Ordentliches Körbergeld für die Banken? Inlandsüberweisung dauert bis zu 6,6 Tage

VKI: "Verdacht, dass das System Methode hat"

Ordentliches Körbergeld für die Banken? Inlandsüberweisung dauert bis zu 6,6 Tage

Österreichs Banken lassen sich Zeit bei Inlandsüberweisungen: Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat neun heimische Geldinstitute auf die rasche Abwicklung hin getestet. Das Ergebnis: Im Schnitt braucht eine Online-Überweisung in Österreich 2,19 Tage, Zahlschein-Überweisungen dauern 3,27 Tage. Nach Schätzungen des VKI verdienen sich die heimischen Geldinstitute dadurch jährlich ein "Körberlgeld" von rund 20 Mio. Euro.

Negativer Spitzenreiter im Test ist die Oberbank mit einer benötigten Überweisungsdauer von 6,6 Tagen (Zahlschein), also vom Moment der Aufgabe der Überweisung bis zum Moment der Gutschrift. Bei Online-Überweisungen lag die Bank mit 2,4 Tagen im Mittelfeld. Am schnellsten führte die BAWAG P.S.K. Zahlschein-Überweisungen durch. Innerhalb von 3,6 Tagen war das Geld auf dem Empfängerkonto gutschrieben, online dauert es 1,9 Tage. Bei der Untersuchung der Banken haben die Konsumentenschützer keine Unterschiede zwischen Stadt und Land festgestellt.

Durchschnittlich 2,65 Tage sind die Kundengelder von der Überweisung bis zur Wertstellung aufs Konto unterwegs, erklärte VKI-Geschäftsführer Franz Floss am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien. Wenn man die Gesamtlaufzeit des Geldtransfers heranziehe - von der Erteilung des Auftrages bis zur Gutschrift am Empfängerkonto - erstrecke sich der Zeitraum auf durchschnittlich 5 Tage bei Belegüberweisungen, für Online-Aufträge brauchen die Banken im Schnitt immer noch 3 Tage.

Trotz technologischer Aufrüstung habe sich das Tempo von Geldtransfers seit dem Jahr 2000 nur marginal beschleunigt, so Floss. In sieben Jahren sei nur eine Verbesserung von maximal 10 Prozent eingetreten. Die "Eile mit Weile" von der Abbuchung bis zur Gutschreibung auf dem Kundenkonto sei zudem "sicher nicht zum Schaden der Banken", betonte der Konsumentenschützer. "Es drängt sich der Verdacht auf, dass das System Methode hat", so auch Bernd Lausecker, Finanzexperte beim VKI.

Zudem würden die Banken Online-Überweisungen forcieren. So habe etwa die BAWAG P.S.K. keine Zahlscheinboxen mehr aufgestellt, sondern biete nur mehr Online-Terminals in ihren Geschäftsstellen an.

Lob kam vom VKI in diesem Zusammenhang für die österreichische Post. Im Vergleich zur Dauer von Banküberweisungen innerhalb Österreichs sei die Betitelung "Schneckenpost" eine Diskriminierung der heimischen Postdienste. Diese würden nämlich Briefe mittlerweile innerhalb eines Tages ausliefern.

Vertragsfreiheit über Dauer
Derzeit herrsche hinsichtlich der Dauer von Überweisungen Vertragsfreiheit, so der VKI-Geschäftsführer. Mit der Verabschiedung der neuen EU-Richtlinie zum grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr muss sich das bis zum Jahr 2010 ändern. Dann sollen solche Transaktionen innerhalb von zwei Tagen abgewickelt werden. Ab 2012 sollen Überweisungen in einem Tag über die Bühne gehen. Derzeit gilt beim grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr eine Maximaldauer von 5 Tagen, sagte er.

Die EU-Mitgliedstaaten sind aufgefordert, das EU-Gesetz so bald wie möglich und spätestens bis zum 1. November 2009 in nationales Recht umzusetzen.

Insgesamt 354 Testüberweisungen hat das VKI-Magazin "Konsument" bei den heimischen Banken, der Bank Austria (BA-CA), BAWAG P.S.K, easybank, Erste Bank, Raiffeisenbank NÖ-Wien, Hypo NÖ, Volksbank Wien, Oberbank und ING DiBa unternommen. Die Konsumentenschützer haben 205 Online-Aufträge durchgeführt und 149 Zahlschein-Überweisungen, die entweder beim Schalter oder in die jeweiligen Boxen des Institute deponiert werden. (apa)