ORF-Chef Wrabetz tritt lauter werdender Kritik entgegen: "Das Ergebnis ist wichtig"

"Keine Grabenkämpfe" in der ORF-Geschäftsführung <b>IHRE MEINUNG:</b> Was sagen Sie zur ORF-Misere?

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz tritt Kritik am Vorgehen bei der Einstellung des umstrittenen Talk-Formats "Extrazimmer" entgegen. "Ich bin der Alleingeschäftsführer und werde schließlich für jede Entwicklung des ORF verantwortlich gemacht", sagte Wrabetz der APA. Der ORF-Chef ist nach wie vor überzeugt, dass die Entscheidungsabläufe richtig waren.

"Die einen sagen, ich habe es zu spät abgesetzt, die anderen sagen, ich habe es zu früh abgesetzt - das Ergebnis ist wichtig. Wenn ich meine Verantwortung wahrnehme und entscheide, wo natürlich andere schon vorher hätten entscheiden können, wird das eigenartigerweise von jenen kritisiert, die zuvor lautstark Entscheidungen fordern. Damit muss ich als Manager und Letztverantwortlicher leben, und es ist Teil meines Jobs, auch mit ungerechtfertigter Kritik umzugehen."

"Nicht zerstritten"
Dass die ORF-Führung derzeit nach außen ein zerstrittenes Bild abgebe, sieht Wrabetz keineswegs so. "Es gibt keine Grabenkämpfe oder sonstigen Kämpfe. Wir arbeiten am Produkt. Dass man dabei nicht in allen Punkten einer Meinung sein kann, ist ganz normal. Das alles geschieht in einer konstruktiven und offenen Atmosphäre", so der ORF-Chef. Es sei jedenfalls "absurd" zu glauben, dass es wegen des Sendeplatzes für das Spätabend-Talk-Format eine Auseinandersetzung zwischen Programmdirektor Wolfgang Lorenz und Informationsdirektor Elmar Oberhauser gegeben hätte.

Dass Oberhauser in einem ORF-internen Mail an Wrabetz, das der "Kleinen Zeitung" zugespielt wurde, über die mangelnde Einbindung in Entscheidungsprozesse beklagt habe, nimmt der Generaldirektor gelassen. "In internen Mails darf man offene Worte finden und Missverständnisse aufklären." Wer das Schreiben nach außen lanciert habe, wisse er nicht und er setze darauf auch sicher keine Detektive an. Auch die Verstimmung des Programmdirektors ändere nichts an seiner Vertrauensbasis zu Lorenz. "Die neue ORF-Geschäftsführung trifft seit etwa 200 Tagen täglich zahlreiche Entscheidungen. 95 Prozent davon fallen im Einvernehmen und ein paar gibt es eben, wo der andere nicht ganz zufrieden ist. Das ist im Geschäftsleben völlig normal."

Kritik an Strobl "nicht nachvollziebar"
Kritik an seinem Kommunikationschef Pius Strobl kann Wrabetz nicht nachvollziehen. Oberhausers im zitierten Mail geäußerter Vorwurf der "Umgehung von Hierarchien und Kompetenzen" bezog sich auf den Wrabetz-Vertrauten. Auch der Stiftungsrat Karl Krammer berichtete von "Gerüchten", wonach ohne Konsultation zuständiger Direktoren direkt in Hauptabteilungen eingegriffen worden sei. "Mir ist kein einziger Fall bekannt", meinte der ORF-Chef dazu. "Strobl hat keine Anordnungen betreffend Sendungsentwicklungen getroffen. Wenn er Mitteilungen von Entscheidungen von mir macht, tut er das in meinem Auftrag", so Wrabetz. Entsprechende Missverständnisse seien inzwischen aber geklärt und aus der Welt geräumt. (apa)