ORF-Korrespondenten in Bedrängnis:
Militär rettet Reporter vor Schlägertrupp

Kairo: Mubarak-Anhänger wollten in Büro eindringen Auch Kurier-Reporterin von einem Mob angegriffen

ORF-Korrespondenten in Bedrängnis:
Militär rettet Reporter vor Schlägertrupp © Bild: ORF

Die Lage in Kairo ist auch für die österreichischen Journalisten vor Ort weiter kritisch geworden. Wie ORF-Korrespondent Karim El-Gawhary der APA schilderte, haben Mubarak-Anhänger das Gebäude der Produktionsfirma, in die der ORF eingemietet ist, angegriffen. "Ein Trupp von zehn Schlägern hat versucht, einzudringen, das Militär ist aber eingeschritten." Die Studios seien noch kurz vor einem Live-Einstieg zu Mittag mit Stangen und Feuerlöschern verteidigt worden, berichtete El-Gawhary.

Es sei für die Reporter generell fast unmöglich, auf den Tahrir-Platz vorzudringen, wo sich die Regime-Gegner versammelt haben. "Die Innenstadt wird von Schlägern kontrolliert, die gezielt nach Journalisten suchen", sagte der ORF-Korrespondent. In der Nacht auf Donnerstag sei eine Mitarbeiterin des ORF-Büros attackiert worden, weil sie ein Stativ trug und so als Journalistin zu erkennen gewesen sei. El-Gawhary selbst entging einer Konfrontation nach eigenen Angaben deshalb, weil er einen ägyptischen Personalausweis vorweisen konnte und so nicht als ausländischer Reporter erkannt wurde.

Das ORF-Team hat nun die Scheiben des Büros mit Zeitungspapier abgeklebt, um zu verhindern, dass Schlägertrupps die redaktionelle Arbeit beobachten und erneute Angriffe starten. Wie lange man noch aus Kairo berichten könne, hänge von den weiteren Entwicklungen ab, sagte El-Gawhary. Die Nacht werde man wahrscheinlich im Büro verbringen, da das Hilton-Hotel, in dem das Team untergebracht war, von Mubarak-Anhängern gestürmt worden sei. Offenbar waren diese auf der Suche nach Journalisten. "Da können wir naturgemäß auch nicht mehr hin."

El-Gawhary sprach von "blankem Chaos" in der Stadt. "Wir müssen von Stunde zu Stunde weiterschauen und Überblick bewahren, wie es weitergeht. Ich weiß gar nicht, ob wir wegkämen, wenn wir wollten."

Zumindest die Kommunikation ist weitgehend wieder hergestellt: Festnetzleitungen und Handy seien wieder aufgedreht, seit Mittwoch gebe es auch wieder Internet, sagte El-Gawhary, der seine Erlebnisse auch auf Social Networks berichtet.

Jetzt kommt Fritz Orter
Die kurzzeitig festgenommene Nadja Bernhard wird nach Wien zurückfliegen, dafür reist Krisenreporter Fritz Orter an. Für ORF-TV-Chefredakteur Fritz Dittlbacher gilt "als Maxime die Sicherheit der Mitarbeiter", wie er zur APA sagte. Man habe ausschließlich Journalisten mit ausreichend Erfahrung in Krisengebieten in Ägypten stationiert. "Die haben genügend Know-how, wie sie auf sich aufpassen." Sehr hilfreich sei jedenfalls die Zusammenarbeit mit der österreichischen Botschaft, die den Kollegen mit Unterstützung zur Seite stehe.

Attackiert wurde auch "Kurier"-Reporterin Livia Klingl. Sie berichtete von Angriffen eines Mobs. Man habe ihr vorübergehend den Pass abgenommen und sie beschimpft. Erst als Soldaten dazugekommen seien, habe sich die Lage beruhigt.

(apa/red)

Kommentare

melden

Wieso, schicken wir überhaupt Reporter da runter? Natürlich tragische Geschichten,

Nur wenn man in ein Gebiet fliegt wo Krieg bzw. Aufstand herrscht darf man dann auch nicht erwarten, das die wie Urlauber behandelt werden.

Mein Verständiss bzw. Mitgefühl hält sich somit in Grenzen.

melden

Re: Wieso, schicken wir überhaupt Reporter da runter? Nun ja, nachdem eine Vielzahl der Österreicher doch an einer für Österreichische Verhältnisse "objektiven" Berichterstattung interessiert ist und durch diese Korrespondenten die Lage vor Ort auch besser eingeschätzt werden kann, als über fremde Medien, sind diese Einsätze meines Erachtens gerechtfertigt.
Meinen Sie nicht, dass der Aufschrei enorm wäre, würde man die Bilder von Al Jazeera z.B. 1 zu 1 übernehmen? Ich mein, mir wär\'s wurscht, aber ich kann mir gut vorstellen, dass einige islamophobe Mitbürger damit eher weniger Freude hätten und diese Berichterstattungen als zu "unobjektiv" betrachten würden.

napy melden

XY für die Kohle die diese reporter verdienen ; kein Mitleid.

melden

Re: XY Grenzdebiles Idiotenposting.

melden

Re: XY grenzdebil, genau so ist es....zumal Karim El-Gawhary einer der besten Auslanskorrespondenten ist, den der ORF zu bieten hat. Einer der nur noch wenig vorhandenen Lichtblicke im ORF und Grund überhaupt noch ORF -Gebühren zu bezahlen zu wollen.

Seite 1 von 1