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Null Chance für Mr. Wolf

Julia Ortner über die Probleme des Kanzlers, die auch Josef Ostermayer nicht mehr lösen kann

Julia Ortner © Bild: News

Wenn ich einmal groß und mächtig bin, dann hätte ich auch gerne einen Josef Ostermayer. Also einen, der mir jedes Problem und jeden Stress vom Leib hält. Oder hinter, neben und vor mir aufräumt, gerade wie ich es brauche. Werner Faymann hat dieses Glück mit seinem Josef Ostermayer. Ziemlich neidisch, was ich da im März 2014 über den Kanzleramtsminister und Strategen des Kanzlers geschrieben habe – als er dem Chef gerade die Burgtheaterfinanzaffäre gelöst und den umstrittenen Theater-Chef rausgeworfen hatte. Nur ein Problem von vielen, das Ostermayer bis dahin für Faymann regeln durfte.

Herr Ostermayer verkörpert da noch den Mr. Wolf der Faymann-Welt. Mr. Wolf ist dieser effektive Organisator aus Quentin Tarantinos Gangsterepisodenfilm „Pulp Fiction“, der sich bei Leuten mit gröberen Problemen gerne so vorstellt: „Mein Name ist Mr. Wolf. Ich löse Probleme.“ Er ist ein Saubermacher, ein Cleaner, wenn etwas Ungutes passiert ist. Nur jetzt hilft Werner Faymann auch kein noch so verbindlicher Cleaner mehr – nichts als Fronten für die SPÖ derzeit, da siehst du den Krieg schon gar nicht mehr vor lauter Kampflinien.

Der burgenländische Genosse Hans Niessl mit seinem bisher in der Sozialdemokratie so geächteten Rot-Blau; der einst so selbstbewusste Franz Voves mit dem bitteren Verlust der Steiermark an die schwarzen Machtspieler; der frühe Sommerschlussverkauf beim Team Stronach Richtung ÖVP-Klub – und man darf spekulieren, welchen sinisteren Plan der schwarze Klubobmann mit all den neuen Abgeordneten hegen könnte. Wäre das Dilemma nicht überall, hätte Ostermayer also wieder mit seiner Mr.-Wolf-Roadshow auf Tour gehen müssen, um den SPÖ-Vorsitzenden vor Unbill zu bewahren. Bezeichnend für den derzeit sehr fragilen roten Gemütszustand,
dass sich des Kanzlers innerer Kreis anscheinend noch enger gegen die Außenwelt abschließt. Die Welt da draußen ist so verdammt gefährlich.

Und gerade die langjährige persönliche Erfolgsstrategie Werner Faymanns – immer eher vorsichtig, immer pragmatisch, nie zu wild – fällt jetzt aus dieser politisch bewegten Zeit völlig heraus. Die anderen da draußen machen einfach, was sie wollen und für sich selbst für richtig halten – auch die eigenen Leute. Solidarität, geh bitte. Da hilft dir auch kein Mr. Wolf mehr. Das Rudel der schwarzen Wölfe, es ist momentan schneller, hungriger und, sagen wir es einmal so: von hochprofessioneller Biestigkeit. Schwer, sich nun als verbindlicher Politiker der Mitte wie der SPÖ- Chef strategisch passend zu verhalten. Also doch besser, wenn ich auch weiterhin ohne persönlichen Cleaner durchs Leben komme – man gewöhnt sich ja sonst noch an einen Luxus, der vielleicht nicht ewig währt.

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