Organtransplantationen heute alltäglich: Langer Weg bis zum endgültigen Erfolg

Mediziner arbeiten seit Jahrhunderten an Technik Erste Nierentransplantation an einem Hund geglückt

Tausenden Menschen in Österreich konnte bereits durch Organtransplantationen geholfen werden. Was der Medizin seit den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gelungen ist, stellt einen der größten Fortschritte in der Heilkunde dar. Die ersten Versuche dazu gab es schon in den vergangenen Jahrhunderten:

- Die ersten Versuche von Gewebsersatz beim Menschen stammten aus dem 17. Jahrhundert, als man sich an Hauttransplantationen versuchte. Das Gewebe stammte zu dieser Zeit vorwiegend von Hunden, Hühnern oder Rindern. Im 18. und dem späten 19. Jahrhundert wurde zum Beispiel Schilddrüsengewebe transplantiert. Erfolge gab es keine, doch schließlich gelang es immerhin, Organe auch außerhalb des Körpers zumindest zeitweise am Leben zu erhalten - eine Voraussetzung für die Transplantationsmedizin.

- Die Voraussetzung für die Weiterentwicklung waren die Fortschritte in der Gefäßmedizin zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die erste experimentelle Nierentransplantation wurde vom Wiener Wissenschafter Emerich Ullmann (1861-1937) im Jahre 1902 bei einem Hund durchgeführt. Er transplantierte die Niere in den Bereich des Nackens und führte den Harnleiter des Transplantates durch die Haut, um so die Harnproduktion überprüfen und dokumentieren zu können. Die Urinproduktion hielt sich über fünf Tage. Im selben Jahr präsentierte Ullmann eine Ziege mit einer Hundeniere. Auch dieses Organ produzierte Harn, hielt aber nur einen Tag. Der in den USA arbeitende Forscher Alexis Carrel (1875 bis 1944) transplantierte nicht nur Nieren, sondern auch Hundebeine. Er bekam 1912 den Nobelpreis.

- Eine erste Nierentransplantation gelang im Jahr 1947 dem US-Mediziner David M. Hume in Boston. Doch das Organ wurde bereits nach einem Tag abgestoßen.

- 1954 erfolgte schließlich die erste erfolgreiche Nierentransplantation. Spender und Empfänger waren eineiige Zwillinge. Der Empfänger lebte später in völliger Gesundheit. Damit wurde aber auch klar, dass bei nicht derart verwandten Spendern eine Unterdrückung der Abstoßungsreaktion notwendig war.

- Der Durchbruch kam schließlich mit der Entwicklung der modernen Immunologie: Ab 1942 erforschte der britische Zoologe Sir Brian Medawar (Nobelpreis: 1960) die Grundlagen der Gewebeunverträglichkeit, 1952 Jean Dausset den menschlichen Histokompatibilitätskomplex, der die Grundlage für die Gewebetypisierung bei Spender und Empfänger darstellt. Zunächst wurde versucht, die Abstoßungsreaktion durch Ganzkörperbestrahlung zu verhindern. Dann wurden hoch dosiertes Cortison und Azathioprim eingesetzt.

- 1963 versuchte der US-Pionier Thomas Starzl erstmals eine Lebertransplantation bei einem Kind. 1966 wurde erstmals von Richard Lillehei in Minneapolis (USA) eine Bauchspeicheldrüse transplantiert.

- Wegen seiner "mystischen" Bedeutung für den Menschen machte aber das Herz als Spenderorgan die größten Schlagzeilen. Hier war es der Südafrikaner Christiaan Nethling Barnard, der den ersten erfolgreichen Eingriff am 3. Dezember 1967 in Kapstadt durchführte. Das dem 54-jährigen Louis Washkansky implantierte Herz einer 24-jährigen Frau, die bei einem Verkehrsunfall getötet worden war, begann nach der Reperfusion zu schlagen. Doch wirklich Routine wurden die Organtransplantationen erst mit der durch das Novartis-Medikament Cyclosporin A verbesserten Möglichkeit zur Unterdrückung der Organabstoßung Anfang der 80er Jahre.

(apa/red)