Osteuropa versinkt in den Wassermassen:
Slowakei erlebt "Jahrtausendhochwasser"

Flutwelle auf der Weichsel rollt durch Polens Lande Ausgiebige Regenfälle sorgen für Spannung in Ungarn

Osteuropa versinkt in den Wassermassen:
Slowakei erlebt "Jahrtausendhochwasser" © Bild: Reuters/Andrews

Gebrochene Deiche, überflutete Dörfer, ertrunkene Menschen: Die Flut in der Slowakei und in Polen wird immer dramatischer. Tausende Menschen wurden vor den Wassermassen in Sicherheit gebracht. Die Slowakei erlebe derzeit ein "Jahrtausendhochwasser", sagte Premier Robert Fico in Bratislava. In Polen rollte die Flutwelle auf der Weichsel drei Wochen nach dem verheerenden Hochwasser im Mai erneut mit zerstörerischer Kraft durchs Land. Die Situation im Süden sei gefährlich, sagte Regierungschef Donald Tusk nach einer Sitzung des Krisenstabes in Warschau. Auch in Ungarn blieb die Hochwasserlage nach den ausgiebigen Regenfällen der vergangenen Wochen angespannt.

Es sei ein "riesiges Glück", dass bisher keine Toten in der Slowakei zu beklagen seien, sagte Fico. Drei Menschen wurden allerdings nach Angaben der Rettungskräfte vermisst. In mehreren Regionen des Landes hatten die Flüsse historische Höchstwerte erreicht. Die Messvorrichtungen reichten nicht mehr aus, um den Wasserpegel zu erfassen, sagte der Premier. Innenminister Robert Kalinak berichtete, dass viele Gemeinden überschwemmt worden seien, die noch nie zuvor überflutet wurden. Die dort lebenden Menschen seien unvorbereitet von der Katastrophe getroffen worden.

   An vielen Eisenbahnlinien der Slowakei seien schwere Schäden entstanden, und die Statik zahlreicher Brücken sei gefährdet. Mehr als 3.000 Soldaten waren Fico zufolge im Einsatz, um die örtlichen Feuerwehren zu unterstützen.

Todesopfer
Die Lage in Polens Hochwassergebieten spitzt sich zu. Für die Hauptstadt Warschau wurde erneut Alarm ausgerufen, da eine zweite Hochwasserwelle der Weichsel erwartet wurde. Die Bewohner der an den Fluss grenzenden Viertel wurden aufgerufen, sich für eine Evakuierung bereitzuhalten.

Im Süden und Südosten Polens wurden zehntausende Menschen vor Überschwemmungen in Sicherheit gebracht. "Die Feuerwehrleute habe insgesamt rund 30.000 Menschen in Sicherheit gebracht, Polizei und Armee nahmen weitere Evakuierungen vor", sagte Feuerwehrsprecher Pawel Fratczak. Die Zahl der Todesopfer sei inzwischen auf 22 angestiegen.

Zehntausende Feuerwehrleute im Einsatz
Am schwierigsten sei die Lage im Süden und Südosten Polens, sagte der Feuerwehrsprecher. An vielen Orten entlang der Weichsel seien Deiche gebrochen, das Hochwasser in den bereits überschwemmten Ufergebieten sei weiter angestiegen. Mehrere Straßen waren durch Erdrutsche verschüttet. Rund 17.000 Feuerwehrleute und 3000 Soldaten waren in den Hochwassergebieten im Einsatz. Der Einsatz konzentrierte sich auf die 25.000-Einwohner-Stadt Sandomierz (Sandomir), die bereits durch das Weichsel-Hochwasser vor zwei Wochen schwer beschädigt worden war. Am Samstagabend war dort erneut ein Deich gebrochen.

Mehr als 2.300 Menschen wurden in Ungarn in Sicherheit gebracht, sagte ein Sprecher des ungarischen Innenministeriums. Besonders schwer betroffen waren die Bezirke Borsod und Szabolcs im Nordosten des Landes, wo die Flüsse Hernad, Sajo und Bodva über die Ufer getreten waren.

(apa/red)