Osama Bin Laden meldet sich wieder zu Wort: Droht irakischen Schiiten und den USA

Terrorführer droht Vergeltung für "Völkermord" an US-Geheimdienst bestätigt Echtheit der Aufnahme

Al-Kaida-Chef Osama bin Laden hat den irakischen Schiiten mit Anschlägen gedroht. Sie führten eine Vernichtungskampagne gegen die Sunniten, sagte er in einer Tonaufnahme, die der arabische Nachrichtensender Al-Jazeera veröffentlichte. Bin Laden warnte zudem die USA und ihre Verbündeten vor einem Einmarsch in Somalia, das zu großen Teilen von Islamisten erobert wurde. Ein US-Geheimdienstmitarbeiter bestätigte die Echtheit der Aufnahme. Erst am Vortag hatte Bin Laden sich per Audiodatei zu Wort gemeldet.

"Die schiitischen Regionen im Süden des Iraks sollen nicht sicher sein, wenn die Liquidierung der Sunniten nicht aufhört", heißt es auf dem Tonband. Die Schiiten müssten bestraft werden, da sie gemeinsam mit den USA und ihren Verbündeten sunnitische Städte wie Mosul, Falluja und Ramadi angriffen. Schiiten könnten nicht sunnitische Städte im Irak "verletzen" und gleichzeitig erwarten, dass ihre eigenen Gebiete vor "Vergeltung und Leid" sicher sind, erklärte Bin Laden.

"Die unbewaffneten Muslime im Zweistromland erleiden eine Völkermordkampagne", hinter der "neidische und verräterische Banden" steckten, sagte die Stimme in der Aufzeichnung weiter. Diese Banden hätten alle "Schlüsselposten" in der irakischen Regierung besetzt. Die Regierung des schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki sei "verbrecherisch und abtrünnig".

Die Anhänger der schiitischen Richtung des Islams stellen die Bevölkerungsmehrheit im Irak. Sie kamen nach dem Sturz der Regierung des sunnitischen Präsidenten Saddam Hussein durch US-geführte Truppen 2003 an die Macht. Ein Großteil des Aufstandes gegen die Führung wird von Sunniten getragen.

In dem Tonband erklärt die Bin Laden zugeschriebene Stimme weiter, er akzeptiere die Ernennung von Abu Hamza al-Muhajir - auch als Abu Ayyub al-Masri bekannt - zum neuen Anführer der "Al Kaida im Zweistromland". Al-Muhajir ist der Nachfolger von Abu Musab al-Zarwawi, der bei einem US-Luftangriff am 7. Juni ums Leben kam. "Wir wurden darüber informiert, dass unsere Mujaheddin-Brüder der irakischen Al-Kaida Abu Hamza al-Muhajir als ihren Emir ausgewählt haben. Ich bete zu Gott, dass er der beste Nachfolger des besten Vorgängers sein wird." Bin Laden rief außerdem Muslime auf, den Kampf in dem Land mit Rekruten und Geld zu unterstützen.

Bin Laden wandte sich in der knapp 20-minütigen Botschaft außerdem an die Menschen in Somalia. "Wir werden gegen (US-)Soldaten in Somalia kämpfen". Die Al-Kaida behalte sich das Recht vor, die USA im eigenen Land zu bestrafen. Militante Islamisten kontrollieren seit Juni weite Teile des Landes am Horn von Afrika.

Der US-Geheimdienstmitarbeiter sagte, eine Analyse der Aufnahme habe ergeben, dass sie die "Stimme von Osama bin Laden" wiedergebe. Es gebe keinen Grund, an der Echtheit der Aufnahme zu zweifeln. Die Datei erschien auf einer von Extremisten genutzten Web-Site. Es ist die fünfte öffentliche Botschaft des Al-Kaida-Führers in diesem Jahr. Der gebürtige Saudiaraber gilt als Verantwortlicher für die Anschläge am 11. September 2001 in den USA.

Zarqawis Frau bezichtigt Al Kaida des Verrats an ihrem Mann
Knapp einen Monat nach dem Tod des Terroristenführers Abu Mussab al Zarqawi hat dessen erste Frau in einem Zeitungsinterview "Verrat" an ihrem Mann beklagt. Zarqawi sei von den eigenen Leuten "an die Amerikaner verkauft" worden, sagte Um Mohammed der italienischen Zeitung "La Repubblica" (Sonntag-Ausgabe). Er sei das Opfer eines "Geheimpaktes" zwischen den irakischen Rebellen und den Anführern des Terrornetzwerks Al Kaida sowie den US-Geheimdiensten geworden.

"Mein Mann wurde zu mächtig, und er hat ohne Zweifel jemanden gestört", sagte Zarqawis Frau bei dem Gespräch in Genf. Seine Macht und die Gefolgschaft der radikalsten Gruppen hätten ihn das Leben gekostet. Im Gegenzug hätten die USA die Jagd auf Al-Kaida-Chef Osama bin Laden verlangsamt. Al Kaida versuche derzeit, Bin Laden besonders zu schützen.

Die etwa vierzig Jahre alte Um Mohammed ist Jordanierin und lebt an geheimem Ort in Europa. Zarqawi war am 7. Juni bei einem US-Angriff bei Baakuba getötet worden. Der TV-Sender Irakia berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, der Hinweis auf Zarqawis Aufenthaltsort sei aus dessen Umfeld gekommen.

Zarqawi an einem geheimen Ort beigesetzt
Der Leichnam al-Zarqawis ist einem nationalen Sicherheitsberater zufolge in einem geheimen Grab beigesetzt worden. "Die irakischen Behörden haben die Leiche Zarqawis vor kurzem an einem geheimen, aber gekennzeichneten Ort begraben", sagte am Sonntag Mowaffak al-Rubaie der Nachrichtenagentur Reuters.

Der aus Jordanien stammende Zarqawi wurde am 7. Juni bei einem US-Luftangriff getötet. Das US-Militär wollte dazu nicht Stellung nehmen. Die Leiche sei an die irakische Regierung übergeben worden, die für das weitere Vorgehen zuständig sei, sagte ein Sprecher lediglich.
(apa/red)