"Paar Kekse hab ich mir schon verdient":
Raich zieht zufriedene Weihnachtsbilanz

Im Gesamtweltcup nur 37 Punkte hinter Svindal 30-Jähriger sieht sich schon als Weltcup-Oldie

"Paar Kekse hab ich mir schon verdient":
Raich zieht zufriedene Weihnachtsbilanz © Bild: Reuters

Benjamin Raich ist wie erwartet auch in der Saison 2008/09 Österreichs einziger Anwärter auf den Sieg im Ski-Gesamt-Weltcup. Und der Pitztaler befindet sich auf einem guten Weg, zum zweiten Mal nach 2006 die Große Kristallkugel zu holen. "Die bisherige Saisonbilanz ist zufriedenstellend. Ein paar Weihnachtskekse habe ich mir schon verdient", meinte der 30-Jährige, der nach 13 Bewerben als Zweiter nur 37 Punkte Rückstand auf Gesamt-Weltcup-Leader Aksel Lund Svindal aufweist. Der Norweger hat in den vier Südtirol-Rennen in Gröden und Alta Badia gerade einmal 35 Punkte zusammengekratzt.

Mit u.a. zwei Siegen (Riesentorlauf Beaver Creek, Super-Kombination Val d'Isere) und einem dritten Platz (Slalom Alta Badia) hat Raich bisher 393 Zähler an Land gezogen. Für Raich, der in früheren Jahren stets erst im Jänner so richtig auf Betriebstemperatur gekommen war, eine durchaus passable Ausbeute. Zum Vergleich, in der Saison seines Gesamtweltcup-Sieges hatte Raich mit 430 Punkten, also mit 37 Zählern mehr auf dem Konto Weihnachten gefeiert.

Hohe Leistungsdichte
Dass sich bis dato in dieser Saison keiner der Spitzenpiloten wie Svindal oder Bode Miller (USA) absetzen konnte, ist für Raich fast logisch. "Gerade in Tagen, in denen viel über den Neunfachsieg vom Patscherkofel gesprochen wird, muss gesagt werden, dass die Zeit der Seriensieger vorbei ist. Die Konkurrenz ist sehr eng zusammengerückt, das Niveau ist sehr hoch."

Das zeigt sich in der aktuellen Weltcup-Wertung, in der die Top Acht Svindal, Raich, Jean-Baptiste Grange, Didier Cuche, Carlo Janka, Daniel Albrecht, Ivica Kostelic und Didier Defago innerhalb von nur 121 Punkten liegen.

Raich sieht sich mittlerweile im Ski-Weltcup unter den Oldies, lebt aber nach wie vor voll und ganz für den Skisport. "Ich bin einer von den Alten. Ich bin 30 Jahre alt und seit zehn Jahren im Weltcup. Das ist die Realität. Aber Rennfahren ist nach wie vor mein Leben", erklärte der Freund von Österreichs derzeit verletzter Slalom-Topfahrerin Marlies Schild.

Technik-Schwerpunkt
Im Vorjahr hatte Raich den Kampf um den Gesamt-Weltcup gegen Miller vor allem in den Disziplinen Slalom und Super-Kombinationen verloren. In diesen ist er im laufenden WM-Winter deutlich besser. Vielleicht deshalb, weil Raich in der Vorbereitung das eine oder andere Speed-Training auf Kosten einer Technik-Einheit geopfert hat.

Österreichs Herren-Cheftrainer Toni Giger freut sich einerseits über insgesamt vier Siege seiner Truppe vor Weihnachten, andererseits einmal mehr vor allem über die Leistungen seines Musterschülers. "Jedes Team der Welt wäre froh, einen Läufer wie Raich zu haben." Auch Giger sieht den Schlüssel zum möglichen Erfolg Raichs in der Steigerung der Punkteausbeute in den technischen Disziplinen.

"Raichs Hauptstandbeine sind nun einmal Slalom, Riesentorlauf und Super-Kombination. In der Kombi und im Slalom hatte er vergangene Saison die entscheidenden Punkte liegengelassen, das klappt heuer deutlich besser", so Giger.

(apa/red)