast durchgehend positiv über die Qualität der Spiele im Rahmen der EURO 2008 geäußert. Mit Zufriedenheit nahmen die neun Betreuer (Salzburg-Coach Co Adriaanse war für eine Stellungnahme nicht erreichbar) den Trend in Richtung Offensiv-Fußball zur Kenntnis, beeindruckt zeigten sie sich auch vom Tempo und den technischen Fertigkeiten der meisten EM-Spieler.

So meinte etwa der neue Austria-Trainer Karl Daxbacher: "Die technisch und spielerisch starken Mannschaften wie Spanien, Niederlande oder Russland verfügen über Teams, in denen Techniker im Vordergrund stehen, und das ist positiv", erklärte der Niederösterreicher.

Auch Mattersburg-Coach Franz Lederer ortete "eine Tendenz zum spielerischen Fußball. Die Zeiten, wo man mit zehn Spielern auf Abwarten gespielt hat, sind vorbei, das hat man am Beispiel Italien gesehen. Gott sei Dank haben sich die Mannschaften, die ihr Spiel offensiv angelegt haben, durchgesetzt".

Dieser Ansicht schloss sich auch Kapfenberg-Coach Werner Gregoritsch an und hob den neuen Champion explizit hervor. "Die beste Mannschaft ist Europameister geworden. Die Spanier haben Fußball in Perfektion geboten." Rapid-Betreuer Peter Pacult merkte an: "Jene Mannschaft, die über das gesamte Turnier sehr gute Leistungen gebracht hat, ist verdient Europameister geworden." Auch Austria-Kärnten-Trainer Frenkie Schinkels jubelte mit den Iberern. "Ihre Stars haben sich in den Dienst der Mannschaft gestellt."

Flops: Italien und Frankreich
Während vor allem die Spanier durchwegs als positive Überraschung gelobt wurden, zählten die Betreuer neben dem entthronten Europameister Griechenland den regierenden Weltmeister Italien und seinen in der Gruppenphase gescheiterten Vize Frankreich zu den EURO-Flops, so etwa Gregoritsch. "Für mich waren Italien und Luca Toni große Enttäuschungen. Man glaubte bei der EM, es spielt Tonis Bruder." Pacult hätte sich von den Rumänen, die er vor dem Turnier als Geheimfavoriten gesehen hatte, und vor allem von den Franzosen mehr erwartet. "Sie haben Spieler mit riesigen individuellen Qualitäten, aber es ist ihnen nicht gelungen, das als Mannschaft umzusetzen."

Überwiegend gute Kritiken gab es für das ÖFB-Team. Für Altach-Trainer Erwin Fuchsbichler machten die Kicker des nunmehrigen Ex-Teamchefs Josef Hickersberger beim Turnier eine ansehnliche Figur. "Natürlich kann man im Nachhinein immer über gewisse Dinge diskutieren, aber das Gesamtbild war positiv. Wir haben keinen Jausengegner abgegeben, sondern eine ordentliche EM gespielt."

"Mit nur einem Tor ist auch nicht alles super"
Pacult freute sich darüber, dass die Schwarzmalerei einiger Kritiker ad absurdum geführt wurde. "Wir haben in unseren Möglichkeiten gespielt, auf jeden Fall besser, als es so mancher Experte vor einem dreiviertel Jahr noch prognostiziert hat. Aber wenn man nur ein Tor macht, kann auch nicht alles super gewesen sein."

Ähnlich sah es Lederer. "Wir haben uns mit Anstand verabschiedet, auch wenn einiges mehr drin gewesen wäre." Kritischer äußerte sich Schinkels. Zwar hätte sich Österreich als europameisterlicher Organisator präsentiert, "aber sportlich müssen wir aufhören, uns anzulügen. Wir erziehen nur Roboter, jedes andere Land hat kreative Spieler, die ein Match allein entscheiden können. Bei uns sehe ich diese weit und breit nicht", erklärte der gebürtige Niederländer und verlangte die Forcierung des kreativen, offensiven Spiels in den heimischen Nachwuchs-Zentren.

Die Individualisten machen's aus
Trotz oder gerade wegen der steigenden Bedeutung des Kollektivs sind individuelle Stärken besonders wichtig, meinte Ried-Trainer Georg Zellhofer. "Die Qualität von Einzelspielern hat bei der EM den Unterschied ausgemacht", sagte der Oberösterreicher und befand sich damit auf einer Wellenlänge mit Schinkels, der meinte: "Große Spieler wie Torres, Sneijder oder Cristiano Ronaldo entscheiden Spiele immer öfter alleine." Sturm-Betreuer Franco Foda hob den Final-Torschützen besonders hervor: "Es kommt nicht von ungefähr, dass ein Spieler wie Torres 35 Mio. Euro wert ist."

Ansonsten blieben taktische Erkenntnisse Mangelware. Lederer erkannte eine Entwicklung in Richtung immer flexibler werdenden Spielern, die weder in der Defensive noch in der Offensive Schwächen zeigen, Daxbacher und Gregoritsch sahen sich in ihrer Ansicht bestätigt, dass Teams immer öfter mit nur einer echten Spitze und zwei Flankenspielern agieren.

"Turnier war ein Erlebnis"
Zumindest in einem Punkt sind sich alle Trainer einig: Österreich hat die EURO 2008 als Veranstalter perfekt über die Bühne gebracht. "Die Organisation war bis zum Finale von der Stimmung und den Fans her ein Erlebnis", erklärte Zellhofer, und sein Austria-Nachfolger Daxbacher ergänzte: "Das ganze Turnier war top, es war ein Erlebnis."

Nun gehe es darum, die Begeisterung für den Fußball zu nützen, so Zellhofer. "Wir dürfen die Euphorie nicht verpuffen lassen, sondern wir müssen sie aufnehmen, Vorschläge ausarbeiten und Ideen umsetzen." Fuchsbichler sieht Impulse für die Jugendarbeit. "Die Vereine werden jetzt sicher einen großen Zustrom von Kindern haben. Diesen Schwung für den Fußball muss man nützen", sagte der Altach-Betreuer, der auch auf eine neuerliche Verbesserung des Zuschauer-Rekordes aus der Vorsaison (insgesamt 1,671 Mio./Schnitt 9.284) hofft. "Jeder Verein ist in punkto Zuschauer noch steigerungsfähig, es müsste aber auch mehr in die Stadien investiert werden."

(apa/red)

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