"Osmanischer Pascha" auf der Trainerbank:
Fatih Terim gab der Türkei den Stolz zurück

Türkei erreicht mit Terim erstmals ein EM-Halbfinale Schroff zu den Medien, knallhart zu seinem Team

"Osmanischer Pascha" auf der Trainerbank:
Fatih Terim gab der Türkei den Stolz zurück © Bild: Reuters/Ebenbichler

2000 EM-Viertelfinalist, 2002 WM-Dritter und heuer EURO-Semifinalist. Fatih Terim führte die Türkei wieder in den Fußball-Himmel und versetzte nach über 120 Minuten und aufregendem Elferschießen ein ganzes Land und viele türkische Kolonien rund um den Erdball in einen enthusiastischen Freudentaumel.

Seit Juni 2005 mit einer kurzen Unterbrechung im Jänner 2006 im Amt, machte Terim die Männer mit dem Halbmond auf der Brust erstmals zum EM-Halbfinalisten und setzte sich schon vor dem Kampf um den Einzug ins Endspiel am Mittwoch in Basel gegen Deutschland ein Denkmal.

Terims Mannen hatten zum dritten Mal nach den Partien gegen Co-Gastgeber Schweiz (nach 0:1 zum 2:1) und Tschechien (von 0:2 auf 3:2) ein verloren geglaubtes Spiel noch umgedreht. Zunächst egalisierte Sentürk die kroatische Führung durch Klasnic, erzwang so noch eine Verlängerung, und dann hielt Rüstü den entscheidenden Penalty von Petric beim Stande von 3:1. "Wir geben eben nicht auf, bevor das Spiel zu Ende ist", lautet Terims Credo.

"Imperator" gab Türkei Stolz zurück
Nach dem entscheidenden Strafstoß gab es für die Spieler auf dem Feld, die Zuschauer und Millionen in der Welt kein halten mehr. Teamchef Terim hat der Türkei wieder einen Status im internationalen Fußball verliehen, der das Volk mit Stolz erfüllt. Der Trainer, am 4. September 1953 in Adana geboren, praktiziert einen kompromissloses Führungsstil und wird daher gerne als "Imperator" bezeichnet. Unter seiner ersten Teamchef-Ära (1993 bis 1996) führte er die Türkei schon 1996 erstmals zur EM-Endrunde.

Terim lebt Fußball, während eines Spiels ganz besonders. Gegen Kroatien warf er schon nach wenigen Minuten sein Sakko auf die Bank und machte so deutlich, dass Angriff immer noch die beste Verteidigung ist. Seine Schützlinge setzen das Zeichen freilich erst im Finish der regulären Spielzeit und dann vor allem in der Verlängerung um.

Der osmanische Pascha setzt Emotionen im Positiven, aber auch im Negativen frei. Die Skandalspiele gegen die Schweiz im Herbst 2005 sind noch nicht vergessen. Nach wüsten Ausschreitungen im Play-off-Spiel um die WM-Qualifikation 2006 durfte die Türkei drei Pflichtspiele nicht in der Heimat bestreiten. Terim, im eigenen Land als Brandstifter entlarvt, kam ungeschoren davon und durfte Teamchef bleiben.

Terims Truppe will ins Finale
Der frühere Rekord-Teamspieler (51 Länderspiele zwischen 1975 und 1984), der als Abwehrmann für Adana Demirspor und Galatasaray Istanbul tätig war, betreute Ankargücü, Göztepe Izmir, die türkische U21-Auswahl, Galatasaray (UEFA-Cup-Sieger 2000), AC Fiorentina und AC Milan. Auf all diesen Stationen hat der oft streitbare Coach viel Erfahrung gesammelt, reifte er zum gewieften und mutigen Feldherrn. Vor der Abreise zur EURO 2008 hatte er der Nation den Einzug ins Finale versprochen, davon sind seine Mannen jetzt nur noch ein Spiel entfernt.

Wird auch die Semifinal-Hürde genommen, werden wohl auch jene Kritiker verstummen, die ihm die Nicht-Berücksichtigung von Halil Altintop und Bastürk sowie des Helden Hakan Sükür, der in der Qualifikation die meisten Tore erzielt hatte, vorwarfen. Terim kümmern weder Zahlen noch Einwände, was alleine zählt, ist sein Wort. Der Herrscher regiert sein Team und die Medien. Er spricht viel, liefert aber kaum Essenzielles. Ein Beispiel gefällig: "Ob mit 9-2-3-oder 4-8-9-System, das könnt ihr euch selbst aussuchen."