Opfergaben für die Toten: Kerzen haben gerade zu Allerheiligen zentrale Bedeutung

Flackern symbolisiert die Verletzlichkeit des Lebens Urpsrung des Feietags liegt im vierten Jahrhundert

Ein rotes Lichtermeer erhellt die Friedhöfe jedes Jahr zu Allerheiligen. Wenn es um den Tod geht, spielt Licht in der christlichen Tradition eine große Rolle. "Als stärkster Kontrast zur Trauerfarbe Schwarz, ist vor allem die Kerzen ein Symbol für die Hoffnung auf ein Leben danach", erklärt der Kurator des Wiener Bestattungsmuseums, Wittigo Keller.

Die Kerze könne zu diesem katholischen Hochfest auch als eine Art Opfergabe gesehen werden, die man aus Respekt vor den Toten anzündet, so Keller. Elektrisches Licht hat bis heute das Wachslicht nicht verdrängt: "Batteriekerzen sind nicht ideal, was die Brenndauer betrifft. Außerdem berührt das Flackern einer Kerze aus Wachs stärker die Emotionen und bringt Wehmütigkeit besser zum Ausdruck." Darüber hinaus symbolisiere das fragile Flackern die Angreifbarkeit und Verletzbarkeit des Lebens.

Wechsel und Dämmerzustand
Der rote Schein der Wachslichter, die idealerweise als Symbol für die Auferstehung an der Osterkerze entflammt werden, deute laut Keller auf einen "Wechsel und Dämmerzustand" hin. Das Spektrum der Farben bewege sich zwischen Weiß und Schwarz - in der Mitte stehe Rot, das nach Farbsymbolik somit den Übergang zwischen Helligkeit und Dunkel, also Leben und Tod, darstelle. Weißes Licht stehe im westlichen Kulturkreis für "Befreiung und die Möglichkeit einer Lösung" und habe starke sakrale Bedeutung. Im asiatischen Raum ist Weiß wiederum die Farbe der Trauer.

Keltischer Winterbeginn
Das Fest Allerheiligen wird in allen Kulturkreisen, die es zelebrieren, Anfang November begangen. Grund dafür könnte sein, dass es mit dem keltischen Winterbeginn am ersten November zusammenfällt. "Hier geht es vermutlich um die symbolische Bedeutung des 'Herbst des Lebens', der dem Tod voraus geht", meinte auch Pfarrer Kurt Lampl gegenüber der APA. Der Steirer ist Priester in der Gemeinde Allerheiligen bei Wildon, für die der Festtag eine doppelte Bedeutung hat, feiert die dortige Pfarre doch gleichzeitig auch ihren Namenstag. Der Geistliche kann an diesem Festtag immer besonders viele Menschen in seiner Kirche begrüßen. Allerheiligen wird in Allerheiligen bei Wildon "gedämpft, aber in der Hoffnung auf die Auferstehung auch fröhlich" begangen.
(apa/red)