Oscars 2011 von

Stotterkönig triumphiert

"The King's Speech" holt Preis als bester Film. Natalie Portman beste Darstellerin.

Es war ein Triumphzug der Favoriten bei der 83. Oscar-Verleihung: Das britische Historiendrama "The King's Speech" erhielt den Oscar als bester Film und setzte sich damit gegen den Mitfavoriten "The Social Network" durch. Von seinen zwölf Nominierungen hat der Streifen über König George VI. zwar nur vier in goldene Statuetten umgewandelt, diese jedoch in den Königskategorien: Colin Firth wurde wie erwartet zum besten Hauptdarsteller gekürt, Tom Hooper stach Konkurrenten David Fincher als bester Regisseur aus und David Seidler wurde mit dem Oscar für das Beste Original-Drehbuch ausgezeichnet.

Zum großen Verlierer avancierte der Coen-Western "True Grit", der keine der zehn Nominierungen in Oscars umwandeln konnte. Auch Darren Aronofskys Psycho-Thriller "Black Swan" musste sich mit einem Oscar begnügen: Als beste Hauptdarstellerin wurde die große Favoritin Natalie Portman für ihre Darstellung der ehrgeizigen Ballerina, die ihre düstere Seite entdeckt, ausgezeichnet. Die 29-Jährige kam schwanger auf die Bühne und dankte ihrer "wunderschönen Liebe, Benjamin Millepied, der diesen Film choreografiert hat und mir nun die schönste Rolle meines Lebens gibt". Tom Hooper dankte vor allem seiner Mutter. Sie war es, die ihn nach einer Lesung "bei australischen Freunden" auf das Drehbuch von "The King's Speech" brachte. "Und die Moral dieser Geschichte", schloss der Brite seine Rede ab, "Hör auf deine Mutter!"

"Karriere hat Höhepunkt erreicht"
Colin Firth wirkte während der Verleihung im Publikum äußerst angespannt - was sich auf der Bühne legte. "Ich habe das Gefühl, meine Karriere hat soeben ihren Höhepunkt erreicht", waren die ersten Worte des 50-Jährigen auf der Bühne. Ohne mit der Wimper zu zucken, gab er an, Gefühle im Oberkörper zu haben, "die sich in Tanzbewegungen verwandeln könnten. Ich hoffe, sie bewegen sich nicht in meine Beine, bevor ich die Bühne verlasse."

"True Grit" Verlierer des Abends
Der Western "True Grit" von Joel und Ethan Coen wurde zum großen Verlierer des Abends: Der Streifen war zehnmal nominiert und ging komplett leer aus. Damit ist der Film jedoch nicht der größte Loser der Oscar-Geschichte: Für jeweils elf Oscars waren Steven Spielbergs "Die Farbe Lila" (1986) und Herbert Ross' "Am Wendepunkt" (1978) nominiert - und beide gingen leer aus.

Vier Oscars für "Inception"
"Inception" triumphierte indes in den Technik-Kategorien. Vier Awards räumte Christopher Nolans achtfach nominiertes Kino-Spektakel für Beste Spezialeffekte, Beste Kamera, Bester Ton und Bester Tonschnitt ab. Lediglich drei Oscars erhielt David Finchers bei Kritikern beliebter Facebook-Streifen "The Social Network" - für "Bester Soundtrack", "Bestes adaptiertes Drehbuch" und "Bester Schnitt". "Toy Story 3" wurde zum besten Animationsfilm gekürt und erhielt den Oscar für den besten Song (Randy Newmans "We Belong Together").

Melissa Leo liefert Faux-pas
Einen Faux-pas lieferte Melissa Leo, die als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet wurde. Bei ihrer Dankesrede zeigte sie sich sprachlos und den Tränen nahe - und ließ vor Aufregung das böse "F-Wort" fallen, und das live im amerikanischen Fernsehen. "Als ich vor zwei Jahren Kate Winslet dabei zugesehen habe, hat es so 'fucking easy' ausgesehen", sagte die 50-Jährige. Ihr Malheur bereute sie prompt, beschämt blickte sie auf den Boden. Ihr "The Fighter"-Schauspielkollege Bale wurde wie erwartet für seine Rolle des hyperaktiven Drogensüchtigen im Boxdrama als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. "All die talentierten, inspirierenden Leute in diesem Saal", scherzte der 37-Jährige, "was habe ich hier zu suchen?"

Den Auslands-Oscar erhielt der dänische Film "In a better world" von Susanne Bier, die heuer bereits den Golden Globe für den besten fremdsprachigen Film erhalten hatte. Der deutsche Komponist Hans Zimmer ging leer aus: Der Oscar für den besten Soundtrack ging an "The Social Network".

(apa/red)