"ORF geriet unter die Knute der Politik": Ex-RTL-Chefredakteur Mahr im NEWS-Interview

Abrechnung: "Dramatischer Glaubwürdigkeitsverlust" Plus: Meischberger fordert in NEWS Lindner-Alternative

In einem Interview in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins NEWS solidarisiert sich der Medienmanager Hans Mahr mit sos-orf: "Das ist eine hervorragende Aktion. Denn wenn die Politik den ORF gängelt und an der Entwicklung hindert, müssen eben die Bürger helfen. Der ORF verliert ja dramatisch an Glaubwürdigkeit. Die Freiheit der Redaktion muss gesichert werden."

Herbe Kritik übt der "Medienlegionär" an der ORF-Information unter Chefredakteur Werner Mück: "Einflussnahme auf den ORF hat es auch unter Bacher und Zeiler gegeben. Damals schaute der ORF auf ARD und ZDF hinunter, weil er unabhängiger war. Heute ist es leider umgekehrt: Die Deutschen sind freier. Der ORF geriet immer mehr unter die Knute der Politik. Will man als Auslandsösterreicher über das Auseinanderbrechen der FPÖ und die Regierungskrise etwas sehen, findet man im ORF fast nichts. Beim Bawag-Skandal geht es plötzlich. Ohne zu werten, frage ich mich, warum das wohl so ist?"

Aber auch das Verhältnis von Generaldirektorin Monika Lindner zu Kanzler Schüssel kritisiert Mahr. Er habe bei RTL klare Spielregeln vereinbart: "Keine Auftritte bei und für wahlwerbende Parteien, neutrale Positionierung. Wenn die Generaldirektorin applaudierend beim Kanzler in der zweiten Reihe sitzt, hat das kaum Vorbildwirkung."

Zu den Forderungen der ORF-Redakteure nach einer inneren Strukturreform hat Mahr differenzierte Ansichten: "Ein Chefredakteur macht Sinn. Ich war das bei RTL auch. Aber ich habe Eigenständigkeit, Wettstreit der Ideen und Widerrede gefördert - als Garantie gegen journalistischen Einheitsbrei. Koordination kann nicht heißen, alles über einen Kamm zu scheren."

Angesprochen auf Gerüchte, er selbst könnte demnächst als Lindner-Nachfolger kandidieren, erklärt Mahr: "Mich hat niemand gefragt. Ich bin ziemlich sicher, dass das insgesamt schon politisch fixiert ist. Also stellt sich diese Frage nicht."

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