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Orlando: So schlachtet die
Politik das Massaker aus

Trump nutzt die Gunst der Wahlkampfstunde und auch die Waffendebatte entbrennt neu

Fakten - Orlando: So schlachtet die
Politik das Massaker aus © Bild: REUTERS/Carlo Allegri

Heute gedenken tausende Menschen in Orlando der Opfer des Massakers: Ein Mann hat dort in der Nacht auf Sonntag in einem Club für Schwule und Lesben 49 Menschen getötet und 53 verletzt. Er wurde von der Polizei erschossen. Und wie reagiert man in den USA darauf? Nur wenige Tage nach dem Blutbad wird der Vorfall bereits gekonnt für den US-Wahlkampf instrumentalisiert. Und noch eine Frage taucht nun wieder auf: Wie ist der Täter an die Waffe gekommen? Und wer darf eigentlich in den USA nicht Waffen kaufen?

Vom Tatort zum Wahlkampfschauplatz

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat die Chance ergriffen und das Blutbad für seine Anti-Immigrations-Kampagne benutzt. Der 29-jährige Attentäter Omar Mateen hat einen Migrationshintergrund: Seine Eltern sind aus Afghanistan eingewandert. Anlass genug für Trump bereits am Montag eine flammende Rede zu halten: "Im Endeffekt ist der einzige Grund, warum der Killer überhaupt erst in Amerika war, der, dass wir seiner Familie erlaubt haben, hierher zu kommen", zitierten US-Medien den Milliardär. Und er wetterte weiter: "Das ist eine Tatsache, über die wir reden müssen. Wir haben ein dysfunktionales Immigrationssystem, das uns nicht erlaubt, zu wissen, wen wir in unser Land lassen und es erlaubt uns nicht, unsere Bürger anständig zu schützen." Die Rede unterstrich seine Forderung, Muslimen vorübergehend die Einreise in die USA zu verbieten.

»Im Endeffekt ist der einzige Grund, warum der Killer überhaupt erst in Amerika war, der, dass wir seiner Familie erlaubt haben, hierher zu kommen«

Auch US-Präsident Barack Obama wurde von Trump mit einigen Worten bedacht: Er wirft ihm vor, dass Obama den Sicherheitskräften, die Attentate wie diese verhindern sollten, nicht erlaubt, ihren Job zu machen. Weil Obama in seiner Rede nicht die Worte "radikaler Islamismus" verwendete, forderte er zudem seinen Rücktritt.

Trumps politische Gegnerin, Hillary Clinton, hat das Massaker in Orlando ebenfalls benutzt, um Wählerstimmen auf ihre Seite zu ziehen. Die "aufrührerische Anti-Muslime-Rhetorik" habe das Land weniger sicher gemacht, sagte sie laut "New York Times" in einer Rede am Montag. Das von Trump geforderte Einreiseverbot für Muslime bezeichnete sie als kontraproduktiv. "Amerika ist am stärksten, wenn wir alle daran glauben, dass wir Anteil haben an unserem Land und unserer Zukunft", teilte sie mit - und beschwor den Zusammenhalt nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001.

Tausende gedenken der Opfer

Weltweit gedenken tausende Menschen am Dienstag der Opfer. Unter anderem wurde der Eiffelturm in Paris in den Regenbogenfarben der Homosexuellenbewegung erleuchtet. Obama will am Donnerstag nach Orlando reisen, um den Anschlagsort zu besuchen.

  • Bild 1 von 8 © Bild: REUTERS/Phil Noble

    Gedenken an Opfer von Orlando

    Paris

  • Bild 2 von 8 © Bild: AFP PHOTO / LUDOVIC MARIN/APA

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    Paris

Sängerin Adeles rührender Auftritt:

Waffen für alle

Eine Frage interessierte erneut brennend: Woher hatte der Attentäter die Waffe? Kommt wirklich jeder so leicht an eine Waffe? Omar Mateen besorgte sich mit seinen Waffenscheinen ohne Probleme ein Sturmgewehr und eine Handfeuerwaffe - ganz legal im Waffen-"Supermarkt" St. Lucie Shooting Center. Mit dem Sturmgewehr hätte er den Laden laut geltendem Gesetz in Florida sofort verlassen können, wie der Sender "BBC" berichtete.

Das FBI ermittelte in der Vergangenheit zwei Mal gegen Mateen wegen potentieller Verbindungen zu Terroristen. Nachdem die Ermittlungen eingestellt worden sind, wurde Mateens Name von der Liste der Terrorverdächtigen gestrichen. Doch selbst wenn er noch auf der Liste gestanden wäre, hätte der Todesschütze die Waffen möglicherweise erhalten. Denn ein Gesetz, dass den Verkauf von Waffen oder die Ausstellung von Waffenscheinen verbietet, wenn jemand als Terrorverdächtiger gelistet wird, ist im Dezember 2015 vom US-Senat abgelehnt worden.

In Florida erleichtert folgende Bestimmung den Waffenkauf zusätzlich: Wenn eine Privatperson an eine andere Privatperson eine Waffe verkauft, so ist das legal und ein Hintergrund-Check - wie er im Waffengeschäft vorgeschrieben ist - fällt weg.

Eine Waffe erhält eine Person in Florida nur dann nicht, wenn:

  • Jemand wegen eines Schwerverbrechens, wie Mord oder schwere Körperverletzung, verurteilt worden ist.
  • Jemand wegen häuslicher Gewalt verurteilt worden ist oder eine einstweilige Verfügung vorliegt.
  • Jemand in einer psychiatrischen Anstalt eingesessen ist.
  • Ein Fehler passiert: So manchem Bewohner von Florida wird fälschlicherweise der Besitz einer Waffe verweigert, weil die Datenbank für den Hintergrund-Check fehleranfällig ist, wie ein Anwalt gegenüber "BBC" mitteilte. Das betrifft unter anderem Schreibfehler im Nahmen und falsche Gerichtsakten.

Kommentare

Ivoir
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Faktisch haben 90% der Nordamerikaner einen Migrationshintergrund. Auch Mr. Trump!

Oberon
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Richtig, denn die indigenen Völker, oder auch Indianer genannt, sind die echten amerikanischen Ureinwohner. Wenn's nach meinem Gerechtigkeitssinn gehen würde, dann hätten sie zu bestimmen, zumindest sollten sie gefragt werden. Denn - wer zuerst da war, hat das Bestimmungsrecht. Gleiches wünsche ich mir aber auch für Österreich. :-)

Man kann die Wahrheit sagen oder die Augen verschließen.

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