Othmar Karas von

Der Kampf
um Europa

Othmar Karas - Der Kampf
um Europa © Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Er steht für einen ganz anderen Stil als die türkis-blaue Bundesregierung. Trotzdem ist Othmar Karas Spitzenkandidat der ÖVP bei der Europawahl im Mai. Wie geht sich das aus?

Es grünt allmählich. Die Ill fließt ruhig. Sanfte Böschungen, fast ländliches Idyll. Das EU-Parlamentsgebäude liegt wie ein gestrandeter Wal am Ufer des kleinen Flusses. Ein riesiger, einsamer Wal zwischen Wiesen und Wohngebiet, ein Wal, der nicht auf Rettung wartet, sondern, von einer Straßenbahnlinie mit einer nicht abreißenden Zahl von Menschen versorgt, die ameisenstraßengleich hinein-und wieder hinauswuseln, sich selbst genug ist.

Hier findet einmal im Monat Europa statt. Hier ist Othmar Karas in seinem Element. Der Plenarsaal liegt als riesige Kugel in dem 200.000 Quadratmeter großen Gebäude. Daneben eine Bar, die "neue Members Bar". Helles Holz, Blick auf die Ill'schen Wiesen. Der übliche Kantinenkaffee. Karas grüßt nach hier und dort, kennt fast jeden. Wechselt ein paar Worte mit dem österreichischen EU-Kommissar Johannes Hahn, tratscht mit der grünen Parlamentslegende Daniel Cohn-Bendit, tauscht sich am Buffet mit FPÖ-Spitzenkandidat Harald Vilimsky aus.

Othmar Karas, der Fisch im europäischen Wasser. Der erfahrene Europapolitiker, der Brückenbauer und überparteilich agierende Sacharbeiter. Das ist das Image, mit dem der 61-Jährige auch diese Wahl gewinnen will. Bei der Europawahl 2009 trat er zwar nicht als Spitzenkandidat an - weil Ex-Innenminister Ernst Strasser ihm vorgezogen wurde -, räumte aber bei den Vorzugsstimmen ab. 2014, endlich Nummer eins, wurde er erneut Vorzugsstimmenkaiser. Heuer sind die Karten neu gemischt, auf allen Ebenen. Die Brexiteers, die Orbáns und Salvinis ziehen und zerren an der Europäischen Union. Und zu Hause in Österreich hat die türkis-blaue Bundesregierung die Macht übernommen. Karas ist zwar offizieller ÖVP-Spitzenkandidat, weicht aber in vielen Hinsichten von der aktuellen Parteilinie ab. Er gibt sich, wo Kurz vermeintlich verzichtbare Grundsätze der Strategie opfert, gern prinzipientreu. Er hält nicht viel von Parteidisziplin und noch weniger von den Freiheitlichen - auch wenn er die Koalition in Österreich zähneknirschend als unvermeidbar akzeptiert. Er macht, was er für richtig hält, und sagt, was er denkt. Ein Politiker alten Stils. Ein Anti-Kurz als Angebot an den europafreundlichen Flügel der ÖVP -und darüber hinaus. Wenn die Strategie aufgeht.

Den kompletten Beitrag können Sie in der aktuellen Printausgabe von News (Nr. 12/2019) nachlesen!

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