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Profit aus der Krise

Charles Randolph erklärt, wie er durch die Immobilienkrise zum Oscar kam

Leben - Profit aus der Krise © Bild: imago/ZUMA Press

Charles Randolph schrieb mit Adam McKay das Drehbuch von "The Big Short". Wie er durch die amerikanische Immobilienkrise zum Oscar kam erklärt er News

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Unfassbar, dass so ein sperriges Thema den Oscar bringt.
Das Thema ist wichtig für Amerika und der Film ist ungewöhnlich für eine Komödie in Amerika. Die Mitglieder der Akademie verstehen, wie schwierig es ist, so eine Geschichte auf die Leinwand zu bringen.

© imago/ZUMA Press Charles Randolph und Adam McKay backstage

Wird der Oscar für Sie etwas verändern?
Ich weiß es nicht. Aber die Wirtschaftskrise war so eine verrückte Zeit, besonders in Amerika. Sie hat unsere Kultur fundamental verändert.

Wie haben Sie diese Veränderungen gespürt?
Jeder kannte jemanden, der von der Krise betroffen war, manche haben ihre Häuser verloren oder viele waren unter Wasser, das heißt sie waren höher verschuldet als das Haus wert war. Es veränderte unsere Beziehung zum Business. Ich denke, die Europäer waren immer schon skeptischer gegenüber dem Bankwesen und bei uns gibt es nun auch diesen Skeptizismus. Wenn man in Österreich sein Bankkonto überzieht, dann ist das ok.

Man kann hier immer mit seinem Bankbetreuer sprechen, ist das in Amerika nicht möglich?
Hier in Amerika kostet Überziehen viel Geld. Immer wenn man zum Bankomaten geht, muss man umgerechnet um die 25 Euro zahlen. Und das sagt einem niemand. Viele Leute fragen jetzt nicht mehr bei den Banken, was sie mit dem Geld machen können, sie treffen ihre Entscheidungen selbst. Vor zehn Jahren wollten sehr viel Harvard-Absolventen einen Job bei einer Bank. Heute wollen alle bei den sozialen Medien oder in Silicon Valley unterkommen.

Ist es schwieriger eine wahre Geschichte zu erzählen als Fiktion? Man kann da ja nichts erfinden.
Es ist schwieriger im Detail, aber einfacher im Großen. Eine reale Geschichte gibt einem aber Dinge, die man gar nicht erfinden könnte. Also wenn es um die Charaktere ging, war es schwieriger. Man will die Wahrheit erzählen. Aber die Geschichte des Films verändert sich gerade in Amerika. Die alte Schule von Tarantino, als man Filme über andere Filme machte, hat einer neuen Schule Platz gemacht, wo man Schule über das wirkliche Leben macht. Es geht mehr in Richtung Dokumentation. Auch der Stil ist ein anderer geworden. Man erzählt immer mehr vom realen Leben.

Ist das nicht auch gefährlich? Man bricht damit doch wieder alte Wunden auf?
Das ist es. Aber die Gerichte hier sind voll mit Menschen, die einander die ganze Zeit verklagen. In diesem Film hatten alle Personen, die vorkommen, bekamen ihre Rechte, wir ließen sie alles mögliche unterschreiben. Zum Beispiel jener, den Ryan Goslin spielte, hatte in Wirklichkeit nie einen Assistenten. Wir checkten so viel, ich hatte keine Angst, dass ich alte Wunden aufbrechen würde, denn die Leute hatten die Chance, das Drehbuch zu lesen, sie konnten etwas dazu beitragen.

Sie hatten tolle Schauspieler. Aber legt man darauf überhaupt noch so viel Wert. Bei „The Revenant“ stand vor allem die körperliche Anstrengung für die Oscar-Nominierung im Vordergrund.
Das ist immer die Frage, ob einen das Schauspiel den Oscar bringt oder ob man mehr braucht. Aber wenn die Performance wirklich stark ist... Ich glaube, dass gute Schauspieler in der Academy sind und für gute Leute auch stimmen. Aber die Dinge verändern sich. Man interessiert sich immer mehr dafür, wer die stärkste Perfomance zeigt, aber es ist keine Frage, dass man sich für das Zusätzlich auch noch interessiert.

Wirkliche Menschen spielen mit und erklären komplizierte Wirtschaftsbegriffe. Wollten Sie eine fiktionale Doku schaffen?
Anton kommt von der Stand-up-Comedy. Er wusste, wie die Leute reagieren. Und das Macht den Stil des Film zu einer Figur im Film. Das ist wirklich wichtig. Ich glaube, das mochte das Publikum und die Kritiker am meisten.

Haben Sie die wirklichen Protagonisten getroffen?
Ich nicht, ich habe immer Angst, dass das mein Bild von ihnen verändern würde. Aber die Schauspieler haben sie getroffen, bevor wir mit dem Dreh begonnen haben.

Stellen Sie sich einen Schauspieler vor, bevor Sie das Drehbuch schreiben?
Ich gehe von Bildern aus, Adam (McKay, Anmerkung) braucht die Schauspieler. Übrigens, wussten Sie, dass ich ein paar Jahre in Wien gelebt habe.

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