ORF-Wahl endet mit Sieg für Wrabetz: Neuer Chef "froh über breites Vertrauen"

Erste Vorstellungen zu neuem Direktoren-Team Bestellung des neuen Teams noch im September

Von einem "überwältigenden Augenblick" sprach der neue ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz (46) nach seiner Wahl zum ORF-Chef. "Ich bin froh über dieses sehr breite Vertrauen." Wrabetz wurde von 11 SPÖ- und vier BZÖ-Stiftungsräten, dem FPÖ-Vertreter Peter Fichtenbauer, dem Grünen Pius Strobl und dem unabhängigen Betriebsrat Gottfried Graf gewählt. Darüber hinaus stimmten auch die zwei ÖVP-nahen Betriebsräte Heinz Fiedler und Roland Schmidl für den derzeitigen ORF-Finanzchef.

Wrabetz sprach sich für eine rasche Bestellung des Direktorenteams aus und nannte als Zeitpunkt "Mitte bis Ende September" - noch vor der Nationalratswahl.

Als nächstes wolle Wrabetz zur noch amtierenden ORF-Chefin Monika Lindner gehen und ihr für die Zusammenarbeit danken. Lindner erhielt bei der Wahl 12 ÖVP-Stimmen. Wolfgang Lorenz, für den der unabhängige Franz Küberl und der VP-"Dissident" Andreas Braun votiert hatten und der unter Wrabetz neuer Programmchef werden soll, meinte nach der Abstimmung: "Sie sehen mich vergnügt. Ich bin sehr zufrieden."

Dank an die Vorgänger
Um 19.08 Uhr hat sich Wrabetz bei einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit und seinen künftigen Mitarbeitern präsentiert. Die Worte des Generals in spe wurden via hausinternem so genannten "Wurstsemmelkanal" übertragen. Der obligatorische Sieges-Dank des "Neuen" galt zweien seiner Vorgänger, nämlich Gerhard Weis, der ihn seinerzeit in die Generaldirektion des ORF holte, und Monika Lindner, "weil sie für mich eine tolle Chefin war, der ich allen Respekt zolle."

Auch nach der Wahl kündigte Wrabetz rasche Erneuerungen und Verbesserungen in der Information und im Programm an. Erneut sprach er sich für eine "vollständige Neugestaltung" der Zeitzone 19.30 bis 20.15 Uhr aus. Die Durchschaltung der "Zeit im Bild" sei dabei für ihn kein Dogma. Sicherlich werde es auch zu einer Dezentralisierung kommen - "eine zentrale Informationshauptabteilung wird es nach meinen Vorstellungen in der jetzigen Form nicht mehr geben", außerdem sollen dezentrale Sendungsverantwortliche für ZIB 1 und 2 installiert werden.

Für das Unternehmen erwartet Wrabetz einen internen Ruck und einen Erneuerungsschub, bei dem "alle mitmachen". Als vierten Punkt seiner Aufgabenliste nannte er die Neudefinition der Mission des ORF. Die "Hofübergabe" von Lindner an ihren Nachfolger werde planmäßig am 1. Jänner 2007 erfolgen, ab Montag beginne allerdings die Übergangsfrist, erklärte der Stiftungsratsvorsitzende Klaus Pekarek. Nach einstimmiger Willenserklärung des Stiftungsrates sollten in dieser Zeit, wichtige Entscheidungen Lindners mit ihrem Nachfolger abgestimmt werden.

Nun gelte es, laut Wrabetz, unverzüglich die Ausschreibung für die Posten der Direktoren vorzunehmen. Ihre Wahl soll am 21. September erfolgen. Wrabetz hatte ja im Hearing bereits Namen genannt - "sich nicht zu äußern hätte ich für eine nicht notwendige Geheimnistuerei gehalten". Es habe bereits Gespräche mit den Kandidaten gegeben - fixe Zusagen gäbe es aber noch keine - zumal "manche bis vor wenigen Stunden noch heftige Konkurrenten waren", meinte er in Richtung Wolfgang Lorenz, den er als Programmdirektor vorsieht. Auf die Frage, ob es in seinem Team auch einen Generalsekretär gäbe, meinte Wrabetz, das werde er entscheiden, wenn die Direktoren stehen.

Den Nachfolger für seinen bisherigen Posten des Kaufmännischen Direktors hatte sich der designierte Generaldirektor bisher offen gelassen - es soll vielleicht eine Frau werden, sicher aber ein "Topprofi". Auf die Frage: "Aus dem Haus?" meinte er: "Das schließe ich nicht aus." Die übrigen Kandidaten sollen dem Vernehmen nach ORF-Sportchef Elmar Oberhauser als Informationsdirektor sein, der Kärntner Programmchef Willy Haslitzer ist als Hörfunkdirektor vorgesehen. Technischer Direktor soll Peter Moosmann werden, Onlinedirektor ORF-Marketingchef Thomas Prantner. Auf die Frage, ob er diese Liste als "Dreamteam" bezeichnen würde, wie vor fünf Jahren Monika Lindner ihr Team tituliert hatte, meinte Wrabetz: Da müsse man ein anderes Wording finden, aber in jedem Fall "sind das hervorragende Leute". Ein Paar Namen seien "auch hier in der Runde (anwesend waren Journalisten und ORF-Mitarbeiter) absolut unumstritten, bei anderen sage ich jetzt mal: da sollte man nicht so wienerisch denken".

(apa/red)