ORF schlittert in eine tiefe Führungskrise:
Oberhauser und Strobl sagen Sender Adieu

11. November: Stiftungsrat wählt Infodirektor ab Clinch mit ORF-Generaldirektor Wrabetz im Vorfeld

ORF schlittert in eine tiefe Führungskrise:
Oberhauser und Strobl sagen Sender Adieu © Bild: APA/NEWS.at

Nach einem wochenlangen Streit mit seinem Chef, ORF-General Alexander Wrabetz, wird Informationsdirektor Elmar Oberhauser am 11. November vom obersten Aufsichtsgremium des öffentlich-rechtlichen Senders abgewählt. Wrabetz hatte einen Abwahlantrag gegen Oberhauser gestellt, nachdem dieser in einem ORF-internen Mail die Bestellung von Fritz Dittlbacher zum TV-Chefredakteur kritisiert und SPÖ-Einflussnahme rund um die Personalentscheidung geortet hatte. Nur wenige Tage später sollte Wrabetz auch noch seinen Kommunikationschef Pius Strobl verlieren.

Wrabetz sah ob dem E-Mail das Vertrauensverhältnis der beiden ORF-Manager gestört. Im 35-köpfigen ORF-Stiftungsrat sollten 18 Vertreter für die Abwahl des Informationsdirektors stimmen, sechs enthalten sich des Votums, 11 Stiftungsräte gaben Oberhauser Rückendeckung und sprachen sich gegen die Ablöse aus.

SPÖ, Grüne und Betriebsräte stimmen gegen Infochef
Die Stimmen für die Abwahl von Oberhauser kommen von Stiftungsräten der SPÖ, der Grünen sowie zwei unabhängigen Betriebsräten. Elf Vertreter des ÖVP-"Freundeskreises" votieren gegen die Ablöse des Infochefs. Enthaltungen kommen von den beiden FPÖ/FPK-Vertretern, BZÖ, den unabhängigen Stiftungsräten Alexander Hartig und Franz Küberl sowie der dem ÖVP-"Freundeskreis" angehörenden Gebriele Zuna-Kratky. Mit 18 Stimmen für den Abwahlantrag wird die notwendige Mehrheit in dem 35-köpfigen Aufsichtsgremium erzielt.

Vor der Abstimmung wurde Oberhauser vom ORF-Stiftungsrat angehört und hielt dort eine "sachliche Rede" ohne Abrechnung, wie zu hören war. Der Infochef habe von etlichen Politikerwünschen berichtet, die von ihm jedoch allesamt abgeschmettert worden seien, und er bekundete seine Bereitschaft zur Weiterarbeit als Direktor oder in anderer Position, hieß es nach dem Oberhauser-Auftritt.

Nach langen Debatten zwischen Stiftungsräten und Wrabetz wurde Oberhauser später nochmals in den Stiftungsrat gebeten und dort mit der Frage konfrontiert, ob er bereit sei, sich für sein Verhalten zu entschuldigen. Oberhauser lehnt ab.

Auch Strobl sagt Adieu
Oberhausers Agenden übernimmt Wrabetz selbst - ebenso wie jene von Technik-Direktor Peter Moosmann, der wenige Tage später nach langer Krankheit stirbt. Und am 19. November macht schließlich auch noch ORF-Kommunikationschef Pius Strobl einen Abgang, nachdem eine seiner Mitarbeiterinnen Gespräche von Direktoren mit Journalisten aufgenommen hatte und der frühere Grünen-Stiftungsrat so in den Fokus auch hausinterner Kritik geriet. "Ich bin sehr traurig", gesteht Strobl bei einer Abschiedspressekonferenz. Um Strobls Agenen im Kommunikations- und Marketingbereich werde sich nun vorübergehend Wrabetz' Bürochef Martin Biedermann kümmern, Leiter der Pressestelle bleibt Rainer Scheuer.

(apa/red)