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Eine Frau muss her

Alexander Wrabetz sucht eine Frau für sein Team. Kathrin Zechner hat gute Karten

orf-wahl - Eine Frau muss her © Bild: APA/Schlager

Die Mehrheit für seine Wiederwahl hat Alexander Wrabetz schon in der Tasche, was dem ORF-Generaldirektor noch fehlt, ist eine Frau für die TV-Direktion. Am 15. September wird der Stiftungsrat über Wrabetz' Direktorium abstimmen, in Sachen neuer Fernsehdirektorin hielt sich der ORF-Chef zuletzt bedeckt. Alle Signale deuten aber daraufhin, dass die gesuchte Frau nicht aus dem Haus kommen soll. Die ÖVP könnte etwa mit EBU-Chefin Ingrid Deltenre, die jedoch jegliches Interesse dementiert, oder der WDR-Fernsehdirektorin Verena Kulenkampff gut leben, mit der Wrabetz Gespräche führen soll. Als heißer Tipp gilt aber auch Kathrin Zechner, Intendantin der Vereinigten Bühnen Wien.

Zechner war bereits von 1995 bis 2002 Programmintendantin des ORF. Aus dieser Zeit kennt sie Alexander Wrabetz, mit dem sie im Direktorium von Generalintendant Gerhard Weis zusammenarbeitete. "Madame 100.000 Volt", wie Zechner auch genannt wird, wurde am 17. Mai 1963 in Graz geboren, maturierte mit Auszeichnung, studierte Jus, organisierte Konferenzen und arbeitete von 1986 bis 1991 als freie Mitarbeiterin beim ORF. Mit Gerhard Zeilers Hilfe wurde sie mit 28 Jahren Unterhaltungschefin beim Münchner Sender tele 5 und anschließend Programm-Managerin bei Endemol. Mit 31 Jahren holte Zeiler sie als Programmintendantin nach Wien zurück.

Society-geübte Programm-Macherin
Die quirlige "Kathi" wurde im Lauf ihrer ORF-Karriere auch zu einem Fixstern in der heimischen Societyszene und tauchte mit ihrer umfangreichen Garderobe immer wieder auf den Modeseiten der Illustrierten auf. Mit Schauspieler Erwin Steinhauer hat sie den gemeinsamen Sohn Stanislaus. Programmlich konzentrierte sich Zechner vor allem auf die junge Zielgruppe und rückte den damals leicht angestaubten ORF näher an deutsche Privatsender heran. Als im deutschen Privat-TV mit "Big Brother" der Reality-Hype begann, gab Zechner mit "Taxi Orange" eine beim Publikum erfolgreiche österreichische Antwort. In Reaktion auf die boomenden Talk-Formate führte sie auch im ORF mit "Barbara Karlich" eine tägliche, zu Beginn heiß umstrittene Talkshow ein. Auf ihre Kappe geht außerdem die Österreich-Einführung der "Millionenshow".

Nach Zeilers Abgang wurde Zechner, die von Medien als SP-nah gehandelt wurde, 1998 von Gerhard Weis als Programmchefin des ORF-Fernsehens bestätigt, erst unter Monika Lindner wurde sie von Reinhard Scolik abgelöst. Seit 2004 ist sie Intendantin der Vereinigten Bühnen Wien. Im Jahr 2009 wurde ihr Vertrag bis August 2013 verlängert. Auf APA-Anfrage, ob sie einen Wechsel auf den Küniglberg in Erwägung zieht, sagte Zechner dieser Tage nur: "Ich habe ein spannendes und erfülltes VBW Leben." Weiters ließ sie auf ihre laufende Arbeit verweisen: "Intendantin Kathrin Zechner ist mitten in der Arbeit zu Vorbereitungen für die Premiere von 'Tanz der Vampire' in St. Petersburg und 'Rebecca' in Stuttgart. Im Herbst feiert sie Premiere mit 'Sister Act' und 'Woyzeck & The Tiger Lillies' und gleichzeitig wird natürlich am zukünftigen Spielplan gearbeitet." Wie ein klares Dementi klang das nicht, die TV-Direktion wäre ohnehin erst ab 2012 vakant.

Deltenre winkt ab
Als weitere Kandidatin für den hochrangigen Posten wurde zuletzt auch Ingrid Deltenre kolportiert, langjährige TV-Direktorin des Schweizer Fernsehens und derzeitige EBU-Chefin. Auf APA-Anfrage ließ sie - wie schon im Juli - jedes Interesse an einem Jobwechsel dementieren. "Frau Deltenre geht derzeit völlig in ihren Verpflichtungen als EBU-Generaldirektorin auf, und kommt daher für diesen Job nicht als verfügbare Kandidatin infrage."

Verena Kulenkampff, die ebenfalls als potenzielle ORF-Fernsehdirektorin genannt wurde, übt diesen Job seit 2007 beim öffentlich-rechtlichen Westdeutschen Rundfunk aus und gilt dort als sehr erfolgreich. Vom WDR-Aufsichtsgremium wurde ihr Vertrag daher erst im Juni für zwei weitere Jahre bis Mai 2012 verlängert. Zuvor arbeitete Kulenkampff in unterschiedlichen Funktionen für den Norddeutschen Rundfunk. Im Juli lag ihr keine Anfrage über eine Verpflichtung beim ORF vor, ließ sie damals ausrichten. Eine neuerliche Anfrage der APA blieb dieser Tage zunächst unbeantwortet.