Fakten von

Last Woman Standing

"Das Ortnerprinzip" von Julia Ortner: Was Doris Bures mit Bruce Willis gemeinsam hat

Julia Ortner © Bild: News

Doris Bures' politisches Leben der letzten Monate ist kein langer, ruhiger Fluss, es ist mehr schäumendes Wildwasser voller fieser Stromschnellen, heimtückischer Felsbrocken und hinterhältiger Treibholzstücke. Zuerst muss sich die Sozialdemokratin vor dem Wiener SPÖ-Parteitag im April als des Kanzlers Botin mit dem Wunsch nach einem rigideren Kurs in der Flüchtlingspolitik vom Wiener Vorsitzenden Michael Häupl abkanzeln lassen. Dann kommt ihr Anfang Mai nach dem Rückzug in die Wagenburg, auch Bundeskanzleramt genannt, Werner Faymann als langjähriger Chef und wichtigster Verbündeter abhanden.

Und schlussendlich überlebt die Nationalratspräsidentin Mitte Mai die fürsorgliche Belagerung der anderen Genossen zwar politisch, doch ihr neuer Kanzler ist ausgerechnet jener Christian Kern, dem sie einmal die Befähigung zum Politiker abgesprochen hatte. "So wie ich nicht so eine gute Bahn-Managerin wäre, wäre er nicht so ein guter Politiker", sagte die damalige Infrastrukturministerin vor eineinhalb Jahren über ihren erfolgreichen ÖBB-Chef -logisch, zumindest für sie, immerhin galt es, die angeschlagene Kanzlerschaft Faymanns vor ambitionierten Konkurrenten zu schützen.

Zerrissen zwischen Hoch und Tief, Erfolg und Niederlage, Depression und Manie, das ist Politik heute -die Bipolarität ist auch schon das Einzige, worauf du dich da verlassen kannst. Die Zyklen der Macht werden kürzer und gehetzter, warum sollte es den Politikmenschen auch besser gehen als den meisten von uns?

Dieser Wechsel von Höhenflug und Rückschlag zieht sich schon von Beginn an exemplarisch wie eine rote Linie durch den beruflichen Lebenslauf von Doris Bures. Die junge Sozialdemokratin aus einfachen Verhältnissen stieg nach ihrer Zeit im Bundessekretariat der Sozialistischen Jugend gemeinsam mit Alfred Gusenbauer auf - Nationalratsabgeordnete, SPÖ-Bundesgeschäftsführerin, Frauenministerin; dann ging es wieder etwas runter, zurück in die Bundesgeschäftsführung, dann wieder steil rauf ins Infrastrukturministerium; und schließlich, nach dem Tod Barbara Prammers, an die Spitze des Nationalratspräsidiums. Dort sitzt sie nun alleine, ohne die alten Verbündeten, in einer fragil gewordenen roten Welt.

All das muss man erst einmal aushalten, ohne die Contenance zu verlieren, Stichwort: mentale Stärke. "Last Man Standing" - Bures geht es ein bisschen wie Bruce Willis, nur eben in weiblich.

Da tun sich manche mächtige Männer mit den Wellentälern des politischen Lebens schwerer, sie verlieren irgendwann die Fasson. Ihnen geht es dann ein bisschen wie Charles Bronson: "Ein Mann ohne Nerven".

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: ortner.julia@news.at

Kommentare