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Othmar Ederer: Grawe-General geht nach 17 Jahren an Spitze

In seiner Ära Ausbau des CEE-Geschäfts und Bank Burgenland-Erwerb

Mit Grawe AG-Vorstandsvorsitzendem Othmar Ederer (geb. 27. Jänner 1951) gibt einer der am längsten dienenden Versicherungschefs Österreichs am 1. Juli 2017 seine Funktion ab. Ederer hatte den auch im Bankengeschäft tätigen Konzern in 17 Jahren an der Spitze geprägt und das Osteuropa-Geschäft ausgebaut, aber auch in die negativen Schlagzeilen gebracht - Stichworte Bank Burgenland und Hypo-Alpe-Adria-Skandal.

Der scheidende Generaldirektor der traditionsreichen steirischen Versicherungsgesellschaft Grazer Wechselseitige (Grawe) - 1828 von Erzherzog Johann gegründet - ist in Graz geboren und Teil eines großen Familien-Netzwerkes in der Oststeiermark, das unter anderem in den bekannten Ausflugsgasthof Ederer am idyllischen Weizberg reicht. Ederer studierte in Graz Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, sponsierte 1975 und promovierte 1977. Danach arbeitete er als Assistent an der Karl-Franzens-Uni. 1978 bis 1982 sammelte er Erfahrungen als leitender Angestellter bei einem weiteren steirischen Paradebetrieb, der damaligen Steyr Daimler Puch AG. Von 1983 bis 1984 war er im Vertrieb von Metzeler Schaum GmbH. Seit 1984 war er in der Grawe tätig und diente sich kontinuierlich hoch, als Assistent der Geschäftsleitung, Leiter der Sachversicherung-Vertragsabteilung. Seit 1986 war er im Vorstand, von 1997 bis 2000 fungierte er als Generaldirektor-Stellvertreter, bevor er im September 2000 nach dem Bergunfalltod von Friedrich Fall Generaldirektor wurde.

Im Mittelpunkt stand der stete Ausbau des Geschäfts in Ost- und Südosteuropa bis hin in die Ukraine. 1991 war die Grawe bereits in Slowenien vertreten. Der zweite Schwerpunkt im Wirken Ederers, der als eher vorsichtig gilt, war der Ausbau des Bankengeschäfts. War die Grawe schon seit 1992 an der Hypo-Alpe-Adria beteiligt, so wurde mit der Bank Burgenland im Jahr 2006 gleich ein ganzes Kreditinstitut erworben.

Im Zuge der Hypo-Alpe-Adria-Turbulenzen musste Ederer, langjähriger Chef des Hypo-Aufsichtsrates (1992 bis 2009), vor dem U-Ausschuss des Parlaments aussagen. Die Frage nach der Bilanzierung der Swapverluste der Hypo beantwortete Ederer durchaus selbstkritisch: "Im Nachhinein hätte ich sie stellen sollen. Ich habe es nicht gemacht." Im Gefolge der "Sonderdividende" beim Verkauf der Hypo-Mehrheitsanteile an die BayernLB wurde im Juli 2014 von der Bank Burgenland bzw. deren Eigentümerin Grawe und der Hypo Mitarbeiter Privatstiftung ein Vergleich mit der Hypo geschlossen. Die Grawe zahlte 17,5 Mio. Euro.

Mit dem Rückzug aus der vordersten Front des operativen Geschäfts wird Ederer auch mehr Zeit für Hobby und Familie haben - vor allem für die Enkel, was er nach eigenen Worten schon lange versprochen hatte. Der 67-Jährige ist Opern- und Konzertliebhaber sowie passionierter Wanderer und Bergsteiger. Als solcher könne man die Veränderungen beim Wetter und beim Klima gut verfolgen, sagte Ederer am Rande seiner letzten Bilanzpräsentation - was für einen Versicherer auch beruflich von Interesse ist.

Ederer ist seit 2016 verwitwet, er hat zwei erwachsene Söhne, die u.a. in den USA studierten. Seine Funktion im VVO als Präsident - er hat sie seit Juni 2016 inne - behält er bis 30. Juni 2018. Seine Vorsitz-Funktion im Universitätsrat der Grazer Karl-Franzens-Uni gab er im Dezember 2016 ab.

(SERVICE - Bilder von Othmar Ederer sind im AOM abrufbar.)

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