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Rainer Hazivar wird neuer
"Zeit im Bild"-Präsentator

47-Jähriger folgt am 1. Jänner 2014 Eugen Freund nach

Rainer Hazivar © Bild: APA/HBF/Dragan Tatic

Rainer Hazivar (47) wird ab Jänner gemeinsam mit Nadja Bernhard die "Zeit im Bild" um 19.30 Uhr moderieren. Nach einer etwas längeren Nachdenkphase und mehreren Castings hat sich die ORF-Führung einhellig und klar für Hazivar ausgesprochen. Dieser will sich in der neuen Funktion "im Vergleich zu meiner bisherigen Arbeit ein bisschen zurücknehmen", wie Hazivar im APA-Interview erklärte.

"Ich glaube, dass der Star die Sendung ist. Einer Million Menschen ins Wohnzimmer reinzuschauen ist etwas anderes, als ZiB2-Reportagen zu machen. Ich werde mich ein bisschen neu erfinden, aber ich bin immer noch ich." Columbo-artige Hintergründigkeit und dosierte Ironie werden Hazivar in seiner journalistischen Arbeit nachgesagt. Wie er es damit in der "Zeit im Bild" halten wird? "Hintergründig permanent und nach wie vor, die Ironie werde ich mir verkneifen."

"Vor allem Broukal fand ich immer gut"

Hazivar sieht seine neue Aufgabe als "klassischen Moderatoren-Job". Als Vorbilder nennt er seinen Vorgänger Eugen Freund und den früheren ZiB-Moderator Josef Broukal. "Vor allem Broukal fand ich immer gut." Die Moderation der ORF-Hauptnachrichtensendung gehöre jedenfalls zu den "wichtigsten und spannendsten Erfahrungen", die Fernsehen zu bieten habe. "Die 'Zeit im Bild' ist permanent im Nachrichtentakt und liefert einen Überblick, was auf der Welt und in Österreich geschehen ist. Das klingt nach leichter Übung, ist aber hohe Kunst."

Auf seine Modertorenkollegin Nadja Bernhard freut sich Hazivar bereits. "Von der bin ich restlos begeistert. Sie hat hohe journalistische Qualitäten, internationale Erfahrung und ist witzig. Ich habe 20 Jahre Innenpolitik- und auch Chronik-Erfahrung. Zusammen wird das schon was werden."

"Arbeitsbedingungen waren schon mal besser"

Dass die Entwicklung der "Zeit im Bild" nicht nur positiv laufe, wie der nun scheidende Eugen Freund kürzlich in einem Interview gemeint hatte, sieht Hazivar differenziert. "Dass man nach Verbesserungen sucht, ist nie falsch, ich bin aber auch nicht von der 'Früher war alles besser-Fraktion'. Man kann mit den Zuschauerzahlen der Zeit im Bild nach wie vor sehr zufrieden sein. Die Sendung ist gut. Richtig ist, dass die Arbeitsbedingungen wegen des aktuellen Sparkurses im Sender auch schon mal besser waren."

Dass die Politik, den ORF zum Sparen zwinge, damit in der Information möglichst wenige und junge unerfahrenere Leute arbeiten, sieht Hazivar nicht so. "Wie man an mir sieht, gibt es nicht nur junge Leute im ORF, aber die gibt es auch, und die machen ihre Arbeit sehr gut."

Dass es mit der Entscheidung für den neuen ZiB-Moderator etwas länger gedauert hat, störte Hazivar nicht. "Ich glaube, der ORF hatte ein paar andere Fragen auch noch zu klären, wenn man die letzten paar Wochen Revue passieren lässt. Das war halt eine davon, und es gab ja einen Moderator. Jetzt hat man es knapp, aber noch rechtzeitig entschieden."

Widerstand wegen kritischer Reportagen?

Dass es gegen seine Person Widerstand gegeben habe, weil kritische Reportagen und der Fakten-Check während des jüngsten Wahlkampf einigen Politikern sauer aufgestoßen seien, glaubt Hazivar nicht. "Also erstens sind wir hier alle kritische Journalisten, und wenn es ein anderer geworden wäre, hätte das für den genauso gegolten und er hätte unter den gleichen Prämissen arbeiten müssen."

Dass sich Politiker von Journalisten zu viel gefallen lassen müssen und erst einmal alles verrissen wird, findet Hazivar nicht. In Deutschland gab es zuletzt um dieses Thema und ein entgleistes ZDF-Interview mit SPD-Chef Sigmar Gabriel intensive Diskussionen, in Österreich zeigte sich erst Freitagabend ein ob kritischer Fragen pikierter und verärgerter Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) im "ZiB2"-Interview. Hazivar: "Kritische Interviews wie mit Gabriel oder mit Faymann, wo man sich wechselseitig nichts schenkt, sollten selbstverständlich sein. Wichtig ist, dass alle ausreden können und solche Interviews kein Nachspiel haben."

"Auch Journalisten haben Meinungen"

Mit der Kritik, dass ORF-Journalisten in sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg halten und mitunter im Konflikt mit dem Objektivitätsgebot stünden, kann Hazivar übrigens nichts anfangen. "Auch Journalisten haben Meinungen, und sie sind nicht von 0.00 bis 24.00 Uhr im Dienst. Insgesamt braucht sich da niemand auf den Schlips getreten fühlen." Hazivar selbst ist auf Twitter bisher nur passiv unterwegs und nutzt den Kurznachrichtendienst als Quelle zum Mitlesen. Ob er dort künftig wie andere ZiB-Moderatoren aktiv und mit Klarnamen auftritt? "Da werde ich nochmal in mich gehen und mit Armin Wolf reden."

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