Opernball 2012 von

"Spätestens mit 50 ist Schluss"

Desirée Treichl-Stürgkh verrät in NEWS, dass sie demnächst ihr Amt zurücklegen wird

Opernball 2012 - "Spätestens mit 50 ist Schluss" © Bild: APA/Pfarrhofer

Fähigkeit zur Selbstkritik kann ihr keiner absprechen. Im Vorjahr, so erinnert sich Desirée Treichl-Stürgkh, Organisatorin des Wiener Opernballs, hätten sie ihre Söhne angefleht, das Haus nicht zu verlassen. "Mein Make-up war grauenhaft, aber ich musste in die Oper. Im TV habe ich ausgesehen wie ein Mann, der sich wie eine Frau schminkt." Ungleich ernster analysiert die 47-jährige Herausgeberin die Zukunft des Ereignisses. Spätestens mit 50 möchte sie das Amt der Ballmutter abgegeben haben.

NEWS: Desirée Treichl-Stürgkh, in vier Jahren Opernball haben Sie als Organisatorin viele Höhen und Tiefen durchlebt. Was kann jetzt noch kommen?
Treichl-Stürgkh: Vielleicht eine gewisse Form der Gelassenheit. Ich weiß, wenn es stimmungsmäßig runtergeht, geht es auch wieder bergauf. Und umgekehrt. Ich habe mir viele Sachen sehr zu Herzen genommen, über die ich rückblickend lachen muss. Letztes Jahr habe ich gehofft, dass endlich alles in ruhigen Bahnen verläuft ...

NEWS: Und dann ist Ihnen Lugner in die Parade gefahren.
Treichl-Stürgkh: Erstmals stand mir ein Direktor zur Seite, der den Ball schätzt und unterstützt, und dann verkündet Herr Lugner, dass er die Geliebte des italienischen Ministerpräsidenten in die Oper bringt. Da habe ich mich zu Äußerungen hinreißen lassen, die mir mittlerweile leidtun. Nicht vom Inhalt her, sondern von der Art, wie sie passiert sind.

NEWS: Waren Sie verletzt?
Treichl-Stürgkh: Ja. Wenn man sich so für eine Sache einsetzt wie wir, dann nimmt man es persönlich, wenn etwas deren Gelingen bedroht. Niemand kann nachvollziehen, was im Opernball-Büro los war, nachdem Herr Lugner seinen Gast bekannt gegeben hatte. Inzwischen kann ich mich darüber amüsieren. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich manchmal impulsiv reagiere, mein Herz zu oft auf der Zunge trage und man mir schon von weitem ansieht, ob mir etwas gefällt oder nicht. So bin ich nun mal. Ich möchte mich nicht verstellen.

NEWS: Erstmals übernimmt das Büro des Staatsoperndirektors die Pressebetreuung. Haben Sie damit nicht ein mächtiges Instrument aus der Hand gegeben?
Treichl-Stürgkh: Das geschah auf meine Bitte und ist eine Erleichterung. Natürlich rede ich gerne mit der "New York Times". Aber über den Ball und nicht über Herrn Lugner. Direktor Meyer hilft uns, Presseanfragen professionell zu steuern.

NEWS: Und, bekommt Richard Lugner seine Loge?
Treichl-Stürgkh: Natürlich. Er ist zahlender Gast.

NEWS: Angst vor Absagen?
Treichl-Stürgkh: Von wem? Der Opernball ist so riesig. Da gibt es über 7.000 Menschen, die sich in der Oper herumtummeln. Das Fest ist ein Mix aus den verschiedensten Schichten. Das macht den Ball so vielfältig, so facettenreich, so bunt und so lustig. Mein Ziel war immer, junge Menschen wieder für den Ball zu begeistern. Ich denke, das ist gelungen. Und natürlich ist Spektakel ein Bestandteil des Balls! Ich hoffe, dass das so bleibt, denn ohne Spektakel würde man auch die Eleganz nicht wahrnehmen. Oft wird gesagt, der Ball sei nicht elegant. Das stimmt nicht. Es kommt eben auf die richtige Mischung an. Meine Aufgabe ist daher auch, dafür zu sorgen, dass hochkarätige Gäste kommen. Und zwar ohne dafür bezahlt zu werden.

NEWS: Gehört es nicht zu den grundsätzlichen Missverständnissen, dass das Opernball-Büro keine Star-Gäste einlädt?
Treichl-Stürgkh: Wir haben kaum Einfluss darauf, wer in welcher Loge sitzt, und können nur vermitteln, sofern dies von den Logenbesitzern gewünscht wird. Oft erfahren wir von prominenten Gästen als Letzte. Heuer gibt es zumindest erstmals eine Loge, über deren Plätze ich frei verfügen kann. Als Organisatoren operieren wir in einem Minenfeld, denn es gibt den Ball der 7.000 Gäste, die eine Hetz haben wollen, und es gibt den Ball der öffentlichen Wahrnehmung.

NEWS: Wie kann man diese Problematik lösen?
Treichl-Stürgkh: Ich weiß es nicht. Aber kürzlich hat jemand gemeint, man sollte den ORF bitten, sein Sendekonzept zu überdenken. Neue Plätze, neue Zugänge zu den Storys ... oder den Livebericht einschränken und am nächsten Tag eine gute Zusammenfassung senden.

NEWS: Das würde sofort Ihre Kritiker auf den Plan rufen.
Treichl-Stürgkh: Waren die ewigen Besserwisser denn jemals am Ball? Die meisten meiner Kritiker beurteilen doch nur, was sie im Fernsehen sehen.

NEWS: Kürzlich wurde kolportiert, Sie wollen aufhören.
Treichl-Stürgkh: Ich habe lediglich gemeint, dass ich, wenn es so weit ist, eine geordnete Übergabe machen möchte. Aber momentan läuft es gut. Warum sollte ich aufhören? Ich nehme bereits Anfragen für 2013 an.

NEWS: Nicht amtsmüde?
Treichl-Stürgkh: Natürlich überkommen mich Momente, da ich mir denke, warum tue ich mir das an. Elisabeth Gürtler hat es acht Jahre gemacht. Spätestens wenn ich den 50er streife, fände ich es gut, wenn es dann eine Jüngere oder ein Jüngerer - wer weiß - macht.

NEWS: Frau Gürtler meinte, man soll aufhören, sobald man keine Ideen mehr hat. Ihre Ideen?
Treichl-Stürgkh: Der Ball soll ein "Best of Österreich" werden. In jeder Hinsicht, künstlerisch bis kulinarisch. Eine Visitenkarte des Landes. Das ist die Marschrichtung. Mein Weg ist noch nicht zu Ende gegangen.