"Orphans: Brawlers, Bawlers & Bastards": Tom Waits besingt Verlierer & Verlorene!

Neues Album voller Blues, Experimente und Poesie PLUS: Gleich n neues Video "Lie To Me" reinschauen

"Orphans: Brawlers, Bawlers & Bastards": Tom Waits besingt Verlierer & Verlorene!

Über die ewig unerreichte Größe von Tom Waits zu philosophieren ist ein ermüdender bis akademischer Journalistenkomplex. Doch allein: Was will man machen, wenn Sänger/Songwriter/Gesamtgenie Waits künstlerisch nie daneben liegt und immer noch eins auf sein letztes Werk draufzusetzen vermag?

Um sich mit den Musikgenres nicht zu verheddern, hat Tom Waits sein neues Album "Orphans" in drei untertitelte CDs aufgeteilt. "Brawlers" ist randvoll mit stampfendem, melancholischem Blues, auf "Bawlers" schmiedet der Meister große, einsame Balladen, vorgetragen mit tiefer, brüchiger Stimme in klassischer Waits-Manier. "Bastards" ist die Experimental-Scheibe mit schiefer Musik und eigenartiger Instrumentierung. Außerdem tritt Waits als Geschichtenerzähler auf. Das Raubein durchquert auf seiner vertonten Reise verworrene Szenarien und schauderhafte Landschaften, beschwört Geister, besingt Meerjungfrauen und würdigt die Verlierer, er konstruiert, er zerstört und streift dabei musikalische Felder von keltischen Balladen über dampfenden Delta-Blues bis hin zum eingängigen Rumba. Und inmitten dieses musikalischen Romans dirigiert er seinen vom Rauchen und Saufen zerstörten Gesang. "Mit meiner Stimme", sagt er, "kann ich wie ein Mädchen klingen, wie der Boogieman, wie ein Clown, ein Arzt oder auch wie ein Mörder." So glaubt man nur selten an eine Coverversion, wenn er die Ramones, Kurt Weill, Bertolt Brecht, Charles Bukowski und Jack Kerouac interpretiert. Bei Tom Waits gibt's kein "Klingt wie". Es gibt nur das Original. (NEWS, 46/06)

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